Die 30 besten Filme

aus China, Hongkong und Taiwan

Seit mehr als 100 Jahren bereichert das chinesischsprachige Kino die asiatische Filmlandschaft und machte sich seit den Siebziger Jahren auch international einen Namen – Stars wie Bruce Lee und Jackie Chan sowie Regisseure wie John Woo und Wong Kar-Wai gehören fest zum Kanon der Filmgeschichte.

Diese Bestenliste soll die Vielfalt der Three Chinas widerspiegeln: Sie enthält chinesische Klassiker, das Hongkong-Kino mit seinen Martial-Arts- und Actionfilmen sowie den Vertretern der Hongkong New Wave und Filme des Neuen Taiwanischen Kinos.

Bestenlisten verkünden keine objektiven Wahrheiten, sie sind per se subjektiv und imperfekt. Die hier aufgeführten persönlichen Favoriten sollten daher als inspirierende Ergänzung zu eigenen Lieblingsfilmen verstanden werden.

Honorable Mentions

Drei Länder, eine Bestenliste – da bleiben zwangsläufig viele sehenswerte Filme außen vor. Sie sollen zumindest lobend erwähnt werden:

Das chinesischsprachige Kino besitzt eine lange Tradition: Erwähnenswert ist etwa das Stummfilmdrama Die Göttliche, das von einer Prostituierten handelt. Große Gefühle bietet auch das Melodram Frühling in einer kleinen Stadt aus dem Jahr 1948.

Eine internationale Bekanntheit erlangte das chinesische Kino durch die Martial-Arts-Filme aus Hongkong, wo die Shaw Brothers jahrzehntelang Klassiker in Serie produzierten – besonders Die 36 Kammern der Shaolin ist zu erwähnen. Auch Patrick Tams Debütfilm Das tödliche Schwert ist einen Blick wert.

Mitte der Achtziger Jahre sorgte die Hongkong New Wave für Furore. John Woo und Ringo Lam kombinierten brachiale Action und übersteigerte Gefühle: Woos Bullet in the Head sowie Lams School on Fire haben die Bestenliste nur knapp verpasst. Weitere sehenswerte New Wave-Vertreter sind Ann Huis polemisches Drama Boat People sowie Patrick Tams unorthodoxe Werke Love Massacre und Nomad.

Je näher das Jahr 1997 und die Übergabe Hongkongs an China rückte, desto stärker reflektierten die Filme der New Wave die diffusen Stimmungen und Identitätsfragen der Bevölkerung. Das kommt im Coming-of-Age-Film In the Heat of the Sun, dem tragischen Liebesdrama Hongkong Love Affair und dem fatalistischen Thriller The Longest Summer zur Geltung.

Auch in Taiwan entwickelte sich eine Filmströmung: Von 1982 an brachte das Neue Taiwanische Kino Filmemacher wie Edward Yang, Tsai Ming-liang und Hou Hsiao-hsien hervor. Für Rebels of the Neon God blieb leider kein Platz auf der Bestenliste.

Ende der Neunziger Jahre machte das Kino Hongkongs vor allem durch stilisierte Thriller von sich reden. Hier ist insbesondere Johnny To zu nennen, der seine ganze Karriere in dieser Rubrik verbrachte. Seine Werke PTU und Running Out of Time sind ebenso auf dem fiktiven 31. Platz gelandet wie Patrick Yaus The Longest Nite.

Das chinesische Kino der Neunziger Jahre verbinde ich vor allem mit den Filmen Zhang Yimous, für sein bodenständiges Drama Die Geschichte der Qiu Ju blieb jedoch leider kein Platz. Außerdem müssen die auch im Westen sehr erfolgreichen modernen Wuxia-Filme Tiger & Dragon und Hero genannt werden. Das aktuelle Kino Chinas bringt auch regelmäßig interessante Filme hervor, etwa den Festivalliebling Feuerwerk am helllichten Tage.

Das Hongkong-Kino lässt es immer noch gerne krachen, etwa in Raging Fire, dem letzten Film des kurz darauf verstorbenen Benny Chan.

Nach diesen lobenden Erwähnungen kommen wir nun zu den 30 besten Filmen aus China, Hongkong und Taiwan:

Filmszene aus Have a Nice Day

Platz 30

Have a Nice Day

Liu Jian | 2017 | China

Als hätte Jim Jarmusch ein Drehbuch von Guy Ritchie verfilmt: Der chinesische Animationsfilm Have a Nice Day schildert in vergnüglichen 77 Minuten, wie ein Dutzend Protagonisten einer Tasche voll Geld nachjagen. Allerdings ist der Independentfilm kein Hochspannungsthriller, sondern gleicht einer lakonischen Film Noir-Ballade: Keine der höchst unterschiedlichen Figuren vermag ihr Schicksal selbst zu beeinflussen, stattdessen trudeln sie durch den Strom der teils zufälligen Ereignisse. Diese Hilflosigkeit kommentiert Have a Nice Day mit schwarzem Humor und trockenem Slapstick; dabei bleibt die Stimmung des Films trotz einiger Gewaltszenen durchweg melancholisch, wozu auch der reduzierte Stil der Zeichnungen beiträgt.

Filmszene aus A Better Tomorrow II

Platz 29

A Better Tomorrow II

John Woo | 1987 | Hongkong

Nachdem John Woo mit der Action-Oper A Better Tomorrow das Heroic Bloodshed-Kino losgetreten hatte, sollte direkt eine Fortsetzung her. Der Rest ist leider Filmgeschichte: Woo zerstritt sich mit seinem Produzenten Tsui Hark, von dem geplanten 160-Minuten-Spektakel blieb nur ein rudimentärer Torso übrig. Obwohl die eingespielten Darsteller des Vorgängers und Woos kreative Inszenierung nichts von ihrem Charme verloren haben, wirkt A Better Tomorrow II durch viele inhaltliche und emotionale Löcher zerfahren, sorgt mit seiner übertriebenen Melodramatik für Dissonanzen. Allerdings versöhnt uns der Film im brachialen Finale und zelebriert Woos Meisterschaft mit einer der größten Actionsequenzen der Kinogeschichte.

Filmszene aus Vier gnadenlose Rächer

Platz 28

Vier gnadenlose Rächer

Chang Cheh | 1978 | Hongkong

Vier gnadenlose Rächer zählt zu den Highlights des Kinos von Chang Cheh, dessen Martial-Arts-Filme extrem körperbetont sind. Diesen Fokus triebt der Regisseur in diesem Shaw-Brothers-Klassiker auf die Spitze, wie schon der internationale Titel Crippled Avengers proklamiert. Nach einem cleveren Auftakt – ein tragisches Ereignis entpuppt sich als „Geburt“ des Bösewichts – serviert Chang gewohnte Kost: Vier versehrte Helden müssen ihre körperlichen Defizite durch hartes Training überwinden und sich zur Rache ermächtigen. Das erlaubt Vier gnadenlose Rächer ungemein kreative, beeindruckend choreografierte Kampfszenen. Neben der Länge der Einstellungen bleibt auch der selbst für Changs Verhältnisse deftige Gewaltgrad in Erinnerung.

Filmszene aus Full Contact

Platz 27

Full Contact

Ringo Lam | 1992 | Hongkong

Sechs Jahre nach A Better Tomorrow war das Heroic Bloodshed-Kino eigentlich schon auserzählt, doch Ringo Lam zündete eine letzte Eskalationsstufe und brannte Full Contact auf die Leinwände Hongkongs. Nachdem schon die Eröffnungsszene mit harter Gewalt geschockt hat, etabliert der Film völlig überdrehte Figuren aufseiten der Antagonisten, was dem Geschehen eine comichafte Note verleiht. Ernst nehmen lässt sich Full Contact damit trotz aller behaupteten Dramatik nicht, doch unterhaltsam ist das Spektakel allemal – die Actionszenen machen großen Spaß und die Besetzung ist mit Chow Yun-Fat, Anthony Wong und Simon Yam exzellent.

Filmszene aus A Sun

Platz 26

A Sun

Chung Mong-Hong | 2019 | Taiwan

Das taiwanische Drama A Sun entwirft eine Familiengeschichte als Abwärtsspirale, wobei sich die Schicksalsschläge wie programmiert von selbst abspulen; seine Figuren scheinen mehr Beifahrer des eigenen Lebens als aktive Protagonisten zu sein. Das fühlt sich umso schmerzhafter an, weil sich der Film zweieinhalb Stunden Zeit nimmt und seine Szenen überdurchschnittlich lang wirken lässt. Die allgegenwärtige Entfremdung und Kommunikationsunfähigkeit übersetzt der Film in eine distanzierte Inszenierung, als Kontrapunkt dient ein unerwarteter schwarzer Humor, der an manch koreanisches Werk erinnert. Überdies ist A Sun hervorragend gefilmt und nahbar gespielt.

Filmszene aus Blinder Schacht

Platz 25

Blinder Schacht

Li Yang | 2003 | China, Hongkong

Auf der Berlinale gewann Blinder Schacht einen silbernen Bären, in seinem Heimatland erhielt er hingegen ein Aufführungsverbot. Letzteres ist keine Überraschung, schildert die Romanadaption doch auf kompromisslose Weise die Lebensumstände der chinesischen Arbeiterschicht. Blinder Schacht nutzt dafür den Mantel eines Kriminalfilms über zwei Bergarbeiter, die regelmäßig Kollegen ermorden, um dem korrupten System einen kleinen finanziellen Gewinn abzufordern. Die Inszenierung offenbart die Dokumentarfilmherkunft des Regisseurs Li Yang, der einen durchweg realistischen Ansatz verfolgt. Die Nüchternheit betont die Menschenfeindlichkeit der Geschichte noch und erzeugt in den Schlüsselszenen ein enormes Suspense.

Filmszene aus Fallen Angels

Platz 24

Fallen Angels

Wong Kar-Wai | 1995 | Hongkong

Mit Fallen Angels drehte Wong Kar-wai eine Fortsetzung zu Chungking Express und schickt erneut drei Figuren auf eine durch lose Episoden mäandernde Suche nach Lebenssinn und Liebe. Dabei entfesseln Wong und sein Stammkameramann Christopher Doyle eine rauschhafte Filmerfahrung: Fallen Angels spielt vor allem nachts und erzeugt durch die künstliche Beleuchtung, eine zügellose Kamera und zahlreiche Verfremdungseffekte eine hypnotische Wirkung. Trotz der visuellen und inhaltlichen Disruptionen zerfasert Fallen Angels nicht, sondern zieht daraus eine Poesie, die das Geschehen zusammenhält.

Filmszene aus Ein Sommer zum Verlieben

Platz 23

Ein Sommer zum Verlieben

Edward Yang | 1991 | Taiwan

Ein Sommer zum Verlieben ist das Opus magnum des Neuen Taiwanischen Kinos: In erstaunlich kurzweiligen vier Stunden schildert Edward Yang das Leben der Jugend im Taipeh der Sechziger Jahre. Sein reichhaltiges Zeit- und Gesellschaftsbild schwelgt in wunderschönen Bildern und baut eine dichte Atmosphäre auf, die die Historie Taiwans erlebbar macht. Dabei bewegt sich Yangs Film weitab jeder Sentimentalität, Ein Sommer zum Verlieben geht kritisch mit dem Kuomintang-Regime und seinem „Weißen Terror“ um und spiegelt die Auswirkungen der politischen Gewalt auch im brutalen Alltag der Jugendgangs. Dennoch besitzt Ein Sommer zum Verlieben auch viele herzliche und amüsante Momente, was für einen ambivalenten Gesamteindruck sorgt.

Filmszene aus Made in Hong Kong

Platz 22

Made in Hong Kong

Fruit Chan | 1997 | Hongkong

Das zweite Werk von Fruit Chan mutet wie ein Debütfilm an – Made in Hong Kong ist trotz seines niedrigen Budgets ein ambitionierter Film, der sich an einem gewagten Stilmix versucht und durch eine fulminante Inszenierung besticht. Das Porträt eines orientierungslosen Jugendlichen changiert zwischen Humor und Tragik, Poesie und Brutalität, es kombiniert Coming of Age-Film, Liebesgeschichte und Yakuza-Thriller. Trotz einiger erzählerischer Brüche wirkt Made in Hong Kong wie aus einem Guss; Chans Musikvideoästhetik hält den Film zusammen und verleiht dem Geschehen die Stimmung eines Fiebertraums.

Filmszene aus Peking Opera Blues

Platz 21

Peking Opera Blues

Tsui Hark | 1986 | Hongkong

Peking Opera Blues vereint alles, was das berauschende Hongkong-Kino der Achtziger Jahre ausmacht. Tsui Hark kombiniert diverse Genres zu einer ironischen Spionagegeschichte mit enormen Unterhaltungswert. Er mixt Charme und Leichtigkeit einer Screwballcomedy mit akrobatischer Action und körperbetontem Humor; nebenbei unterlegt er das Geschehen mit einem politischen Subtext und hinterfragt Geschlechterrollen. Die drei bestens aufgelegten Hauptdarstellerinnen Brigitte Lin, Cherie Cheung und Sally Yeh begeistern ebenso wie der ungewöhnlich schnelle Schnitt, das hochwertige Produktionsdesign und die Musik von James Wong.

Filmszene aus Days of Being Wild

Platz 20

Days of Being Wild

Wong Kar-Wai | 1990 | Hongkong

Mit seiner zweiten Regiearbeit Days of Being Wild drehte Wong Kar-Wai einen Prototypen für seine späteren Werke. In lose erzählten Episoden schildert er die Einsamkeit und Melancholie des Großstadtlebens in den Sechziger Jahren und schwelgt dabei in betörenden neongrünen Bildern, die aus der ersten Zusammenarbeit mit Kamera-Meister Christopher Doyle resultieren. Auch die Besetzung ist über jeden Zweifel erhaben und vereint die Crème de la Crème des Hongkongs-Kinos. Während Wongs spätere Werke die Motive des Film Noir eher spielerisch einsetzen, überrascht Days of Being Wild in der zweiten Filmhälfte mit einer ernsthaften Wandlung zum tragischen Neo-Noir.

Filmszene aus Suzhou River

Platz 19

Suzhou River

Ye Lou | 2000 | China

In seinem 83 Minuten kurzen Melodram Suzhou River lässt Regisseur Ye Lou zwei Liebesgeschichten ineinander mäandern und kontrastiert den poetischen Tonfall durch die Bilder eines tristen Shanghais fernab der glitzernden Skyline. Die unstete Kamera enthüllt einen Film flüchtiger Zustände: Seine Figuren finden nie einen festen Stand, sie schweben zwischen Glück und Unglück, Gemeinsam- und Einsamkeit, Hoffnung und Melancholie. Die Flüchtigkeit greift letztlich auf Suzhou River selbst über – Ye Lous Film mutet bisweilen traumartig an und kann durch seine Ambivalenz immer wieder aufs Neue entdeckt werden.

Filmszene aus Judou

Platz 18

Judou

Zhang Yimou | 1990 | China

Der Plot von Judou könnte auch einer antiken griechischen Tragödie entstammen: Er spielt auf dem Gelände einer ländlichen Färbemühle im China der 1920er und handelt von einer ménage à trois zwischen dem greisen Besitzer, seiner jungen Frau und dem Ziehsohn des Hausherren. Daraus ergibt sich ein Melodram, in dem patriarchaler Machtmissbrauch und verbotenes Verlangen kollidieren. Im Gegensatz zu seinen anderen Filmen geht Zhang hier keine Kompromisse ein – er spielt die Figuren unbarmherzig gegeneinander aus und fördert ihre schlechten Seiten zutage. Das stimmungsvolle Setdesign spiegelt die hochkochenden Emotionen über die leuchtenden Farben der überall aufgehängten Stoffplanen.

Filmszene aus Vive l'Amour - Es lebe die Liebe

Platz 17

Vive l’Amour – Es lebe die Liebe

Tsai Ming-liang | 1994 | Taiwan

Von der Einsamkeit der Großstadt: In Tsai Ming-liangs zweiten Film Vive l’Amour leben die Menschen schweigend vor sich hin, was der Regisseur in statischen Plansequenzen ohne Dialoge einfängt. Doch in dieser unbeteiligten Inszenierung und der alltäglichen Banalität verbergen sich humoristische Einsprengsel, die Suche nach Lebenssinn und Liebe sowie eine große Melancholie, die immer wieder hervorbricht. Damit gewann Tsai den Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig und feierte seinen internationalen Durchbruch.

Filmszene aus Rote Laterne

Platz 16

Rote Laterne

Zhang Yimou | 1991 | China, Hongkong, Taiwan

Rote Laterne spielt ausschließlich in einem herrschaftlichen Anwesen der 1920er-Jahre, in dem eine Kurtisane mit drei Nebenbuhlerinnen um die Gunst des Hausherren konkurriert. Das Drama von Zhang Yimou überzeugt vor allem visuell: Mittels symmetrischer Bild- und Farbkompositionen verdeutlicht Zhang den gehobenen Lebensstil der Kurtisanen und evoziert durch die strenge Formsprache zugleich den Eindruck eines Gefängnisses. Der Regisseur lässt uns so in jeder Szene die Abhängigkeit der Protagonistinnen von ihrem willkürlichen Patriarchen spüren. Die stimmungsvolle musikalische Untermalung und das vielseitige Spiel von Hauptdarstellerin Gong Li verstärken die Wirkung von Rote Laterne noch.

Filmszene aus As Tears Go By

Platz 15

As Tears Go By

Wong Kar-wai | 1988 | Hongkong

In seinem Debütfilm zeigte sich Wong Kar-wai sichtlich von Martin Scorsese inspiriert: Sowohl der Plot als auch der Einsatz von Popmusik verweisen auf Hexenkessel. Darüber hinaus ist auch der Einfluss des zwei Jahre zuvor aufgekommenden Heroic Bloodshed-Kinos zu spüren. Trotz dieser Anleihen besitzt As Tears Go By eine eigene Handschrift, die bereits auf die Qualitäten seines Regisseurs hinweisen. Wong inszeniert seinen Gangsterfilm mit großartigem Gespür für melodramatische Überhöhungen und übersetzt den Fatalismus in ansehnliche, aber diffuse Bilder, die den Kontrollverlust der Figuren spiegeln. Überdies spielen die drei Hauptdarsteller Andy Lau, Maggie Cheung und Jacky Cheung groß auf.

Filmszene aus Police Story

Platz 14

Police Story

Jackie Chan | 1985 | Hongkong

Police Story steht beispielhaft für die Qualitäten von Jackie Chan, der den Film selbst zu seinen stärksten zählt. Das ist nachvollziehbar, denn Police Story besitzt einige der ikonischsten Szenen aus Chans Œuvre und zeigt seinen Star in waghalsige Stunts und Verfolgungsjagden. Chans Agilität kommt aber nicht nur in den großartigen Actionszenen zur Geltung, auch die zahlreichen komödiantischen Einschübe funktionieren überwiegend visuell und beweisen Chans Liebe zu seinen Vorbildern Buster Keaton und Harold Lloyd. Zudem profitiert der Hauptdarsteller von seinen gut aufgelegten Filmpartnerinnen Brigitte Lin und Maggie Cheung.

Filmszene aus Chungking Express

Platz 13

Chungking Express

Wong Kar-Wai | 1994 | Hongkong

Während Wong Kar-Wai am Schnitt von Ashes of Time arbeitete, drehte er Chungking Express als Nebenprojekt zur Ablenkung. Mit dieser Unbekümmertheit folgte Wong seinem Idol Jean-Luc Godard und schuf einen modernen Klassiker, der stark von der Nouvelle Vague geprägt ist. Einmal mehr erzählt der Regisseur in zwei Episoden von einsamen Großstädtern und fängt das flirrende Hongkong mit einer dynamischen Handkamera ein. Chungking Express tauscht die bei Wong sonst so präsente Melancholie jedoch gegen eine gut gelaunte Leichtfüßigkeit – der Film beschwört eine Magie der kleinen Dinge des Lebens und entwickelt nebenbei eine nonchalante Coolness.

Filmszene aus Der blaue Drachen

Platz 12

Der blaue Drachen

Tian Zhuangzhuang | 1993 | China

Der blaue Drachen liefert ein Paradebeispiel für die Werke der „fünften Generation“ – jenen chinesischen Filmemachern, die sich in den Achtziger Jahren kritisch mit der jüngeren Geschichte auseinandersetzten. Tians Familiendrama beschreibt die Auswirkungen von Maos Innenpolitik über den Verlauf von zwei Jahrzehnten. Dabei dient der Werdegang einer Familie als Lackmustest für die Entwicklung der chinesischen Gesellschaft – anhand konkreter Einzelschicksale gelingt es dem Regisseur, historische Entwicklungen erfahrbar zu machen. Der blaue Drachen vereint somit nahbare Geschichtsschreibung mit dramatischem Storytelling.

Filmszene aus The Killer

Platz 11

The Killer

John Woo | 1989 | Hongkong

Nachdem John Woo das Actiongenre mit den ersten beiden A Better Tomorrow-Filmen zum Männer-Melodram transformiert hatte, übersteigerte er seine Heroic Bloodshed-Formel mit The Killer noch. Geprägt durch Jean-Pierre Melvilles Der eiskalte Engel, konfrontiert Woo den Moralkodex seiner Protagonisten mit einer unmoralischen Welt und stilisiert ihre Konflikte zu brachialen Gewaltopern. Die famos choreografierten Actionszenen und die Coolness von Hauptdarsteller Chow Yun-Fat bleiben im Gedächtnis.

Filmszene aus Das Hochzeitsbankett

Platz 10

Das Hochzeitsbankett

Ang Lee | 1993 | Taiwan, USA

Mit Das Hochzeitsbankett gelang Ang Lee der internationale Durchbruch, die Komödie gewann 1993 den Hauptpreis der Berlinale. Lee schildert eine Charade, die der in New York lebende Wai-Tung für seine plötzlich aus Taiwan angereisten Eltern aufführen muss. Sie kommen für die Hochzeit ihres Sohnes, doch der ist eigentlich schwul und ging die Ehe nur zum Schein ein – die Situation führt Wai-Tung, seinen Freund und die erst vor kurzem kennengelernte Braut durch zahlreiche Verwicklungen. Dabei besticht der Film durch einen warmherzigen Tonfall – er zielt nie aufs Alberne, sondern erweist sich als ungewöhnlich lebensklug, weil er auf unterhaltsame Weise die Beziehung zwischen verschiedenen Kulturen, Generationen und Geschlechtern verarbeitet.

Filmszene aus My Heart is That Eternal Rose

Platz 9

My Heart is That Eternal Rose

Patrick Tam | 1989 | Hongkong

Obwohl Patrick Tam eine treibende Kraft hinter der Hongkong New Wave war, ist er hierzulande eher unbekannt. Mit My Heart is That Eternal Rose inszenierte er den visuell schönsten Heroic Bloodshed-Vertreter. Tams Faible für Farbkontraste findet in den Händen der beiden Kamera-Fachmänner Christopher Doyle und David Chung zu voller Pracht. Dabei verbindet Tam die Melancholie eines Wong Kar-wai mit der gnadenlosen Action von John Woo: Er lädt sein Melodram mit großen Gefühlen auf, stürzt die Figuren durch unglückliche Umstände in eine Krise und treibt sie schließlich zur gewalttätigen Eskalation – so konsequent, dass wir geschockt auf den Abspann starren.

Filmszene aus In the Mood for Love

Platz 8

In the Mood for Love

Wong Kar-Wai | 2000 | Hongkong, Niederlande, Frankreich

Der immer wieder zu den besten Werken des 21. Jahrhundert gezählte In the Mood for Love ist ein Liebesfilm ohne sichtbare erotische Annäherung – die Protagonisten bleiben gemeinsam einsam, weil ihr Beisammensein in einem sozial und architektonisch repressiven Hongkong des Jahres 1962 von vorneherein aussichtslos erscheint. Dabei verzichtet Wong Kar-wai auf eine konkrete Erzählung und reiht lose Momentaufnahmen aneinander; dennoch entwickelt In the Mood for Love einen enormen Sog. Das kunstvolle Produktionsdesign, die betörenden Bilder und das Charisma von Maggie Cheung und Tony Leung verleihen dem Film eine zeitlose Eleganz.

Filmszene aus Todesduell der Shaolin

Platz 7

Todesduell der Shaolin

Siu-Tung Ching | 1983 | Hongkong

Der im englischen Sprachraum unter Duel to the Death bekannte Hongkong-Klassiker Todesduell der Shaolin zählt zu den späten Vertretern des Wuxia-Kinos, das hierzulande eher durch moderne Werke wie Tiger & Dragon oder Hero bekannt ist. In seinem Debütfilm nutzt Ching Siu-tung (A Chinese Ghost Story) die Narrenfreiheit des Wuxia-Films vollends aus und serviert ein wahnsinnig kreatives Spektakel: Die Actionszenen strotzen nur so vor Ideen, sind kompetent inszeniert und besitzen ein enormes Tempo. Trotz einiger absurder Späße nimmt der Film seinen Plot und die Figuren ernst, was sich im epischen Finale auszahlt, das mit umwerfenden Bildern glänzt und eine überraschend tragische Wirkung entwickelt.

Filmszene aus A Better Tomorrow

Platz 6

A Better Tomorrow

John Woo | 1986 | Hongkong

Unter den Fittichen von Tsui Hark gelang Regisseur John Woo und Hauptdarsteller Chow Yun-Fat, die bis dato beide auf leichte Komödien abonniert waren, der große Durchbruch. Woo kombinierte die unbarmherzige Gewalt der Martial-Arts-Filme von Chang Cheh mit dem Stilwillen von Jean-Pierre Melville und drehte einen Gangsterfilm voller gewaltiger Shootouts, mit denen einige Männer ihre Freundschaft verteidigen. Die unerwartete Melodramatik etablierte eine neue Spielart des Hongkong-Kinos: Heroic Bloodshed. A Better Tomorrow ist noch deutlich roher als spätere Werke Woos, entfaltet aber gerade durch seine Imperfektion eine anarchische Stimmung.

Filmszene aus Leben!

Platz 5

Leben!

Zhang Yimou | 1994 | China

Leben! entwirft eine viele Jahre umspannende Familiengeschichte mit empathisch gezeichneten Figuren, die diverse Schicksalsschläge überwinden müssen, und entwickelt aus dieser geerdeten Perspektive heraus ein Panorama der chinesischen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts. So gelingt es Zhang Yimou, die großen politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen unter Mao greifbar zu machen. Doch Leben! ist weit mehr als eine Geschichtsstunde – Zhangs Melodram bietet im Großen und im Kleinen besondere Momente, die auf einer spannenden Figurenentwicklung und mitreißenden Darstellerleistungen fußen.

Filmszene aus Infernal Affairs

Platz 4

Infernal Affairs

Andrew Lau, Alan Mak | 2002 | Hongkong

Infernal Affairs begeistert mit einem cleveren Drehbuch, das seine Konflikte lange schürt und zuspitzt, ohne sie ausbrechen zu lassen. So entwickelt sich ein Schattenboxen zweier für einander unsichtbarer Gegner (hervorragend: Tony Leung und Andy Lau), das ein Höchstmaß an Suspense erzeugt. Passend dazu fasst der Thriller sein Geschehen in kühl stilisierte Bilder des modernen, postkolonialistischen Hongkong und lässt sich aufgrund der existenziellen Krisen der beiden Hauptfiguren auch als Neo-Noir lesen. Die erzählerische Dichte konnten weder die beiden Nachfolger noch Martin Scorseses missratenes Remake Departed erreichen.

Platz 3

Die Spur des Schreckens

Edward Yang | 1986 | Taiwan

In Die Spur des Schreckens verfolgt Edward Yang die einander kreuzenden Wege von Menschen in Taipeh, was zunächst episodenhaft anmutet und an die Filme von Tsai Ming-liang erinnert, der die Hauptstadt Taiwans ebenfalls als anonyme Metropole zeichnet. Die reduzierte Inszenierung verstärkt diese Weltsicht durch einen semidokumentarischen Stil, mit fortlaufender Spielzeit ändert sich der Eindruck jedoch. Je stärker die einander unbekannten Protagonisten sich gegenseitig beeinflussen, desto unnatürlicher wirkt der Realismus des Films. Das schicksalhafte Finale verstärkt den postmodernen Anstrich von Die Spur des Schreckens und trifft uns unerwartet.

Platz 2

Limbo

Soi Cheang | 2021 | China, Hongkong

Limbo mutet wie eine unheilige Melange aus Sieben und Es ist schwer, ein Gott zu sein an. Im Thriller von Soi Cheang jagen zwei ungleiche Polizisten einen Serienmörder durch die Gossen Hongkongs, das als dystopischer Müll-Moloch inszeniert wird. Dabei überwältigt der Film durch ein extrem detailreiches Setdesign, das im Zusammenspiel mit dem kontrastreichen Schwarz-Weiß eine apokalyptische Stimmung erzeugt. Als Neo-Noir unterfüttert Limbo seine Bildgewalt durch eine pessimistische Weltsicht und einen destruktiven Umgang mit seinen Figuren. So entsteht ein Filmerlebnis, das nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

Platz 1

Hard Boiled

John Woo | 1992 | Hongkong

Mit Hard Boiled krönte John Woo seine Arbeit als Actionregisseur und verabschiedete sich mit dem größtmöglichen Knall aus Hongkong. Sein Film ist mit Chow Yun-Fat, Tony Leung und Anthony Wong erstklassig besetzt und belässt es inhaltlich beim Genre-Standard. Woo verzichtet auf die bedeutungsschwangere Melodramatik seiner vorherigen Arbeiten und fokussiert sich auf pure, kompromisslose Actionsequenzen. Schon die legendäre Teehaus-Schießerei zu Beginn des Films ist meisterhaft choreografiert und gefilmt, das 40-minütige (!) Finale definiert bis heute den Gipfel des Actionkinos.

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