TV-Tipps

August 2023

In diesem Jahr bleibt das Sommerloch aus, der August bietet ein großartiges TV-Programm und ist einer der stärksten Monate seit Bestehen dieser Rubrik.

Gezeigt werden Festivalerfolge aus Cannes und Berlin, außerdem veranstaltet der MDR einen Westernabend. Über allem schwebt der 80. Geburtstag von Robert De Niro am 17. August, was ARTE zum Anlass nimmt, drei seiner größten Klassiker zu zeigen; 3SAT steuert noch einen vierten bei.

Einen Geheimtipp aus dem Feld der deutschen Klassiker steht derweil in der Mediathek des NDR zum Abruf bereit – starten wir mit dem biografischen Epos Aus einem deutschen Leben:

Die Rubrik TV-Tipps versucht, die immense Menge an TV-Ausstrahlungen zu kuratieren. Nur wenige Filme pro Monat werden berücksichtigt. Voraussetzung dafür sind Werbefreiheit und eine vernünftige Sendezeit.

Aus einem deutschen Leben

Theodor Kotulla | 1977 | Deutschland

Filmszene aus Aus einem deutschen Leben

Theodor Kotullas Aus einem deutschen Leben schildert in drei Stunden und vierzehn Kapiteln das Leben eines Nationalsozialisten, der vom einfachen Arbeiter zum Lagerkommandanten von Auschwitz aufsteigt. Kotulla ermöglicht uns einen unverstellten Blick, indem er das Porträt nüchtern und ungekünstelt hält; so wird deutlich, wie unspektakulär und geradlinig der Weg des Protagonisten verläuft und wie das autoritäre System seine zahllosen Helfer einspannt. Götz George spielt seinen Schreibtischtäter mit faszinierenden Widersprüchen und vermittelt den Menschen hinter der SS-Uniform als Musterbeispiel für die Banalität des Bösen.

Bis 22.08. in der NDR-Mediathek.

Chinatown

Roman Polanski | 1974 | USA

Filmszene aus Chinatown

Mit Chinatown überführte Roman Polanski den klassischen Film Noir in eine moderne Ära. Es handelt sich um eine typische Detective Story, die in ihren Motiven, dem Handlungsort und den Figuren der Schwarzen Serie entspricht; in der Ausgestaltung rekurriert der Film jedoch auf das New Hollywood-Kino: Das Tempo bleibt niedrig und die Stimmung melancholisch, der Protagonist wirkt orientierungslos. Polanskis Werk geht weniger konsequent als Der Tod kennt keine Wiederkehr vor und dekonstruiert den Film Noir nicht vollends, sondern liefert eine liebevolle Hommage, die besonders durch die pointierten Dialoge und die Coolness von Jack Nicholson und Faye Dunaway überzeugt.

Am Sonntag, dem 06. August 2023, um 22:15 Uhr auf 3SAT.

Rain Man

Barry Levinson | 1988 | USA

Filmszene aus Rain Man

Bei den Oscars des Jahres 1989 gewann Rain Man u. a. in den Kategorien Bester Film, Beste Regie und Bester Hauptdarsteller (Dustin Hoffman), was nicht von ungefähr kommt: Es handelt sich – im besten Sinne – um einen typischen Oscar-Film. Barry Levinson inszeniert ein Road Movie voller amüsanter Eskapaden und mit warmherziger Botschaft, das voll und ganz auf seine beiden Stars zugeschnitten ist. Tom Cruise als oberflächlicher Karrierist und Dustin Hoffman als dessen autistischer Bruder harmonieren prächtig. Dabei schaut Rain Man niemals auf Hoffmans Figur herab, sondern eher auf die von Cruise; ohne seine Botschaft platt auszustellen, formuliert der Film eine Ode an menschliches Miteinander im Schatten des Kapitalismus.

Am Montag, dem 07. August 2023, um 22:00 Uhr auf ARTE.

In den Gängen

Thomas Stuber | 2018 | Deutschland

Filmszene aus In den Gängen

In diesem Höhepunkt der Berlinale 2018 wagt ein junger Mann einen Neuanfang und heuert dafür in der Nachtschicht eines Großmarktes an. In den Gängen spielt größtenteils in den spätabendlichen Regalreihen, die Thomas Stuber als von der Außenwelt abgeschnittene Parallelwelt inszeniert. In diesem zutiefst unpersönlichen Refugium siedelt der Film eine Reihe liebenswerter Figuren an und begleitet ihr Treiben mit viel Kolorit und leisem Humor. Stuber spart an großen Gesten und richtet seinen Blick auf die kleinen Dinge des Lebens, wodurch sein Werk viel Charme und eine große Wahrhaftigkeit gewinnt. Dazu tragen die tollen Darsteller um Franz Rogowski, Sandra Hüller und Peter Kurth erheblich bei.

Am Freitag, dem 11. August 2023, um 20:15 Uhr auf ARTE sowie
am Mittwoch, dem 16. August 2023, um 22:25 Uhr auf NDR.

Spiel mir das Lied vom Tod

Sergio Leone | 1968 | Italien

Filmszene aus Spiel mir das Lied vom Tod

Auf keinen Western passt der Begriff „Pferdeoper“ besser als auf Spiel mir das Lied vom Tod: Handlung und Figuren sind nur rudimentär angelegt, aber die brillante Inszenierung von Sergio Leone formt daraus ein Monument für die Ewigkeit. Die unerreichte Grandezza des Klassikers fußt auf einer enormen Szenenlänge und der unverwechselbaren Musik von Ennio Morricone, die Leone ebenso genial nutzt wie die gnadenlose Aura von Charles Bronson und Henry Fonda. Das führt zu einigen der ikonischsten Szenen in der Geschichte des Genres.

Am Samstag, dem 12. August 2023, um 20:15 Uhr auf MDR.

Das Boot

Wolfgang Petersen | 1981 | Deutschland

Filmszene aus Das Boot

Das Boot ermöglicht ein atmosphärisch dichtes Filmerlebnis, denn den Großteil des 200-Minuten-Epos verbringen wir an Bord eines deutschen U-Boots in den eisigen Tiefen des Atlantiks. Da die überraschend mobile Kamera den beengten Verhältnissen trotzt und der Film statt Musik eine eindringliche Geräuschkulisse einsetzt, entwickelt Das Boot eine große immersive Kraft – wir erleben den oft ungewissen U-Boot-Krieg als Teil der Mannschaft. Aus dieser Unmittelbarkeit zieht die Romanverfilmung eine enorme Spannung, während die markanten Figuren den emotionalen Rahmen schaffen.

Am Samstag, dem 12. August 2023, um 21:45 Uhr auf NDR.

Taxi Driver

Martin Scorsese | 1976 | USA

Filmszene aus Taxi Driver

Taxi Driver entwirft die bedrückende Charakterstudie eines Außenseiters, der im Großstadtdschungel New Yorks verloren geht. Am von Robert De Niro meisterhaft gespielten Travis Bickle illustriert Martin Scorsese die Entfremdung des Individuums von seiner Umgebung; Bickle kann sich nicht länger verständlich machen und gleitet in eine eigene Welt ab, bis seine Gewaltfantasien in die Wirklichkeit durchbrechen. Die eindringlichen Bilder und der fantastische Jazz-Score von Bernard Herrmann verleihen Taxi Driver eine entrückte Stimmung und ziehen uns unwillkürlich in Bickles kaputte Welt. Scorsese setzt das schmuddelige New York der Siebziger Jahre eindrucksvoll in Szene.

Am Montag, dem 14. August 2023, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Casino

Martin Scorsese | 1995 | USA

Filmszene aus Casino

Casino wirft einen Blick hinter die schillernden Kulissen des Las Vegas der Sechziger Jahre. Martin Scorsese entwirft wie schon fünf Jahre zuvor in GoodFellas ein spannendes Milieu-Porträt, schildert die Ränkespiele der Mafia und eine Liebesgeschichte voller Komplikationen. Schon der genial erzählte Auftakt baut einen erzählerischen Sog auf und zieht uns die Filmwelt, die Robert Richardsons fließende Kamera stimmungsvoll einfängt. Zudem setzt Casino schauspielerische Glanzlichter: Robert De Niro und Joe Pesci sind stark, Sharon Stone ragt sogar noch heraus.

Am Sonntag, dem 20. August 2023, um 22:00 Uhr auf 3SAT.

Die Rechnung ging nicht auf

Stanley Kubrick | 1956 | USA

Filmszene aus Die Rechnung ging nicht auf

Bereits mit seinem Frühwerk Die Rechnung ging nicht auf gehört drehte Stanley Kubrick einen stilprägenden Klassiker. Sein Heist-Movie nach Art des Film Noir begleitet eine Gruppe von Gangster bei einem Überfall, der von Anfang an verdammt ist. Dabei ist vor allem die moderne Erzählweise bemerkenswert: Die Rechnung ging nicht auf zeigt das Vorgehen der Protagonisten in mehreren nicht linear aufgebauten Handlungssträngen. Damit verdeutlicht der Film die vielen Details des kriminellen Plans und hält (trotz eines überflüssigen Off-Erzählers) das Suspense auf einem hohen Niveau.

Am Montag, dem 21. August 2023, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Empfehlungen:

06.08.2023 – Chinatown – 22:15 Uhr auf 3SAT

07.08.2023 – Rain Man – 22:00 Uhr auf ARTE

11.08.2023 – In den Gängen – 20:15 Uhr auf ARTE

12.08.2023 – Spiel mir das Lied vom Tod – 20:15 Uhr auf MDR

12.08.2023 – Das Boot – 21:45 Uhr auf NDR

14.08.2023 – Taxi Driver – 20:15 Uhr auf ARTE

16.08.2023 – In den Gängen – 22:25 Uhr auf NDR

20.08.2023 – Casino – 22:00 Uhr auf 3SAT

21.08.2023 – Die Rechnung ging nicht auf – 20:15 Uhr auf ARTE

Einen Blick wert:

05.08.2023 – Barneys Version – 21:45 Uhr auf ONE

09.08.2023 – Berlin Alexanderplatz (2020) – 20:15 Uhr auf ARTE

12.08.2023 – Melancholia – 21:45 Uhr auf ONE

12.08.2023 – Zwölf Uhr mittags – 22:55 Uhr auf MDR

14.08.2023 – Rififi am Karfreitag – 22:05 Uhr auf ARTE

17.08.2023 – Ich, Daniel Blake – 22:30 Uhr auf 3SAT

20.08.2023 – Zeit der Unschuld – 16:15 Uhr auf 3SAT

21.08.2023 – Die durch die Hölle gehen – 21:35 Uhr auf ARTE

27.08.2023 – Der gute Hirte – 20:15 Uhr auf 3SAT

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