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Mockumentaries

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Willkommen in einer neuen Rubrik auf Filmsucht.org – wie bereits in meinem Ausblick auf das Jahr 2019 angekündigt, möchte ich die großen Bestenlisten zu Jahrzehnten und Genres ergänzen. Fortan veröffentliche ich unter Toms Top 7 kurze, absichtlich subjektiv gehaltene Listen zu spezifischen Themen.

Heute starten wir mit einer besonderen filmischen Spielart – der Mockumentary.

Was sind Mockumentaries?

Das Wort Mockumentary setzt sich aus zwei englischen Begriffen zusammen – aus Documentary, also dem Dokumentarfilm, sowie dem Verb (to) mock, das „vortäuschen“ oder „verspotten“ bedeutet. Mockumentaries sind also fiktive Dokumentationen, die vortäuschen, echt zu sein.

Dabei lassen sich zwei Spielarten unterscheiden: Insbesondere frühe Mockumentaries arbeiteten mit subtilen Mitteln daran, so viele Zuschauer wie möglich zu täuschen. Sie wollten ernst genommen werden, um ihren Zuschauern Vorurteile auszutreiben und sie zur Reflexion zu zwingen.

Die subversive Veranlagung dieser Gattung ist inzwischen kaum mehr zu finden. Stattdessen setzen aktuelle Mockumentaries auf Ironie und spielen ganz offen mit ihrer Metaebene. Den Ansatz, durch eine hyperrealistische Aufmachung unser Abstraktionsvermögen zu behindern, machen sich inzwischen vor allem Horrorfilme zunutze – sogenannte Found Footage-Werke.

Für die nachfolgende Top 7 habe ich alle Arten von Mockumentaries berücksichtigt. Werfen wir also einen Blick auf dieses nach wie vor nicht alltägliche Format:

Erwähnenswerte Filme

Der BBC besitzt in puncto Mockumentaries eine langjährige Tradition und verdankt einen Großteil seiner Meriten dem damaligen Jungspund Peter Watkins, der der große Meister dieses Formats ist. In Culloden inszeniert der Brite eine täuschend echt wirkende „Live“-Doku über eine große Schlacht – die allerdings 1746 stattfand. Kein Bestenlistenmaterial, aber eine interessante Herangehensweise an eine Dokumentation.

Deutlich unterhaltsamer ist da schon der französische Vertreter Kubrick, Nixon und der Mann im Mond. Die scheinheilige Doku stellt die Vermutung an, die erste Mondlandung sei ein Fake der NASA gewesen und von Stanley Kubrick inszeniert worden. Dabei sorgen vor allem die clever zusammengeschnittenen Interviewsequenzen mit echten Politikern für die Illusion, während einige kaum versteckte Anspielungen das Ganze sukzessive auffliegen lassen.

Bereits 1938 narrte der junge Orson Welles tausende Amerikaner mit seinem realistisch gestalteten Hörspiel zu H.G. Wells‘ Krieg der Welten. Am Ende seiner Karriere schloss sich der Kreis mit F wie Fälschung. Dieser wirkt wie eine essayistische Doku über einen Kunstfälscher, entpuppt sich jedoch einmal mehr als Lausbubenstreich des Meisterregisseurs.

Auch in Deutschland sorgte eine Mockumentary für Schlagzeilen: 1970 lief im ARD die Sendung Das Millionenspiel. Diese „Spielshow“ schilderte eine realistische Menschenjagd auf einen Kandidaten, der sieben Tage überleben muss, um ein Preisgeld zu gewinnen. Damit nahm der Film nicht nur das trashige Schwarzenegger-Vehikel Running Man und das Reality-TV vorweg, sondern animierte auch zahlreiche Zuschauer dazu, sich für kommende Sendungen als Kandidat oder Jäger zu bewerben.

Die konsequenteste Mockumentary ist wohl Casey Afflecks I’m Still Here. Hier opferte Joaquin Phoenix zwei Jahre seines Lebens und seinen Ruf, als er einen Rückfall in die Drogensucht und das Ende seiner Schauspielkarriere simulierte. Freunde, Kollegen und die Presse fielen darauf herein. Der Film überzeugt zwar nicht vollends, gibt jedoch einen interessanten Einblick hinter die Kulissen des Startums.

Andere Mockumentaries spielen deutlich offensichtlicher mit der Tatsache, dass sie keine echten Geschehnisse abbilden. In der Politsatire Bob Roberts treten bekannte Darsteller auf, ebenso in Woody Allens Zelig. Eher an Unterhaltung als an Täuschung interessiert ist auch This Is Spinal Tap, eine „Doku“ über eine fiktive Glamrockband, der ständig die Schlagzeuger wegsterben.

Bei Mockumentaries im Horrorgenre spielt Glaubwürdigkeit ohnehin eine untergeordnete Rolle. Als Doku über eine Vampir-WG schert sich das neuseeländische Werk 5 Zimmer Küche Sarg daher überhaupt nicht darum und setzt lieber auf Klamauk. Behind The Mask begleitet einen typischen Horrorfilmkiller bei der Arbeit und spielt dabei mit den Meta-Ebenen des Genres. Doch auch ernsthafte Horrorfilme nutzen die Spielart der Mockumentary, oft in Form des Found Footage-Films: Paranormal Activity und [Rec] sind da zu nennen, besonders letzterer zu empfehlen.

Das soll es mit dem Vorgeplänkel gewesen sein. Stürzen wir uns nun in die Top 7 der Mockumentaries:

Platz 7: Cloverfield

(Matt Reeves | USA | 2008)

Filmszene aus Cloverfield

Cloverfield hat sich hauchdünn gegen [Rec] durchgesetzt, weil er das immanentere Filmerlebnis bietet. Was mit einer Geburtstagsparty beginnt, geht schnell in ein Science-Fiction-Setting über, bei dem die Protagonisten vor einem gigantischen Alien fliehen, das New York in Schutt und Asche legt. Den ausgelutschten Plot bereichert Cloverfield durch ein ausgeprägtes DSF-Gefühl – hier sind wir „mittendrin statt nur dabei“.

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Platz 6: Woody, der Unglücksrabe

(Woody Allen | USA | 1969)

Filmszene aus Woody, der Unglücksrabe

Als angeblicher Dokumentarfilm schildert Woody, der Unglücksrabe die verpatzte Verbrecherkarriere des Protagonisten Virgil Starkwell, der gerade zum „Verbrecher des Jahres“ gekürt, aber eben auch zu 800 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Wo kommt dieser Mann her und für welche Taten muss er büßen? Woody Allens Debütfilm nutzt die Form der Mockumentary nicht wirklich konsequent, findet durch diese berichtende Erzählform jedoch den idealen Weg, um zahllose Gags miteinander zu verbinden.

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Platz 5: Series 7

(Daniel Minahan | USA | 2001)

Filmszene aus Series 7

Series 7 formuliert eine bissige Kritik am Reality-TV, indem er dessen Mittel nur einen Hauch übertriebener nachbuchstabiert. Unterlegt von pseudodramatischer Musik und aufgepeppt mit pseudogefühlvollen Interviews, erleben wir die siebte Staffel von The Contenders, einer unterhaltsamen Show für die ganze Familie. Zufällig ausgeloste Kandidaten erhalten hier die Aufgabe, sich gegenseitig umzubringen – der letzte noch lebende Kandidat gewinnt. Seit Wochen ungeschlagen: die schwangere Hausfrau und baldige Mutter Dawn.

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Platz 4: The War Game

(Peter Watkins | Großbritannien | 1967)

Filmszene aus The War Game

Platz 4 geht an den Meister der Mockumentary, Peter Watkins. The War Game spielt in einem dokumentarischen „Was wäre wenn-Szenario“ durch, wie sich ein Atomkrieg auf die britische Bevölkerung auswirken würde. Die Mockumentary entstand 1966 als Auftragsarbeit der BBC und erwies sich als derart bedrückend, dass der Sender sie noch vor der Ausstrahlung für 20 Jahre aus dem Verkehr zog. Daran hat sich wenig geändert – The War Game schockiert noch immer und zählt zu den besten Vertretern des politischen Kinos.

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Platz 3: Blair Witch Project

(Daniel Myrick, Eduardo Sánchez | USA | 1999)

1999 avancierte die Billigproduktion Blair Witch Project zum Überraschungserfolg und stellt wohl die populärste Mockumentary überhaupt dar. Der Horrorfilm beginnt als Doku über einen Hexenwald, die drei Studenten drehen. Wenn dann seltsame Dinge passieren, sehen wir davon aufgrund der wackligen Handkamera nicht viel, doch gerade das macht den mysteriösen Charme des Films aus.

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Platz 2: Strafpark – Punishment Park

(Peter Watkins | USA | 1971)

Filmszene aus Strafpark - Punishment Park

Und noch mal Peter Watkins: Der progressive Ausnahmefilmer schnappt sich auch den zweiten Platz. Auch mit Strafpark sorgte er für Kontroversen, weil er ein Amerika am Rande des politischen Wahnsinns einfängt. Watkins spielt die subversive Stärke der Erzählform perfekt aus und drehte eine noch immer wütend machende Anklage gegen den Missbrauch von staatlicher Autorität. Strafpark agiert als Zeitkapsel für die Wut der Vietnamära und besitzt in Zeiten von erstarkenden Nationalismusbewegungen und der Ära Trump eine tagesaktuelle Relevanz.

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Platz 1: Mann beißt Hund

(Rémy Belvaux, Benoît Poelvoorde, André Bonzel | Belgien | 1992)

Filmszene aus Mann beißt Hund

Der erste Platz für die beste Mockumentary geht an Mann beißt Hund. Der belgische Skandalfilm begleitet einen gewohnheitsmäßigen Mörder durch seinen Alltag.

Da sich der Killer (auch dank seines Schauspielers Benoît Poelvoorde) als geborener Selbstdarsteller erweist, entwickelt sich Mann beißt Hund zu einem unangenehm witzigen Film, der uns im fliegenden Wechsel zum Lachen bringt oder in den Magen schlägt. Dahinter verbirgt sich eine kritische Reflexion über die Sensationsgier der Medien und uns Zuschauer, die wir das konsumieren wollen.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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Was sind Mockumentaries?

Das Wort Mockumentary setzt sich aus zwei englischen Begriffen zusammen – aus Documentary, also dem Dokumentarfilm, sowie dem Verb (to) mock, das „vortäuschen“ oder „verspotten“ bedeutet. Mockumentaries sind also fiktive Dokumentationen, die vortäuschen, echt zu sein.

Dabei lassen sich zwei Spielarten unterscheiden: Insbesondere frühe Mockumentaries arbeiteten mit subtilen Mitteln daran, so viele Zuschauer wie möglich zu täuschen. Sie wollten ernst genommen werden, um ihren Zuschauern Vorurteile auszutreiben und sie zur Reflexion zu zwingen.

Die subversive Veranlagung dieser Gattung ist inzwischen kaum mehr zu finden. Stattdessen setzen aktuelle Mockumentaries auf Ironie und spielen ganz offen mit ihrer Metaebene. Den Ansatz, durch eine hyperrealistische Aufmachung unser Abstraktionsvermögen zu behindern, machen sich inzwischen vor allem Horrorfilme zunutze – sogenannte Found Footage-Werke.

Für die nachfolgende Top 7 habe ich alle Arten von Mockumentaries berücksichtigt. Werfen wir also einen Blick auf dieses nach wie vor nicht alltägliche Format:

Erwähnenswerte Filme

Der BBC besitzt in puncto Mockumentaries eine langjährige Tradition und verdankt einen Großteil seiner Meriten dem damaligen Jungspund Peter Watkins, der der große Meister dieses Formats ist. In Culloden inszeniert der Brite eine täuschend echt wirkende „Live“-Doku über eine große Schlacht – die allerdings 1746 stattfand. Kein Bestenlistenmaterial, aber eine interessante Herangehensweise an eine Dokumentation.

Deutlich unterhaltsamer ist da schon der französische Vertreter Kubrick, Nixon und der Mann im Mond. Die scheinheilige Doku stellt die Vermutung an, die erste Mondlandung sei ein Fake der NASA gewesen und von Stanley Kubrick inszeniert worden. Dabei sorgen vor allem die clever zusammengeschnittenen Interviewsequenzen mit echten Politikern für die Illusion, während einige kaum versteckte Anspielungen das Ganze sukzessive auffliegen lassen.

Bereits 1938 narrte der junge Orson Welles tausende Amerikaner mit seinem realistisch gestalteten Hörspiel zu H.G. Wells‘ Krieg der Welten. Am Ende seiner Karriere schloss sich der Kreis mit F wie Fälschung. Dieser wirkt wie eine essayistische Doku über einen Kunstfälscher, entpuppt sich jedoch einmal mehr als Lausbubenstreich des Meisterregisseurs.

Auch in Deutschland sorgte eine Mockumentary für Schlagzeilen: 1970 lief im ARD die Sendung Das Millionenspiel. Diese „Spielshow“ schilderte eine realistische Menschenjagd auf einen Kandidaten, der sieben Tage überleben muss, um ein Preisgeld zu gewinnen. Damit nahm der Film nicht nur das trashige Schwarzenegger-Vehikel Running Man und das Reality-TV vorweg, sondern animierte auch zahlreiche Zuschauer dazu, sich für kommende Sendungen als Kandidat oder Jäger zu bewerben.

Die konsequenteste Mockumentary ist wohl Casey Afflecks I’m Still Here. Hier opferte Joaquin Phoenix zwei Jahre seines Lebens und seinen Ruf, als er einen Rückfall in die Drogensucht und das Ende seiner Schauspielkarriere simulierte. Freunde, Kollegen und die Presse fielen darauf herein. Der Film überzeugt zwar nicht vollends, gibt jedoch einen interessanten Einblick hinter die Kulissen des Startums.

Andere Mockumentaries spielen deutlich offensichtlicher mit der Tatsache, dass sie keine echten Geschehnisse abbilden. In der Politsatire Bob Roberts treten bekannte Darsteller auf, ebenso in Woody Allens Zelig. Eher an Unterhaltung als an Täuschung interessiert ist auch This Is Spinal Tap, eine „Doku“ über eine fiktive Glamrockband, der ständig die Schlagzeuger wegsterben.

Bei Mockumentaries im Horrorgenre spielt Glaubwürdigkeit ohnehin eine untergeordnete Rolle. Als Doku über eine Vampir-WG schert sich das neuseeländische Werk 5 Zimmer Küche Sarg daher überhaupt nicht darum und setzt lieber auf Klamauk. Behind The Mask begleitet einen typischen Horrorfilmkiller bei der Arbeit und spielt dabei mit den Meta-Ebenen des Genres. Doch auch ernsthafte Horrorfilme nutzen die Spielart der Mockumentary, oft in Form des Found Footage-Films: Paranormal Activity und [Rec] sind da zu nennen, besonders letzterer zu empfehlen.

Das soll es mit dem Vorgeplänkel gewesen sein. Stürzen wir uns nun in die Top 7 der Mockumentaries: