Hathaway verzichtet auf knallige Bildkompositionen und setzt das Geschehen in gedeckten Farben um, die bisweilen etwas verwaschen wirken. Daraus entsteht eine gewisse Ironie – Niagara bekommt einen altbackenen Look, in Schwarz-Weiß wäre der Film wohl besser gealtert.
Der perfide Plot hingegen erweist sich allerdings als zeitlos und entpuppt wunderbar neurotische Akzente bei seinen wenigen Figuren, was in einigen Momenten Reminiszenzen an die Werke von Alfred Hitchcock oder Samuel Fuller wach ruft. Nach einer eher schleppenden Exposition weiß sich Niagara zu steigern.
Dabei bleibt der Film zwar leider bei seiner Figurenzeichnung oberflächlich und bei der Wahl seiner dramaturgischen Elemente simpel, doch die guten Darsteller der drei Hauptfiguren – Jean Peters und Joseph Cotten sowie die wunderbare und endlich mal nicht als blondes Dummchen besetzte Marilyn Monroe – tragen den Film und binden das Publikum.
Das letzte Drittel enttäuscht aufgrund der zu simplen Auflösung der Geschichte, hält letztlich gar keine Konflikte mehr bereit und rundet den Eindruck ab, dass Niagara sein (Kriminalfilm-)Potenzial zugunsten seichter Melodramatik verschenkt. Doch Hathaways Noir besitzt durchaus seine Momente, insbesondere in den Mordszenen.
Die erste wird eleganterweise schlichtweg nicht gezeigt und sorgt für den entscheidenden Twist, die zweite stellt das große Highlight des Films dar: Eine Verfolgungsjagd in einem Turm, die (das einzige Mal in Niagara) expressiv Farben einsetzt – knallrote Türen versperren Fluchtwege, ein gelbes Tuch unterstreicht die Dynamik und aus einer famosen Vogelperspektive wird die Leiche in schwarze Schatten und violettes Licht getaucht – tolle Szene!