Miller’s Crossing

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:


Filmkritik:

Miller’s Crossing beweist direkt mit seiner großartigen Eröffnungsszene, dass die Gebrüder Coen großen Wert auf Stil gelegt und erwartungsgemäß keinen völlig konventionellen Gangsterfilm gedreht haben. Zwar spielen die Coens nicht so offensiv mit Humorelementen und Skurrilitäten wie in ihren Komödien, dennoch durchzieht eine feine Ironie den Plot und die Dialoge, allerdings gemischt mit hartem Gangstergestus, was interessante Kontraste ermöglicht.

Gewürzt wird das Geschehen überdies noch mit filmischen Anspielungen (dass der Hut des Protagonisten ständig in den Fokus gerückt wird, bezieht sich beispielsweise auf Melvilles famosen Klassiker Der Teufel mit der weißen Weste) und dem Verwerten von Archetypen und Klischees, die leicht abstrahiert einfließen. Das clever gestrickte Script von Miller’s Crossing sorgt auch für altmodischen Charme, wenn in der ersten halben Stunde erst einmal ganz nach klassischer Drehbuchschule die Figuren vorgestellt werden (bzw. sich selbst ganz geschickt vorstellen), bevor sich die Handlung überhaupt erst zu entwickeln beginnt und dann griffige Charaktere, wohldosierte Action- und Spannungsszenen, sowie eine große Portion Stilbewusstsein unter einen Hut bekommt.

Handwerklich bietet Miller’s Crossing bestes Hollywoodniveau: Das Setdesign ist hervorragend, Beleuchtung und Kamera sorgen für tolle Bilder und die Schauspieler agieren durch die Bank weg superb. Hauptdarsteller Gabriel Byrne legt mit seiner abgebrüht-mürrischen Passivität einen Humphrey-Bogart-Gedächtsnisauftritt hin und Albert Finney, John Turterro und Jon Polito sorgen für einige memorable Momente. So funktioniert Miller’s Crossing rundum wunderbar: als Gangsterfilm, als Verbeugung vor Klassikern und als typischer Coen-Film.

Handlung:

Eine Stadt irgendwo im Osten der USA: Man schreibt das Jahr 1929, die Zeit der Prohibition. Es herrschen rauhe Sitten, denn die Gangsterbosse sind die eigentlichen Drahtzieher der Stadt, Bürgermeister und Polizeichef tanzen nach der Pfeife des irischen Bandenchefs Leo. Der glaubt, alles unter Kontrolle zu haben. Allerdings weiss er nicht, dass Tom, der zweite Mann der Gang, sich mit seiner Geliebten Verna im Bett vergnügt. Als der rivalisierende italienische Gansterboss Johnny Casper den Kopf von Vernas Bruder verlangt, weigert sich Leo. Ein blutiger Bandenkrieg bricht los – und Tom steht plötzlich zwischen den Fronten.

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-16T13:02:56+00:00

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