Red Angel

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:


Filmkritik:

In seinem Antikriegsfilm Red Angel macht Regisseur Yasuzo Masumura keine Gefangenen – bereits nach wenigen Minuten Spielzeit konfrontiert das Drehbuch sein Publikum mit einem grässlichen Schock; auch danach scheut der kontroverse japanische Film keine Wagnisse. Selten konnte der Zuschauer froher sein, einen Schwarz-Weiß-Film zu schauen: Die heftigen Operationsszenen in dem vor Kriegsversehrten überquellenden Feldlazarett gehen durch Mark und Bein, insbesondere auch wegen der kompromisslosen Tonebene, die die zahlreichen Amputationen untermalt.

In Red Angel gibt es keine Helden des Krieges, sondern nur Opfer – die gesichtslosen Soldaten bleiben durchgängig „Kriegsmaterial“. So beeindruckt der Film vor allem durch seine Herangehensweise, die sich allem Politischen, Pathetischen oder gar Patriotischen entzieht und sich auf die condition humaine besinnt – die Protagonisten verkümmern emotional von Minute zu Minute mehr und arrangieren sich in einer zunehmend abstrakteren Parallelwelt. Einzig die fast schon biblische Nächstenliebe der ausgezeichnet gespielten Protagonistin bietet Eskapismusmotive an, die jedoch schon von vornherein als unmöglich negiert werden.

So bleibt einzig die Romanze zwischen der Protagonistin und ihrem vorgesetzten Arzt als positiver Gegenpol zu all dem Leid. Erfreulicherweise geht Red Angel über drei Viertel der Spielzeit sehr zurückhaltend mit der Beziehung der beiden, was allerdings gleichzeitig den Nachteil bedeutet, dass die Bindung zwischen ihnen nicht immer nachvollziehbar ausfällt. Das emotionale Finale, die großartige Bildgestaltung und die drückende Atmosphäre begleiten den Zuschauer über das Filmende hinaus und beschäftigen nachhaltig.

Handlung:

Im Jahr 1939 tobt der Zweite Weltkrieg in Asien: Japan erobert immer größere Teile von China, muss jedoch heftige Verluste hinnehmen. Die Krankenschwester Sakura Nishi wird Richtung Front geschickt und erlebt schnell, wie sich Menschen zu Opfern verwandeln: Unter der Leitung des morphinabhängigen Chirurgen Dr. Okabe, der in Höchstgeschwindigkeit Amputationen vornimmt, muss sie die notdürftig zusammengeflickten Soldaten pflegen und entwickelt nicht nur Gefühle für sie, sondern auch für Dr. Okabe. Doch im Krieg bedeuten Gefühle nur zusätzliches Leid…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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