2001: Odyssee im Weltraum

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Filmkritik:

Stanley Kubricks epochaler Science-Fiction-Film 2001: Odyssee im Weltraum setzte Maßstäbe und veränderte die Filmlandschaft nachhaltig. Kubrick prägte nicht nur das Genre und inspirierte zahllose Regisseure wie Steven Spielberg, George Lucas, Christopher Nolan oder Gaspar Noé, er sprengte erfolgreich die bis dato geltenden Grenzen des Kinos.

Bis zur Veröffentlichung von 2001 im Jahr 1968 galt das Science-Fiction-Genre als Heimat von verquasten B-Movies, die mit billigen Sensationen und Groschenromanelementen hantierten. Selbst die wenigen ernsthaften Werke des Genres – Fritz Langs Stummfilme Frau im Mond und Metropolis oder die H.G. Wells-Verfilmung Things To Come – nutzten ihr futuristisches Setting, um konventionelle moralische Fabeln zu formulieren. Erst Kubrick trieb die beiden grundlegenden Aspekte des Genres zum Äußersten: Mit wissenschaftlicher Präzision bebildert sein Film die Zukunft der Menschheit und wagt sich gleichzeitig so weit wie möglich in den Bereich des Fantastischen vor.

Kubricks Werk strebt ein Kondensat aus mehreren Millionen Jahren Menschheitsgeschichte an und muss daher zwangsläufig auf einen herkömmlichen Plot verzichtet. Der Filmtitel Odyssee im Weltraum bezeichnet folgerichtig weniger die Irrfahrt eines typischen Protagonisten durch den kosmischen Raum, sondern beschreibt unser Erleben während des Schauens. Die vier Episoden des Films formen zwar zusammen eine inhaltliche Einheit, bilden jedoch narrativ eigenständige Handlungsstränge.

Nachdem sich der Film die Chuzpe erlaubt hat, mit einem vierminütigen Blackscreen und Richard Strauss‘ imposantem Also sprach Zarathustra zu starten, findet der Auftakt von 2001 im prähistorischen Zeitalter der Menschenaffen statt und beobachtet, wie sich diese zum Affenmenschen entwickeln. Rund 25 Minuten Spielzeit umfasst dieses erste Kapitel, in dem kein Wort gesprochen wird, ein mysteriöser schwarzer Monolith auftaucht und dieser schließlich den ersten Geistesblitz der Menschheitsgeschichte hervorruft. Es folgt der berühmteste Match Cut der Filmgeschichte, wenn einer der Affenmenschen erstmals einen Knochen als Waffe benutzt und diesen anschließend in die Luft wirft, was Kubrick für eine Überblendung auf ein ähnlich geformtes Raumschaff nutzt, um mal eben die gesamte menschliche Evolution abzubilden.

Im Weltraumzeitalter angelangt, stößt die Menschheit erneut auf den obskuren Monolithen und entsendet ein Raumschiff, das vom Supercomputer HAL 9000 gesteuert wird. Diese dritte Episode bildet das Zentrum des Films und weist die größte Handlungsdichte und den einzigen Konflikt auf. Die Auseinandersetzung zwischen HAL und der Raumschiffbesatzung gleicht am ehesten dem klassischen Spannungskino, wirft nebenbei jedoch einmal mehr grundsätzliche Fragen auf, die weit über den Film hinaus beschäftigen.

Neben der ambivalenten Themenwahl erhebt vor allem Kubricks Perfektionismus 2001: Odyssee im Weltraum zum zeitlosen Klassiker. Der britische Meisterregisseur investierte vier Jahre in die Produktion des Films, überzog den Drehplan um ganze 16 Monate und verbrauchte beinahe das Doppelte des eingeplanten Budgets. Das Ergebnis rechtfertigt den Mehraufwand und definierte neue Standards. Die atemberaubenden Effekte gelten noch heute als Maßstab für analoge Tricktechnik, die Raumschiffmodelle und ihre Darstellung im Weltall fanden in jedem nachfolgenden Science-Fiction-Film ihre Entsprechung und die ausgeklügelten Kamerafahrten inmitten der detaillierten Sets erzeugen eine seltene visuelle Perfektion.

Auch die letzte Episode des Films, die berühmt-berüchtigte Sternentorsequenz, kommt ohne Dialoge aus und verlässt endgültig die Form und die Maßstäbe des Unterhaltungskinos, um das Unmögliche und Unendliche zu imaginieren. 2001 lässt seinen wissenschaftlichen Unterbau, die reichhaltigen thematischen Bezüge und die philosophischen Fragestellungen schlichtweg hinter sich zurück und entwickelt sich endgültig zum mythischen Erfahrungskino.

Doch obwohl ich dieses einmalige Erlebnis nicht missen wollen würde, zähle ich mich nicht zu den erklärten Liebhabern des Films. Das liegt weniger an der ausgestellten Langsamkeit oder der Tatsache, dass 2001 sich mit thematischen Ansätzen begnügt und aufgrund der angepeilten Ambivalenz thematisch nie in die Tiefe geht; für mich verhindert die klinische Kälte des Films eine potenzielle emotionale Wucht. Der Abspann entlässt mich intellektuell angeregt, aber unbeteiligt.

Doch das ist nicht weiter tragisch: Mehr als 50 Jahre nach seiner Entstehung hat 2001: Odyssee im Weltraum dank seiner enormen Deutungsfreiheit und der brillanten Inszenierung nichts von seiner Kraft verloren. Eiskalt und makellos wie der fremdartige Monolith bleibt Kubricks Meisterwerk unveränderlich und unantastbar. Es lohnt sich ungemein, sich ihm hin und wieder sachte zu nähern, seinem Einfluss nachzuspüren und auf die Geistesblitze zu warten.

Handlung:

Bereits zum Anbeginn der Menschheit erscheint den Urmenschen ein mysteriöser schwarzer Monolith, der einen deutlichen Einfluss auf die primitive Erdbevölkerung zu haben scheint. Tausende Jahre später hat der Mensch sogar das Weltall kolonisiert, doch als der Monolith erneut erscheint, entzieht er sich jeder Analyse. 18 Monate später fliegen der Wissenschaftler David Bowman und seine Crew zu einer Mission zum Jupiter und greifen dabei auf den unfehlbaren Supercomputer HAL zurück, der das gesamte Schiff kontrolliert, aber vielleicht sogar zu intelligent für seine Besatzung ist…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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