Die 30 besten
britischen Filme
Alfred Hitchcock, die British New Wave und natürlich Bond, James Bond – Großbritannien hat zahllose Höhepunkte zur Kinogeschichte beigetragen und bietet einen reichhaltigen Fundus an sehenswerten Werken.
Diese Bestenliste bildet die Breite und Tiefe des britischen Kinos quer durch alle Genres und Jahrzehnte ab und huldigt namhaften Regisseuren wie Powell & Pressburger, Peter Watkins und Christopher Nolan.
Bestenlisten verkünden keine objektiven Wahrheiten, sie sind per se subjektiv und imperfekt. Die hier aufgeführten persönlichen Favoriten sollten daher als inspirierende Ergänzung zu eigenen Lieblingsfilmen verstanden werden.
Honorable Mentions
Es ist natürlich unmöglich, die britische Filmgeschichte auf 30 Werke zu reduzieren, deshalb gibt es wie immer noch einige lobende Erwähnungen:
Zu Beginn mussten einige Grundsatzentscheidungen getroffen werden, gibt es doch eine lange Tradition britisch-amerikanischer Ko-Produktionen, die die Auswahl erschwert. Insbesondere bei den Filmen Stanley Kubricks musste von Einzelfall zu Einzelfall entschieden werden, ob die Produktion überwiegend britisch oder amerikanisch ist: Eyes Wide Shut, Full Metal Jacket und 2001: Odyssee im Weltraum wurden als zu amerikanisch ausgeschlossen.
Im Gegenzug habe ich die interkontinental produzierte James Bond-Reihe als überwiegend britisch deklariert. Einige der besten Bonds haben die Bestenliste knapp verpasst, Der Spion, der mich liebte sowie Im Geheimdienst Ihrer Majestät hätte ich gerne drin gehabt.
Unzweifelhaft britisch ist die British New Wave, die von 1958 bis 1966 eine ganze Reihe sehenswerter Sozialdramen hervorgebracht hat. Die Einsamkeit des Langstreckenläufers, Bitterer Honig sowie Samstagnacht bis Sonntagmorgen konnte ich leider nicht mehr unterbringen.
Als weitere britische Institution müssen wir natürlich auch über Alfred Hitchcock sprechen. Seinen Zug-Krimi Eine Dame verschwindet sowie der Serienkillerkrimi Frenzy haben es nicht auf die Liste geschafft.
Das gilt auch für zwei Filme von Basil Dearden, der gerne Genrekino mit sozialen Themen verband und dies insbesondere in Das Mädchen Saphir hervorragend umsetzte. Auch die ungewöhnliche Shakespeare-Adaption Die heiße Nacht ist eine Entdeckung wert.
Auf zwei Deardens folgen noch zwei Loseys: Der US-Amerikaner Joseph Losey drehte im britischen Exil unter anderem das tragische Antikriegsdrama Für König und Vaterland sowie den konzentrierten Gangsterfilm Die Spur führt ins Nichts.
Und wenn wir schon bei Doppelpacks sind, darf das Regisseursduo Powell & Pressburger nicht fehlen, auch wenn es ihr schönes Fantasy-Melodram Irrtum im Jenseits und ihr Epos Leben und Sterben des Colonel Blimp nicht auf die Liste geschafft haben.
Das britische Kino ist so reich an sehenswerten Klassikern, dass selbst hier der Platz auszugehen droht. Erwähnt werden müssen noch Jerzy Skolimowskis tragikomischer Coming-of-Age-Film Deep End, der Skandalfilm Augen der Angst, das Militärdrama Einst ein Held, der Dicken’sche Weihnachtskrimi Cash on Demand, der Geisterfilm Schloss des Schreckens, das Knastdrama 12 Uhr nachts, Die Duellisten von Ridley Scott und der unorthodoxe Vampirfilm Begierde von Tony Scott, der Mysterykrimi Der Schrecken der Medusa, der dystopische 1984 und der tragische, nicht kindertaugliche Animationsfilm Die Hunde sind los.
Damit begeben wir uns nun in die Moderne, die ebenfalls zahlreiche tolle Filme aus Großbritannien bereithält. Starten wir mit Lynne Ramsays einzigartigem Jugenddrama Ratcatcher und mit Danny Boyle, dessen Zombiefilmvariation 28 Days Later genauso auf dem fiktiven 31. Platz gelandet ist wie Trainspotting.
Auch die Science-Fiction-Filme Alles, was wir geben mussten und Ex Machina sollen erwähnt werden. Bleiben wir beim Genrekino: Guy Ritchies Gangsterfilm The Gentlemen sowie Edgar Wrights ungewöhnlicher Thriller Last Night in Soho machen großen Spaß.
Apropos: Der britische Humor wurde noch gar nicht erwähnt. Musterbeispiele liefern der komödiantische Krimi Ein Fisch namens Wanda, Ganz oder gar nicht und das Kammerspiel The Party.
Kommen wir nun zu den 30 besten britischen Filmen der Kinogeschichte:

Platz 30
Peter’s Friends
Kenneth Branagh | 1992 | Großbritannien
In der britischen Tragikomödie Peter’s Friends treffen sich einige alte Freunde 10 Jahre nach ihrem Abschluss in Cambridge zu einer Wiedersehensfeier. Dabei kommt nicht nur Freude auf, erinnert das Wiedersehen doch auch an verlorene Träume und alte Wunden. Ähnlich wie sein (ebenfalls sehenswerter) amerikanischer “Vorgänger” Der große Frust trifft Peter’s Friends den richtigen Ton: Schlagfertige Dialoge sorgen für Heiterkeit, die Figuren sind liebenswert, tragische Elemente sorgen für ambivalente Zwischentöne. Die starken Darsteller (u.a. Kenneth Branagh, Stephen Fry, Emma Thompson, Hugh Laurie) runden den Film ab.

Platz 29
The Wicker Man
Robin Hardy | 1973 | Großbritannien
The Wicker Man wird durch eine ungewöhnliche Genre-Mischung zum besonderen Kleinod: Der britische Klassiker ergänzt den Plot eines Kriminalfilms mit Horror-Motiven, musikalischen Einlagen und satirischen Untertönen. Der Film schickt einen biederen Polizisten auf einer Insel voller heidnischer Hippies und nutzt diesen Gegensatz, um die britische Borniertheit aufs Korn zu nehmen. Dabei bleibt die Handlung um ein verschwundenes Mädchen lange mysteriös, sodass The Wicker Man viel Suspense aufbaut. Die malerischen Bilder und der charismatische Christopher Lee als Inseloberhaupt steigern den Unterhaltungswert noch.

Platz 28
Snatch
Guy Ritchie | 2000 | USA, Großbritannien
Inzwischen ist das Erfolgsrezept von Guy Ritchie allseits bekannt und ein Stück weit entzaubert, aber im Jahr 2000 machte sich der britische Regisseur einen Namen als einer der besten Tarantino-Epigonen. Snatch hat sich gut gehalten: Der multiperspektivisch erzählte Gangsterfilm versammelt absurde Figuren und gut aufgelegte Darsteller für einen herrlich vertrackten Plot, dessen Ereignisdichte einen hohen Unterhaltungswert garantiert. Die trocken vorgebrachte Ironie der Dialoge kontrastiert den Slapstick und verleiht den Figuren die nötige Bodenhaftung.

Platz 27
James Bond 007 – Casino Royale
Martin Campbell | 2006 | USA, Großbritannien
Mit Casino Royale gelang dem Bond-Franchise ein furioser Neuanfang. Der 21. Ableger der Reihe zeigte sich aufs Wesentliche reduziert und auf der Höhe der Zeit: Er nahm der Titelfigur den Glamour und die Unverwundbarkeit, betonte die lange verleugnete menschliche Seite Bonds und fand in Daniel Craig den idealen Hauptdarsteller. Sein kühles Spiel harmoniert mit den rauen Actionszenen und einem pessimistischen Tonfall – Elemente, die Casino Royale die Beliebigkeit der Vorgänger austreiben und der Filmreihe eine neue Identität verleihen.

Platz 26
Wenn die Gondeln Trauer tragen
Nicolas Roeg | 1973 | Großbritannien
Wenn die Gondeln Trauer tragen besticht durch subtilen Schrecken: Der Film über ein Ehepaar, das für einige Monate nach Venedig zieht, um den Unfalltod eines Kindes zu verarbeiten, überträgt die tiefgehende Verunsicherung der Protagonisten nach und nach auf uns Zuschauer. Die Regie von Nicolas Roeg funktioniert fast ausschließlich über Suggestion: Sein Horror kriecht schleichend und unsichtbar in unseren Kopf. Passend dazu verleiht der Regisseur Venedig die Stimmung einer kalten Gruft – die Stadt gleicht einem muffigen Labyrinth, in dem sich die beiden famosen Hauptdarsteller verlieren.

Platz 25
James Bond 007 – Skyfall
Sam Mendes | 2012 | USA, Großbritannien
In Skyfall manifestieren sich die jahrzehntelange Tradition der Filmreihe ebenso wie die modernen Qualitäten der Ära von Daniel Craig. Teil 23 taucht den 007-Kosmos in Finsternis und verleiht dem Geschehen eine bis dato ungeahnte Bedeutungsschwere, die Regisseur Sam Mendes stimmungsvoll akzentuiert. Dazu tragen auch die wie so oft fantastischen Bilder von Roger Deakins bei. In dem von Javier Bardem gespielten Schurken etabliert Skyfall zudem einen der faszinierendsten Bösewichte der Filmreihe, der hervorragend mit dem bis dato ambivalentesten Bond harmoniert.

Platz 24
Ein Toter spielt Klavier
Seth Holt | 1961 | Großbritannien
Der Psychothriller Ein Toter spielt Klavier zählt zu den besten Produktionen der britischen Hammer-Studios und bietet launiges Genrekino. Der aus Versatzstücken und Klischees zusammengestellte Plot gereicht jedem Groschenroman zur Ehre und ist nicht ernst zu nehmen, aber ungemein effektvoll – er hält das Geschehen durchgängig in einer mysteriösen Schwebe und sorgt im Zusammenspiel mit den finsteren Bildern für eine dichte Stimmung. Zugleich kitzelt Ein Toter spielt Klavier mit einer Reihe falscher Fährten unser Antizipationsvermögen, um im denkwürdigen Finale gleich mehrere Twists aus dem Hut zu zaubern – ein hochgradig unterhaltsames Spektakel!

Platz 23
Der Spion, der aus der Kälte kam
Martin Ritt | 1965 | Großbritannien
Die Adaption des Erfolgsromans von John le Carré bietet einen Gegenpol zu James Bond – der Kalte Krieg wird nicht mit Fäusten ausgetragen, sondern findet im Kopf statt. Dort entfaltet er einen paranoiden Wahnsinn, den Regisseur Martin Ritt nur zu gut aus der McCarthy-Ära kannte. Der Spion, der aus der Kälte kam zeichnet sich durch eine kühle Inszenierung aus und bringt uns durch eine unzuverlässige Erzählweise in dieselbe Zwickmühle wie die Protagonisten, die zu Bauern in einer herzlosen Schachpartie verkommen. Aus diesem Umstand zieht der Film ein enormes Suspense – da jeder falsche Satz den Tod bedeuten kann, sind die Dialoge spannender als jede Actionszene. Das ist auch ein Verdienst der überragenden Hauptdarsteller Richard Burton und Oskar Werner.

Platz 22
Die Brücke am Kwai
David Lean | 1957 | USA, Großbritannien
Das Antikriegs-Epos Die Brücke am Kwai gewann sieben Oscars und setzt sich vornehmlich intellektuell mit dem Krieg auseinander. Anhand dreier gegensätzlicher Charaktere prüft der Klassiker von David Lean verschiedene Geisteshaltungen, doch weder Ehre, Ehrgeiz noch Zynismus helfen den jeweiligen Protagonisten, der Wahnsinn des Krieges lässt sich von keiner Weltanschauung bändigen. Leans Anklage gegen Militarismus und falsche Ideale überzeugt durch eine großartige Bildgestaltung, die den exotischen Schauplatz stimmungsvoll einfängt, und durch die ausgezeichneten Darsteller.

Platz 21
Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben
Stanley Kubrick | 1964 | Großbritannien, USA
Obwohl Dr. Seltsam als unmittelbares Produkt seiner Zeit entstand, hat sich Kubrick Meilenstein im Gegensatz zu seiner Romanvorlage oder dem zeitgleich veröffentlichten Angriffsziel Moskau zeitlos gehalten. Kubrick und der Drehbuchautor Terry Southern brechen das Sujet des drohenden Atomkriegs mit den Mitteln einer schwarzhumorigen Satire auf und überfahren uns mit einer Parade absurder Figuren. Aus dem großartigen Ensemble stechen der dreifache Peter Sellers und die Gesichtsakrobatik George C. Scotts noch hervor. Die intellektuelle Schärfe von Dr. Seltsam wirkt nach: Je länger wir über den Film nachdenken, desto weniger witzig mutet er an; insbesondere im postfaktischen Zeitalter der Trump-Ära kommen uns die tumben Protagonisten nur zu vertraut vor.

Platz 20
Dame, König, As, Spion
Tomas Alfredson | 2011 | Großbritannien
Die Adaption des gleichnamigen Romans von John le Carré ist ein im besten Sinne altmodischer Film: subtil in der Inszenierung, zurückhaltend im Tonfall, detailreich in der Beschreibung der Figuren. Tomas Alfredson gelingt es, den bleiernen Tonfall der Vorlage adäquat zu übersetzen, trotz des niedrigen Tempos und des hohen Dialoganteils findet Dame, König, As, Spion eine pessimistische Schwere und eine gehörige Portion Paranoia und erzeugt so ein durchgängiges Suspense. Das stimmungsvolle Produktionsdesign und die exquisite Riege an Charakterdarstellern runden den Thriller ab; neben Der Spion, der aus der Kälte kam ist Dame, König, As, Spion die beste le Carré-Verfilmung.

Platz 19
Lolita
Stanley Kubrick | 1962 | Großbritannien, USA
Vladimir Nabokovs Lolita erscheint gleich doppelt unverfilmbar: Weder scheint seine Schilderung pädophilen Missbrauchs darstellbar noch lässt sich das unzuverlässige Erzählen aus Tätersicht, das den Roman so gnadenlos gut macht, filmisch übersetzen. Stanley Kubrick wagte sich dennoch an eine Adaption und verpackte das gallenbittere Sujet in einer Tragikomödie, die ihren Protagonisten als manischen Neurotiker bloßstellt. James Mason und die 14-jährige Sue Lyon überzeugen in den Hauptrollen und Peter Sellers spielt seine aufgewertete Nebenrolle brillant; darüber hinaus ist Lolita famos gefilmt und inszeniert. Kubricks Version mag nicht vorlagengetreu sein, bietet aber einen spannenden Zugang zum Text und übertrifft Adrian Lynes Adaption in allen Belangen.

Platz 18
Get Carter
Mike Hodges | 1971 | Großbritannien
Der britische Gangsterfilm Get Carter schickt den charismatischen Michael Caine auf einen Rachefeldzug durch das triste Newcastle. Eine große Lakonie durchdringt den Film und gibt ihm einen zynischen Anstrich, weil alle Interaktionen – Dialoge, Gewalt und Sex – von Bedeutungslosigkeit bestimmt sind. Lediglich die furiose Montage bringt Bewegung in den Mief. Allerdings überrascht Get Carter durch Ambivalenz: Regisseur Hodges offenbart im weiteren Verlauf, dass Caines Protagonist kein lässiger Anti-Held, sondern ein Soziopath ist. Das konterkariert dessen Feldzug gegen das Böse und verleiht Carter eine faszinierende Tiefe.

Platz 17
The Survivalist
Stephen Fingleton | 2015 | Großbritannien
In seinem Debütfilm entwirft Regisseur Stephen Fingleton eine bedrückende Postapokalypse und besticht dabei durch erzählerische Ökonomie: In den ersten 15 Minuten der Spielzeit begleiten wir einen Überlebenden durch seinen Alltag – kein Wort wird gesprochen, keine Erklärungen geliefert. Mit bemerkenswerter Reife überlässt Fingleton das Geschehen unserer Intuition. Die wird bald auf die Probe gestellt, als weitere Menschen erscheinen und The Survivalist fesselnde Konflikte aufbaut: Fragen der existenziellen Sicherheit, der Moral und der Menschlichkeit konkurrieren miteinander. Das führt zu einer dauerhaften Spannung und bringt ambivalente Figuren hervor, die zudem von ihren uneitlen Darstellern profitieren.

Platz 16
Alfie
Lewis Gilbert | 1966 | Großbritannien
Alfie ist über weite Strecken ein bedenklicher Film: Der titelgebende Protagonist bandelt mit einem halben Dutzend Frauen an, ohne sich um Gefühle und Moral zu scheren. Dabei macht Regisseur Lewis Gilbert uns Zuschauer zum Komplizen, indem er Alfie die vierte Wand durchbrechen und das Geschehen sarkastisch kommentieren lässt. Der Film lebt erheblich vom teuflischen Charme Michael Caines, der britisches Understatement und eine latente Arbeiterklassen-Vulgarität vereint. Im letzten Drittel schlägt Alfie schließlich andere Töne an: Er lässt die Stimmung ins Tragische kippen und entlarvt die Seelenlosigkeit von Alfies Lebensstil.

Platz 15
Threads
Mick Jackson | 1984 | Großbritannien
Ähnlich wie Peter Watkins‘ brillante Mockumentary The War Game malt auch der britische Klassiker Threads ein nukleares Endzeitszenario. Er veranschaulicht die hypothetischen Folgen eines atomaren Weltkrieges auf die englische Stadt Sheffield und wählt dafür eine rohe, ungeschönte Form. Die semidokumentarische Inszenierung und die nüchterne Erzählweise verfehlen ihre Wirkung nicht – Threads bleibt durchweg schwer verdaulich und hinterlässt einen bleibenden Eindruck, ohne seine Botschaft vor sich herzutragen. Die apokalyptische Stimmung spricht für sich selbst, die erzählerische Konsequenz verweigert sich jedem Optimismus.

Platz 14
Shining
Stanley Kubrick | 1980 | Großbritannien, USA
Stanley Kubrick formte aus dem dritten Roman von Stephen King einen der bekanntesten Klassiker des Horrorgenres. Der Regisseur setzt das spukige Overlook Hotel mit einer außerordentlichen Kälte in Szene, sodass die Flure und Hallen trotz ihrer Weitläufigkeit klaustrophobisch anmuten. Die tollen Kamerafahrten und einige inszenatorische Tricks steigern dieses Gefühl noch, auf plakative Schocks kann Kubricks Film daher verzichten. Doch Shining profitiert nicht nur von seiner formalen Qualität, auch der spielwütige Jack Nicholson trägt nachhaltig zur Intensität bei und reißt jede Szene an sich.

Platz 13
Die 39 Stufen
Alfred Hitchcock | 1935 | Großbritannien
Die 39 Stufen zählt zu den Höhepunkten aus Alfred Hitchcocks britischer Phase und kann als Prototyp späterer Arbeiten wie Saboteure und dem Meisterwerk Der unsichtbare Dritte gesehen werden. Auch Die 39 Stufen beinhaltet die Lieblingsthemen des Master of Suspense: Hitchcocks Thriller lässt einen unfreiwilligen Helden auf eine Verschwörung stoßen und schickt ihn durch ein abwechslungsreiches Abenteuer voller undurchsichtiger Figuren, Verfolgungsjagden und Ortswechsel. Abgerundet wird das unterhaltsame Treiben durch eine gute Portion Humor, das absurde Finale setzt dem Ganzen die Krone auf.

Platz 12
Following
Christopher Nolan | 1998 | Großbritannien
Vor seinem Durchbruch mit Memento drehte Christopher Nolan den 70-minütigen Low-Budget-Thriller Following. Der Debütfilm des damals 28-jährigen Regisseurs besticht schon durch jene Qualitäten, die ihn später weltberühmt machen sollten: Nolan entwickelt den Plot in nicht-chronologischen Episoden, die erzählerische Lücken lassen. Damit ist es an uns Zuschauern, die richtige Reihenfolge zu antizipieren und die Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen. Die ständige Unsicherheit erzeugt viel Suspense und und eine eiskalte Stimmung – Following gibt sich schließlich als fatalistische Film Noir-Variation zu erkennen, die das eigentlich simple Szenario mit einigen Twists clever ausreizt.

Platz 11
Brazil
Terry Gilliam | 1985 | Großbritannien
In Brazil entwirft Terry Gilliam eine so absurde wie bedrückende Dystopie, in der ein kleiner Beamter in die Mühlen eines Überwachungsstaates gerät. Mit Anleihen bei George Orwells 1984 und den Werken von Franz Kafka schildert Gilliam die irrwitzige Bürokratie einer unpersönlichen Diktatur und spielt dabei seinen überbordenden Einfallsreichtum aus: Die skurrilen Volten des Plots, absonderliche Figuren und seltsame Dekors befeuern ein unvorhersehbares Filmerlebnis. Doch hinter der humorvollen Groteske offenbart sich ein existenzielles Drama, die tragische Poesie des Finales hallt lange nach.

Platz 10
A Cottage on Dartmoor
Anthony Asquith | 1929 | Großbritannien
Als Sohn des britischen Premierministers konnte Anthony Asquith schon in jungen Jahren Filme aus aller Welt sehen. Er verarbeitete die verschiedenen Einflüsse im späten Stummfilm A Cottage on Dartmoor, einem Meisterwerk seiner Ära. Mit expressionistischen Bildern und einer furiosen, vom russischen Kino geprägten Montage erzeugt Asquith ein bildgewaltiges Erlebnis, das zudem auf moderne Weise erzählt ist und über einen fatalistischen Tonfall Spannung erzeugt.

Platz 9
Adel verpflichtet
Robert Hamer | 1949 | Großbritannien
Adel verpflichtet bietet besten britischen Humor und erzählt von einem armen Schlucker, der eine Vielzahl von Verwandten um die Ecke bringen will, um an den Adelstitel und das Familienerbe zu kommen. Begleitet durch ein Voiceover voll charmanter Bösartigkeit führt der Weg durch pointierte Dialoge und abstruse Mordszenen – und über Alec Guinness, der in gleich acht (!) verschiedenen Rollen das jeweilige Opfer gibt. Im wunderbar affektierten Dennis Price besitzt die diabolische Komödie einen ebenbürtigen Hauptdarsteller. Das geniale Finale setzt dem Irrsinn die Krone auf.

Platz 8
Sunshine
Danny Boyle | 2007 | Großbritannien
Sunshine startet als klassisches Sci-Fi-Abenteuer: Er spielt ausschließlich im Weltraum bzw. in einem Raumschiff, dessen achtköpfige Crew sich auf einer Mission zur Rettung der Erde befindet. Die berauschenden Bilder sorgen für eine dichte Stimmung, während das Drehbuch von Alex Garland (Ex Machina) Suspense aus den internen Spannungen der Besatzung zieht. Doch dann traut sich Sunshine etwas Besonderes: Der Film transzendiert den bis dahin „realistischen“ Plot, beschwört den Fiction-Aspekt des Genres und etabliert einen nicht-fassbaren Antagonisten. Am Finale im Stil eines Slasher-Films scheiden sich die Geister; es bringt definitiv eine neue Dynamik ein.

Platz 7
Der dritte Mann
Carol Reed | 1949 | Großbritannien
Der britische Film Noir Der dritte Mann entstand an Originalschauplätzen in Wien, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eine besondere Kulisse abgab. Die versehrte Architektur ermöglichte pittoreske Bilder, deren Schwere durch die berühmte Zithermusik von Anton Karas kontrastiert wird. Sie verleiht dem Film eine latent ironische Note, die eigentlich gar nicht zum perfiden Plot passt. Die mysteriöse Handlung und die undurchsichtigen Figuren sorgen für viel Suspense. Die ausgezeichneten Darsteller um Joseph Cotton und Orson Welles hinterlassen ebenso einen bleibenden Eindruck wie die effektvolle Inszenierung von Carol Reed.

Platz 6
The Descent
Neil Marshall | 2005 | Großbritannien
The Descent evoziert auf meisterhafte Weise existenziellen Horror: Er schickt sechs Frauen auf eine Odyssee durch ein unterirdisches Höhlensystem und überrascht mit blutigen Konflikten. Da sich der Film viel Zeit für die Exposition und die Figuren nimmt, verkommt er trotz einiger Schocks nie zur Gewaltorgie. Der klaustrophobische Schauplatz und die finsteren Bilder sorgen für ein Höchstmaß an Atmosphäre. Durch die psychisch labile Hauptfigur und einige erzählerische Brüche lässt The Descent mehrere Lesarten zu, was dem intensiven Filmerlebnis einen zusätzlichen Reiz verleiht.

Platz 5
Die schwarze Narzisse
Powell & Pressburger | 1947 | Großbritannien
Im britischen Klassiker Die schwarze Narzisse übernimmt eine Delegation von Nonnen ein Kloster im Himalaya. Was wie ein Abenteuerfilm beginnt, wandelt sich zum Melodram und mündet in lupenreinem Horror; diese nahtlose Genre-Melange wird durch eine feine Charakterzeichnung und ein exzellentes Ensemble ermöglicht. Das Autorenfilmerduo Powell & Pressburger zaubert wie gewohnt mit dem Technicolor und präsentiert den durch fantastische Matte Paintings erweiterten (Studio-)Himalaya bildgewaltig. Die beiden Filmemacher formen aus der exotischen Stimmung, einer untergründigen sexuellen Spannung und langsam gärendem Wahnsinn ein Meisterwerk.

Platz 4
The War Game
Peter Watkins | 1966 | Großbritannien
Die Mockumentary The War Game beschreibt die Auswirkungen eines Atomkrieges auf Großbritannien derart drastisch, dass die produzierende BBC den Film 20 Jahre lang unter Verschluss hielt. Die Fernsehanstalt hatte eine konventionelle Dokumentation erwartet und erhielt ein filmisches Inferno: Neben den beklemmenden Bildern zeichnet sich die Arbeit von Peter Watkins durch eine große intellektuelle Schärfe aus, die den Widersinn atomarer Waffen nachhaltig herausstellt und uns mit einer Schreckensvision konfrontiert, die lange nachwirkt.
Platz 3
Barry Lyndon
Stanley Kubrick | 1975 | Großbritannien, USA
In der reichhaltigen Filmografie von Stanley Kubrick sollte Barry Lyndon nicht übersehen werden – basierend auf dem Roman von William M. Thackeray entwarf der Meisterregisseur eine ausschweifende, höchst vergnügliche Schelmengeschichte. Kubrick kleidet den wendungsreichen, ironisch kommentierten Plot in eine opulente Bilderflut: Jede Einstellung könnte gerahmt in einem Museum hängen. Mit seinen barocken Dekors und Kostümen, der souveränen Kameraführung und der einzigartigen Lichtsetzung zündet Barry Lyndon ein visuelles Feuerwerk. Der Sprachwitz, die tragikomische Stimmung und der großartige Ryan O’Neal befeuern den Unterhaltungswert.
Platz 2
Ekel
Roman Polanski | 1965 | Großbritannien
Ekel ist ein Meisterwerk des psychologischen Horrors und der erste Film in Roman Polanskis Mieter-Trilogie. Er schildert einige Tage aus dem Leben einer Frau, die sich in ihrer Wohnung verbarrikadiert und mit inneren Dämonen kämpft. Der Regisseur inszeniert den schleichenden Wandel der Protagonistin subtil: Stück für Stück bricht er die alltägliche Normalität auf, bis sie sich in einen surrealen Albtraum verwandelt. Dabei profitiert der Film enorm von Hauptdarstellerin Catherine Deneuve, die überragend spielt.
Platz 1
Uhrwerk Orange
Stanley Kubrick | 1971 | Großbritannien, USA
Schon der Roman von Anthony Burgess sorgte für Kontroversen und galt als unverfilmbar; Stanley Kubrick gelang eine nicht weniger skandalträchtige Adaption, die nach wie vor eine verstörende Wirkung erzielt. Sein Uhrwerk Orange übernimmt nicht nur die besondere Sprache der Vorlage, sondern übersetzt dessen episodischen Stil mittels einer furiosen Inszenierung voller Tricks und Finessen. Mit seiner kommentierenden Regie fügt der Brite dem parabelhaften Sujet eine weitere Dimension hinzu. Die Leistung von Hauptdarsteller Malcolm McDowell und das retro-futuristische Setdesign runden Kubricks Meisterwerk ab.
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