Hiroshima mon amour

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Filmkritik:

Alain Resnais schrieb bereits mit seinem ersten Spielfilm Filmgeschichte: Hiroshima mon amour wagt sowohl inhaltliche als auch formale Experimente, zählt damit zu den frühen Vertretern der Nouvelle Vague und übt trotz einer gewissen Schwere eine zeitlose Faszination aus.

Obwohl der Film von einer in Hiroshima weilenden, französischen Schauspielerin erzählt, die eine 24 Stunden währende Liaison mit einem Japaner eingeht, handelt es sich absolut nicht um ein romantisches Werk, wie schon die berühmten ersten fünfzehn Minuten bezeugen: Auf eine magische Liebesszene in bestechenden Schwarz-Weiß-Großaufnahmen folgt ein unheimlich schwermütiger Dialog, der mit Opferbildern der Atombombenexplosion vom 6. August 1945 unterlegt ist.

Resnais‘ Werk besitzt kein spezifisches Thema, an dem es sich abarbeitet, sondern subjektiviert seine Erzählung in größtmöglichem Maße: Die Gegenwart, die Vergangenheit, die Träume und Erinnerungen der Protagonistin gleiten ineinander über, vermischen sich, verblassen. In einigen Phasen wirkt Hiroshima mon amour wie ein Essayfilm und gleichzeitig wie ein Gedicht. Einen besonderen Einfluss üben die Dialoge der Schriftstellerin Marguerite Duras aus, die von Resnais die Anweisung bekam, statt eines Drehbuchs Literatur zu schreiben.

Zwei Jahre vor seinem zeitlosen Meisterwerk Letztes Jahr in Marienbad entstanden, deutete Resnais seine handwerkliche Klasse hier bereits an. Nicht nur seine Bildgestaltung, sondern vor allem die Montage wirkt überaus gekonnt und umfasst Jump Cuts und geschickte Überblendungen. Nach der Prämisse der Nouvelle Vague drehte Resnais an Originalschauplätzen und erhält dadurch ein eigenes Flair, zu dem die faszinierende musikalische Untermalung der späteren Komponistenlegende Georges Delerue viel beiträgt. Hauptdarstellerin Emmanuelle Riva und ihr Konterpart Eiji Okada (der später noch im japanischen Epos Die Frau in den Dünen glänzte) spielen ihre anspruchsvollen Rollen auf hohem Niveau und erden den schwierigen Film.

Die alles prägende Agonie des Films, die gedankenverlorenen Monologe und die bleierne Stimmung mögen zunächst einen Hang zum Prätentiösen erahnen lassen, doch das Gegenteil ist der Fall. Hiroshima mon amour erzählt von derart tief greifenden Empfindungen, von Liebe, Schuld, Weltschmerz und Verlust, dass der Versuch, diese komplexen Gefühlswelten in einem Bild oder einem Satz darzustellen, einer kläglichen Banalisierung gleichkäme.

Anstatt diese Erschütterungen der Seele oberflächlich abzubilden, führen uns Resnais‘ Bildcollagen in ein vages Zwischenreich, in dem die Oberfläche wenig Bedeutung hat, während das Nicht-Gezeigte die Komplexität der Gefühle betont. Resnais bietet die Möglichkeit, uns in den unsichtbaren Stimmungen seines Films wiederzufinden, einzutauchen, abzuschweifen – kurzum, selbst zu fühlen, statt nur anderen dabei zuzusehen.

Handlung:

Eine französische Schauspielerin weilt für Dreharbeiten in Hiroshima, als sie einen japanischen Architekten kennenlernt und eine kurze Liaison beginnt. Als sie ihn am nächsten Morgen in ihrem Hotelbett beobachtet, treten verdrängte Erinnerungen an die Vergangenheit zutage. Einst liebte sie einen Mann, doch es war die Zeit des Zweiten Weltkrieges, sie war jung und ihr Liebhaber ein deutscher Besatzer. Während die Frau mit ihrer Vergangenheit kämpft, verbringt sie ihre letzten 24 Stunden in Japan mit dem Architekten…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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