Maskulin – Feminin

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Filmkritik:

Maskulin – Feminin war das erste Werk von Jean-Luc Godard, das dieser nach dem Abschluss der von ihm selbst als „romantisch“ bezeichnete Schaffensphase drehte. Auf seinen bemerkenswerten Farbfilm Elf Uhr nachts folgte wieder einmal gänzlich Gegenteiliges: Erneut drehte der Franzose in Schwarz-Weiß und in 4:3 statt in Cinemascope und 21:9; erneut verzichtete er komplett auf eine Handlung und wagte sich stattdessen an ein Essay über junge Erwachsene in Paris.

Mit Maskulin – Feminin adaptierte Godard sehr frei zwei Kurzgeschichten von Guy de Maupassant und verlagerte sie ins Zeitgenössische. Obwohl der Film aufgrund seines Bezugs zum Vietnamkrieg und den Sechziger Jahren klar ein Kind seiner Zeit ist, erstaunt dessen Allgemeingültigkeit. Godard gelang es mit seinen suggestiven Szenen, das Lebensgefühl der Vergangenheit intuitiv verständlich zu machen.

Der erweiterte Titel des Films – Die Kinder von Marx und Coca Cola – verweist auf den politischen Zwiespalt seines jungen Protagonisten, der von Nouvelle Vague-Idol Jean-Pierre Léaud gespielt wird und einerseits mit linken Idealen sympathisiert, andererseits jedoch die Vorzüge eines kapitalistischen Landes schätzt. Fortwährend befragt er seine Mitmenschen und erfährt doch nie etwas, scheint auch gar nicht in der Lage zu sein, mit etwaigen Antworten etwas anzufangen und wird trotz des eigenen intellektuellen Anspruchs stets auf seinen allein schon aufgrund seiner geringen Lebenserfahrung beschränkten subjektiven Erfahrungsschatz zurückgeworfen.

Wie schon in anderen Werken von Godard stehen auch in Maskulin – Feminin Kommunikationsprobleme im Mittelpunkt, viele Menschen können sich nicht ausdrücken oder verständlich machen. Zudem wirkt Paris trotz seiner vielen Bewohner seltsam leer. Immer wieder schildert der Film in recht amüsanten kleinen Szenen die Dysfunktionalität der Großstadt: Eine Frau erschießt ihren (Ex-?)Mann, eine andere einen Schwarzen in der Straßenbahn. Überhaupt misst Godard Schüssen einiges Gewicht bei, unterlegt er doch die ständig auftauchenden marxistischen Texttafeln mit Pistolenschussgeräuschen.

Im Vergleich zu Godards vorherigem Essayfilm Eine verheiratete Frau wirkt Maskulin – Feminin unpersönlicher und weitaus weniger sinnlich. Das lässt die Schlussfolgerung zu, der Autorenfilmer wende seinen Blick nicht mehr dem Individuum innerhalb der Gesellschaft, sondern mehr und mehr der Gesellschaft als Ganzes zu. In meinen Augen bleibt Maskulin – Feminin jedoch eher eine Ergänzung des umfangreichen Oeuvres von Godard, fällt weniger vielschichtig und optisch weniger ausgereift aus als viele andere seiner Werke. Dass Raoul Coutard ausnahmsweise nicht die Kamera führte, macht sich bemerkbar.

Handlung:

Paul, der Idealist, soeben vom Militärdienst zurück, engagiert sich gegen den Vietnamkrieg; Robert ist der Realist, der alle politisieren will. Madeleine besingt ihre erste Schallplatte und träumt von der großen Karriere als Sängerin. Sie wohnt mit ihren Freundinnen Catherine, für die sich Robert interessiert, und Elizabeth. Paul zieht bei den Mädchen ein und arbeitet als Meinungsforscher.

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-16T13:02:15+00:00

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