In seinem Antikriegsfilm Red Angel macht Regisseur Yasuzô Masumura keine Gefangenen – bereits nach wenigen Minuten Spielzeit konfrontiert das Drehbuch sein Publikum mit einem grässlichen Schock; auch danach scheut der kontroverse japanische Film keine Wagnisse. Selten konnte der Zuschauer froher sein, einen Schwarz-Weiß-Film zu schauen: Die heftigen Operationsszenen in dem vor Kriegsversehrten überquellenden Feldlazarett gehen durch Mark und Bein, insbesondere auch wegen der kompromisslosen Tonebene, die die zahlreichen Amputationen untermalt.

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Filmkritik:

In Red Angel gibt es keine Helden des Krieges, sondern nur Opfer – die gesichtslosen Soldaten bleiben durchgängig „Kriegsmaterial“. So beeindruckt der Film vor allem durch seine Herangehensweise, die sich allem Politischen, Pathetischen oder gar Patriotischen entzieht und sich auf die conditio humana besinnt – die Protagonisten verkümmern emotional von Minute zu Minute mehr und arrangieren sich in einer zunehmend abstrakteren Parallelwelt. Einzig die fast schon biblische Nächstenliebe der ausgezeichnet gespielten Protagonistin bietet Eskapismusmotive an, die jedoch schon von vornherein als unmöglich negiert werden.

So bleibt einzig die Romanze zwischen der Protagonistin und ihrem vorgesetzten Arzt als positiver Gegenpol zu all dem Leid. Erfreulicherweise geht Red Angel über drei Viertel der Spielzeit zurückhaltend mit der Beziehung der beiden um, was allerdings gleichzeitig den Nachteil bedeutet, dass die Bindung zwischen ihnen nicht immer nachvollziehbar ausfällt. Das emotionale Finale, die großartige Bildgestaltung und die drückende Atmosphäre begleiten den Zuschauer über das Filmende hinaus und beschäftigen nachhaltig.

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DIE ÄRA

Die Sechziger Jahre zählen zu den revolutionärsten Jahrzehnten der Kinogeschichte. Mehrere Strömungen – die neuen Wellen – verschoben künstlerische Grenzen und modernisierten die Filmsprache. Viele Regisseure ließen die Themen der vorherigen Generationen hinter sich und drehten freiere, gesellschaftskritischere Werke.

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DAS GENRE

Obwohl das Genre auf ein spezifisches Thema festgelegt ist, bieten sich dem Betrachter eine Vielzahl Subtexte und Motive. Während Kriegsfilme sich vornehmlich auf Abenteuer, Kameradschaft und Heldenmut konzentrieren, eröffnen sich im Antikriegsfilm eine Vielzahl von Themen: Moral und Menschenrechte, der Horror und die Absurdität des täglichen Grauens oder die perverse Systematik dahinter.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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