Suburbicon

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Filmkritik:

Mit Suburbicon wirft George Clooney einen Blick zurück in die Vorstädte der Fünfziger Jahre und entdeckt hier die Wurzel mancher Übel der amerikanischen Gesellschaft.

Bereits 1986, nach ihrem beachtenswerten Debütfilm Blood Simple, schrieben die Gebrüder Coen eine Drehbuchgrundlage für Suburbicon, welche dann für viele Jahre in der Schublade verschwand. George Clooney überarbeitete das Script zusammen mit Grant Heslov, veränderte den zeitlichen Hintergrund und übernahm dann selbst die Regie.

Bisher drehte George Clooney wahlweise weniger kommerzielle, stilistisch ansprechende Filme (Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind) oder politisch-historische Werke (Good Night, and Good Luck); Suburbicon vereint beide Kategorien und schildert seine Geschichte durch die Augen zweier Kinder, die in einer beispielhaften amerikanischen Vorstadt der Fünfziger Jahre aufwachsen. Zusammen mit den beiden Jungen werden wir Zeuge der düsteren Abgründe amerikanischer Spießbürgerlichkeit, die der Film anhand eines blutigen Versicherungsbetruges (die Originalstory der Coens) und offenem Rassenhass aufdeckt.

Unter Clooneys Einfluss evoziert Suburbicon einen Zusammenhang zwischen der gewalttätigen Kriminalgeschichte und dem Rassismus, der einer frisch in die weiße Gegend gezogenen farbigen Familie entgegenschlägt – ohne es dezidiert auszuformulieren, wirken die Taten beider Handlungsstränge wie Symptome einer tiefer liegenden Krise. Ähnlich wie in Michael Hanekes Das weiße Band, der die bedrückende Kindheit der späteren Weltkriegsgeneration als prägend herausstellt, erscheinen auch die Kinder aus Suburbicon am Ende des Films als Vertreter einer untergründig traumatisierten amerikanischen Generation, der beispielsweise auch Donald Trump (Jahrgang 1946) angehört.

Abseits dieser Interpretation überzeugt Clooneys Werk jedoch weniger. Es ist noch zu verschmerzen, dass die beiden Handlungsstränge beinahe komplett aneinander vorbei laufen und das Gerüst des Films dadurch sehr lose wirkt, als deutlicher Makel erweist sich jedoch, dass Clooneys Spagat zwischen dem ironischen Genrekino der Coens und seiner eigenen ernsthaften politischen Auseinandersetzung nicht funktioniert.

Insbesondere der Tonfall von Suburbicon wirkt seltsam: Einerseits forciert das Drehbuch immer wieder verstörende Momente, andererseits sind nicht wenige Szenen absurd komisch angelegt. Clooney vermag es nicht, diese beiden Stimmungsströmungen adäquat zu verbinden, weshalb sein Film irgendwo zwischen Thriller und Satire zu unfertigem Stückwerk verkommt. Das ist auch bei den Darstellern zu spüren: Matt Damon bleibt blass und wirkt bisweilen etwas verloren, während sich Julianne Moore deutlich besser schlägt, aber auch ein ganzes Stück von ihrer Bestform entfernt ist.

Nur wenige Szenen deuten das Potenzial von Clooneys sechster Regiearbeit an; vor allem ein überraschender, rund fünf Minuten währender verbaler Schlagabtausch zwischen der Protagonistin von Julianne Moore und einem von Oscar Isaac gespielten Versicherungsdetektiv sorgen für einen Heidenspaß. Hier treffen ausgezeichnete Dialoge und ein hohes Maß an Spannung auf spielfreudige Darsteller, gleichzeitig wirkt das Geschehen wie eine Hommage an den Noir-Meilenstein Frau ohne Gewissen.

Auch stilistisch hat Suburbicon einiges zu bieten: Der erfahrene Kameramann Robert Elswit (There Will Be Blood, Michael Clayton, Nightcrawler) bändigt die beinahe schon übertrieben wirkenden bonbonbunten Fifties-Interieurs durch einen herben Kontrast und setzt die Räume durch Low-Key-Beleuchtung sinister in Szene. Die Düsternis inmitten der hübschen Oberflächlichkeit verdeutlich geschickt die Aussage des Films, wirkt aber auch derart artifiziell, wie wir es nur aus den Filmen von David Lynch kennen.

Schade, dass Clooney für seinen satirischen Thriller so selten den richtigen Tonfall findet und dieser dadurch zur platten Farce gerät. Suburbicon wäre gerne ein charmanter Spitzbub, der Witz und Bösartigkeit vereint; leider entpuppt er sich lediglich als frecher Rotzbengel, der nicht weiß, wohin mit seiner Energie.

Handlung:

Die Vorstadtgemeinde Suburbicon wirkt wie eine heile Welt und beherbergt zahllose Mittelstandsfamilien, die den amerikanischen Traum leben. Zu ihnen gehört auch die Familie Lodge, bis ein nächtlicher Einbruch eskaliert. Am nächsten Morgen ist die Mutter des jungen Nicky tot. Doch schon bald bemerkt Nicky, dass bei den Erwachsenen etwas im Argen liegt. Als sich dann auch noch ein wütender Mob formiert, weil die erste farbige Familie in die weiße Siedlung zieht, verwandelt sich die Vorstadtidylle zunehmend in einen Albtraum…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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