Eine verheiratete Frau

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Filmkritik:

Nachdem Jean-Luc Godard mit Die Verachtung einen überaus gelungenen, aber untypischen Film drehte, kehrte er mit Eine verheiratete Frau wieder in sein gewohntes Arbeitsfeld zurück: Wie schon mehrmals zuvor steht eine Frau im Mittelpunkt einer nur sporadisch formulierten Handlung, in Szene gesetzt in schönen Schwarz-Weiß-Bildern von Raoul Coutard.

Fragmente aus 24 Stunden im Leben einer verheirateten Frau zeigt uns Godard und setzt dabei mehr noch als in seinen vorherigen Werken auf eine essayistische Form. Wir sehen, wie sie Zeit mit ihrem Ehemann verbringt und mit einem Liebhaber, in einem Café sitzt oder mit ihrer Haushälterin diskutiert. Der Regisseur, der in der Regel ohne konventionelles Drehbuch drehte, kommentiert dies hauptsächlich über die Bildebene und gibt die Gedanken seiner Protagonisten Charlotte in einem geflüsterten Voice-Over an das Publikum weiter.

Vor allem überzeugt Eine verheiratete Frau als sinnlicher, körperlicher Film, der trotz der beobachtenden Distanz des Zuschauers zu Charlotte eine gewisse Intimität aufbaut, wenn sich die Kamera minutenlang auf Charlottes Körper konzentriert, ihre Hände, ihren Rücken und ihre Beine in Großaufnahme zeigt und damit an die berühmte Anfangssequenz von Alain Resnais‘ Hiroshima, mon amour erinnert.

Eine verheiratete Frau erweist sich letztlich als ein im positiven Sinne typischer Film von Godard. Er verzichtet auf eine ausformulierte Handlung zugunsten einer assoziativen Bildsprache, die Inhalte und Bedeutungen suggeriert und von einer oft asynchronen oder zumindest außerhalb des Bildes stattfindende Tonebene unterstützt wird. Dank der wunderbaren Bilder von Raoul Coutard und den guten Darstellern gelingt es Eine verheiratete Frau trotz seiner fragmentarischen Erzählweise, ein nachfühlbares Porträt seiner Hauptfigur zu zeichnen.

Handlung:

Charlotte ist 27, Redakteurin einer Frauenzeitschrift, zum zweiten Mal verheiratet, mit Sohn aus erster Ehe. Sie ist mit ihrem Geliebten, einem Schauspieler, zusammen, holt den Gatten, einen Piloten, vom Flughafen ab, verbringt mit ihm und einem Journalisten den Abend. Am anderen Tag erfährt sie, dass sie schwanger ist, weiß aber nicht von wem. Sie trifft den Geliebten im Kino des Flughafens Orly. Im Flughafenhotel lesen sie mit verteilten Rollen eine Abschiedsszene aus Racines „Bérenice“.

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-16T09:21:01+00:00

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