Fragmente aus 24 Stunden im Leben einer verheirateten Frau zeigt uns Godard und setzt dabei mehr noch als in seinen vorherigen Werken auf eine essayistische Form. Wir sehen, wie sie Zeit mit ihrem Ehemann verbringt und mit einem Liebhaber, in einem Café sitzt oder mit ihrer Haushälterin diskutiert. Der Regisseur, der in der Regel ohne konventionelles Drehbuch drehte, kommentiert dies hauptsächlich über die Bildebene und gibt die Gedanken seiner Protagonisten Charlotte in einem geflüsterten Voice-Over an das Publikum weiter.
Vor allem überzeugt Eine verheiratete Frau als sinnlicher, körperlicher Film, der trotz der beobachtenden Distanz des Zuschauers zu Charlotte eine gewisse Intimität aufbaut, wenn sich die Kamera minutenlang auf Charlottes Körper konzentriert, ihre Hände, ihren Rücken und ihre Beine in Großaufnahme zeigt und damit an die berühmte Anfangssequenz von Alain Resnais‘ Hiroshima mon amour erinnert.
Eine verheiratete Frau erweist sich letztlich als ein im positiven Sinne typischer Film von Godard. Er verzichtet auf eine ausformulierte Handlung zugunsten einer assoziativen Bildsprache, die Inhalte und Bedeutungen suggeriert und von einer oft asynchronen oder zumindest außerhalb des Bildes stattfindende Tonebene unterstützt wird. Dank der wunderbaren Bilder von Raoul Coutard und den guten Darstellern gelingt es Eine verheiratete Frau trotz seiner fragmentarischen Erzählweise, ein nachfühlbares Porträt seiner Hauptfigur zu zeichnen.