Django

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:


Filmkritik:

Zwei Jahre nach Sergio Leones bahnbrechendem Italowestern Für eine Handvoll Dollar entstanden, fügte Sergio Corbucci der Strömung mit Django einen weiteren deftigen Akzent hinzu und schuf einen der einflussreichsten Western überhaupt.

Mit dem Bild, das das amerikanische Western von kernigen Helden und sonnigen Prärien zeichnet, hat Django derweil wenig am Hut, im Gegenteil: Das Nest, in dem Corbuccis Werk über weite Strecken spielt, wirkt regelrecht postapokalyptisch und besteht nur aus einigen windschiefen Hütten, umgeben von einem Meer aus Schlamm. Da wirkt es beinahe schon gnädig, dass die Kamera die Landschaft nie in den üblichen Totalen einfängt, sondern größtenteils auf Nahaufnahmen setzt, die zugleich eine andere Wirkung entfalten – die Kadrage sorgt dafür, dass die Figuren dicht zusammengedrängt werden, sie wirken regelrecht erdrückt, was die angebliche Weite des Wilden Westens ad absurdum führt.

Gleiches gilt auch für die Charaktereigenschaften des titelgebenden Anti-Helden, wie bereits die Eröffnungsszenen beweist, die geschickt mit unserer Erwartungshaltung spielt: Just als Django die Hügel vor der Örtchen erklimmt, wird vor seinen Augen eine Frau ausgepeitscht. Nach mehreren Hieben werden die Täter von Schüssen niedergestreckt – wenn die Kamera dann zu Django schwenkt, sehen wir ihn nicht mit einem rauchenden Colt, sondern in entspannter Zuschauerhaltung; nicht er hat die Frau gerettet, sondern zufällig vorbeikommende Söldner, wie uns ein ironischer Schwenk zurück mitteilt. Das spricht Bände über diesen Mann, dem alles egal ist.

Der weitere Verlauf der Handlung, in der Django sich zwischen zwei örtliche Banden stellt und für einigen Stunk sorgt, erinnert im Groben an Für eine Handvoll Dollar und dessen Vorlage Yojimbo, fällt jedoch deutlich weniger detailliert aus. Django ist kein Werk, das über eine ausformulierte Handlung funktioniert, nicht einmal besonders viel Spannung hat Corbuccis Western zu bieten; stattdessen zeichnet sich der Film vor allem durch seine Rohheit aus, durch die Freude am Groben, die Corbucci regelrecht leichtsinnig zelebriert, wenn er deftige Gewalteinlagen, die vorherige Western deutlich in den Schatten stellen, mit Spuren von galligem Humor kombiniert. Eine derartige Mischung lässt sich heutzutage am ehesten im Kino von Quentin Tarantino finden, der stark von Django beeinflusst wurde: Die Szene in Reservoir Dogs, in der einem Protagonisten ein Ohr abgeschnitten wird, findet ihre Entsprechung in Corbuccis Werk.

Allem Nihilismus zum Trotz lassen sich in Django sogar gesellschaftskritische Anleihen finden, wenn eine der Banden beispielsweise auf rote Maskierungen setzt, die Assoziationen zum Ku-Klux-Klan wecken; den politische Subtext des linksgerichteten Regisseurs halte ich jedoch eher für unwesentlich. Deutlich stärker bleiben die Musik von Luis Enríquez Bacalov, der fesche Titelsong sowie die eiskalte Aura des eigentlich viel zu jungen Hauptdarstellers Franco Nero im Gedächtnis. Neros Präsenz trägt den Film und macht ihn berühmt. Sein Titelheld dürfte bis dato der erbarmungsloseste Killer des Genres sein und setzte Maßstäbe – Sergio Corbuccis Django zählt zu den besonderen Werken des Genres.

Handlung:

In einem gottverlassenen Nest an der mexikanisch-texanischen Grenze erscheint ein wortkarger Revolverheld und mischt sich in die Auseinandersetzungen zwischen den rivalisierenden Banditenarmeen eines mexikanischen Revolutionsgenerals und eines angelsächsischen Großgrundbesitzers. Und während der kühle Django anfängt, reihenweise Gehilfen zu erschießen, beginnen sich die Leute zu fragen, was sich in dem Sarg befindet, den der Desperado fortwährend hinter sich her zieht…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-07-20T16:29:18+00:00

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