Drei Abende mit … Midnight Movies




In der Rubrik Drei Abende mit … widme ich mich drei Tage lang einem spezifischen Thema, um kurze Überblicke zu bestimmten Filmemachern oder Werken zu geben.

Über Midnight Movies:

Diese Ausgabe von Drei Abende mit … wurde inspiriert durch zwei Begebenheiten der letzten Woche. Beim Fantasy Filmfest konnte ich Gaspar Noés neusten Trip Climax sehen und einen Tag später landete die tolle neue Edition von Der wilde Planet in meinem Briefkasten. Ersterer wäre vor einigen Jahrzehnten ein typisches Midnight Movie gewesen, Letzterer zählt direkt dazu.

Doch was sind Midnight Movies?

Es handelt sich nicht um eine Strömung der Filmgeschichte, sondern mehr um eine lose Gruppe von Filmen, die durchaus beträchtliche Unterschiede aufweisen, aber alle eine Gemeinsamkeit besitzen – sie wurden wegen ihrer Absonderlichkeit ausgestoßen.

Die Kinos in den amerikanischen Großstädten der späten Sechziger Jahre angelten mit langen Öffnungszeiten nach Laufkundschaft, konnten sich jedoch die Vorstellungen von Großproduktionen aufgrund der hohen Gebühren nur zur Primetime leisten. Um das späte Abendprogramm zu füllen, griffen die Kinobetreiber hingegen auf günstigere B-Movies zurück oder verfrachteten einige seltsame Kunstfilme auf diese hintersten Programmplätze.

Nach und nach fanden sich neugierige Filmfans zusammen, die die besonderen Reize des obskuren Genrekinos schätzten und sich regelmäßig – bisweilen wohl auch unter dem Einfluss diverser Rauschmittel – zu den Mitternachtsvorstellungen einfanden, um abseitigen Vergnügungen zu frönen. 1970 wuchs diese Kinokultur zu einer losen Bewegung heran, die im Jahr 1970 in New York dafür sorgte, dass die Mitternachtsvorstellungen von Alejandro Jodorowskys Meta-Western El Topo monatelang ausverkauft waren. Je mehr die Bewegung wuchs und sich auf andere Städte ausbreitete, desto stärker suchten die Kinobetreiber nach immer seltsameren Werken – den Midnight Movies.

Qualität zählte dabei nicht unbedingt zu den wichtigsten Auswahlkriterien. Solange sie unkonventionell genug erschienen, wurden auch Werke gezeigt, denen die Diffamation „B-Movie“ noch als Kompliment gereichen würde. Gezeigt wurden Klassiker des schlechten Geschmacks: Der so brutale wie miese (erste) Slasherfilm Blood Feast von Herschell Gordon Lewis oder der unerhört dilettantische Plan 9 aus dem Weltall von Ed Wood. Russ Meyer lieferte reihenweise auf großbusige Schauwerte ausgerichtete Sexkomödien (sowie den ebenso großbusigen, aber weniger harmlosen Thriller Die Satansweiber von Tittfield), während John Waters mit seinem skandalösen Anarchofilm Pink Flamingos – dessen Sichtung ich nach wie vor erfolglos zu verdrängen versuche – ausdrücklich dem schlechten Geschmack huldigte.

Zudem wurden auch die besonderen Qualitäten älterer Klassiker wiederentdeckt. Der obskure Charme von Tod Brownings Freaks, F.W. Murnaus Stummfilmklassiker Nosferatu oder das okkulte schwedische Werk Häxan fügten sich hervorragend in die Riege neuerer Produktionen ein.

Einigen wenigen Midnight Movies gelang der Sprung in den Mainstream oder zumindest das Label des breitflächig anerkannten Kultfilms. Darunter fallen das schräge Musical The Rocky Horror Picture Show und auch George A. Romeros wegweisender Klassiker Die Nacht der lebenden Toten. Doch nicht nur Romeros Karriere fußt auf einem erfolgreichen Midnight Movie, auch Wes Craven etablierte sich lange vor den Nightmare-Filmen durch den abseitigen Terrorfilm Das letzte Haus links, während Peter Bogdanovich durch Bewegliche Ziele groß herauskam und David Lynch die Filmwelt mit Eraserhead auf den Kopf stellte.

Das wohl bekannteste Werk der Bewegung ist ein unumstrittener Klassiker: Stanley Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum erfreute sich – nicht nur wegen seiner berühmten Sternentorsequenz – einer besonderen Beliebtheit unter den mitternächtlichen Kinobesuchern.

Filmauswahl:

Es war gar nicht so einfach, aus der Vielzahl an Midnight Movies drei Werke für die nächsten drei Abende auszuwählen. Für El Topo habe ich mich entschieden, weil er den Grundstein dieser Kinokultur bildete, der psychedelische Sci-Fi-Animationsfilm Der wilde Planet gibt die Verrücktheit der Midnight Movies wieder und David Lynchs Debütfilm Eraserhead zählt zu den größten Highlights dieser Ära. Ein Western, ein Science-Fiction- und ein Horrorfilm sollten für eine bunte Mischung sorgen.

Geschaut wird chronologisch:

1970 – El Topo
1973 – Der wilde Planet
1977 – Eraserhead

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

FilmsuchtPLUS abonnieren

Als Abonnent von FilmsuchtPLUS erhältst du 32 Geheimtipps auf einmal und kannst herausfinden, welcher Empfehlungsgrad am besten zu dir passt. Außerdem verpasst du keine neuen Filmtipps mehr, weil ich dich per E-Mail auf dem Laufenden halte.
Email-Adresse
100% kostenlos und spamfrei