Macht ein Kanon heutzutage überhaupt noch Sinn?
Man hat den Eindruck, Geschmack wird zunehmend subjektivistischer. Im Streamingzeitalter herrscht das Diktat der Konsumierbarkeit; Filme sind immer seltener ein kollektives Ereignis, an dem wir uns alle gemeinsam reiben, die wir diskutieren und ausdifferenzieren können. Stattdessen guckt - fremdgesteuerten von Algorithmen - jeder seins.
Das moderne Konsumverhalten treibt die Menschen auseinander - doch ohne gesellschaftliches Miteinander findet keine kritische Auseinandersetzung mehr statt, was wiederum den Verkauf minderwertiger Konsumprodukte einfacher macht.
Ein Kanon zielt auf das Gegenteil ab: Die technische, filmsprachliche, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung des Mediums wird auf einen Nenner gebracht und ergibt eine gemeinsame Idee davon, was Film ist und sein kann.
Diese Kollektivierung "wertvoller" Filmerfahrungen negiert nicht das individuelle, subjektive Element der Filmliebhaberei. Ein Kanon bietet vielmehr überhaupt eine Grundlage, auf der persönliche Präferenzen und Entdeckungen aufbauen können, er schafft Orientierung und fördert das Verständnis für Qualitäten und die Filmhistorie.
Ob die Welt nun unbedingt noch einen Filmsucht-Kanon braucht? Wahrscheinlich nicht. Seit Jahren verweise ich auf die die 1.000 Filme umfassende Liste von They Shoot Pictures, Don't They? und diverse andere fachkundige Listen.
Dennoch möchte ich auf dieser Website ein Gegengewicht zu den sehr subjektiven Bestenlisten etablieren (und bald noch durch eine zweite Liste ergänzen). Außerdem erreichen mich regelmäßig E-Mails und Nachfragen, welche Filme man nun wirklich sehen muss, bevor das Leben vorbei ist. Darauf habe ich nun die Antwort ...
... die zwangsläufig immer unbefriedigend sein muss, da 50 essenzielle Filme schlichtweg zu wenig sind. Als Richtlinie wollte ich mich auf maximal zwei Filme pro Regisseur oder Strömung beschränken, um von vorneherein auszuschließen, die halbe Liste mit Kubrick, Bergman und Fassbinder zu füllen. Dennoch konnte ich weder Kenji Mizoguchi noch Satyajit Ray oder Samuel Fuller unterbringen, das schmerzt.
Andere absolut essenzielle Filmemacher wie David Lean oder François Truffaut habe ich bewusst außen vor gelassen, weil sie bei mir nicht so hoch im Kurs stehen - so viel zum Thema Subjektivismus. Auch indiskutable Meilensteine wie Citizen Kane oder Vertigo habe ich gestrichen, um wenigstens etwas Raum für eine persönlichere Auswahl zu gewinnen.
Aus der rund 200 Werke umfassenden Shortlist sind am Ende diese 50 essenziellen Filme übrig geblieben: