Allerdings orientiert sich Reed nicht ausschließlich an der schwarzen Serie, sein britischer Krimi bedient sich sogar bei dessen Ursprung und erinnert mit seiner ausdrucksstarken Bildgestaltung des Öfteren an den Expressionismus deutscher Stummfilme. Reed und sein Kameramann Robert Krasker bemühen sich nicht um ein realistisches Abbild Belfasts, sondern entscheiden sich im Zweifelsfall immer für den Effekt – das stetige Forcieren von düsteren Schatten und einschüchternden Kulissen mag in der Summe etwas künstlich wirken, verfehlt jedoch seine Wirkung nicht und verleiht Ausgestoßen viel Charme.
Die Konzentration auf die Gestaltungsmöglichkeiten sorgt für eine dichte Stimmung, schmälert allerdings die Spannung, weil die Jagd auf den Verbrecher wenig dynamisch erzählt wird und im weiteren Verlauf zu einem unkonventionellen Episodenfilm gerät. Nach dem packenden Beginn weicht das Drehbuch von der grundlegenden Kriminalgeschichte ab und schildert wie in einer mosaikartigen Milieustudie kleinere Handlungsstränge, wenn der flüchtige Verbrecher immer wieder auf absonderliche Einwohner Belfasts trifft, die ihn wahlweise verpfeifen oder bestehlen wollen, ihre eigenen Probleme beklagen oder Obdach anbieten.
Die unkonventionellen Nebenfiguren verleihen Ausgestoßen etwas Märchenhaftes; die Mischung aus bedrohlichem Realismus und traumhaften Begebenheiten erinnert szenenweise an die Werke des Poetischen Realismus aus dem französischen Kino der Dreißiger Jahre. Die Abschweifungen lassen allerdings Tempo und Spannung vermissen.
Neben der faszinierenden Bildgestaltung zählt das Ensemble zu den tragenden Säulen von Reeds Werk. Trotz der Limitierung seines ständig fliehenden Protagonisten überzeugt Hauptdarsteller James Mason mit Charisma und nuanciertem Spiel und findet in Denis O’Dea einen wunderbar eiskalten Gegenspieler. Die Darsteller der vielen markanten Nebenfiguren machen ihre Sache ebenfalls gut.
Wer keinen Hochspannungsthriller erwartet, erhält mit Ausgestoßen eine ungewöhnliche Melange aus Film Noir und Episodenfilm, die vor allem visuell beeindruckt.