Warum läuft Herr R. Amok? zählt zu den Filmen, die ihrem Publikum das zumuten, was ihr Protagonist erlebt. In diesem Fall wird keine Geschichte erzählt, sondern letztlich eine lange Abfolge von nicht zusammenhängenden Szenen gezeigt – die Reihenfolge könnte nahezu beliebig vertauscht werden. Der Film lässt neunzig Minuten lang Nichtigkeiten und Banalitäten über sein Publikum regnen und positioniert um seinen schweigsamen Herrn R. ein endlos plauderndes, endlos freundliches Figurenensemble, dessen Gehabe nur Fassade ist, aufgesetzt und gestelzt in vollendeter bürgerlicher Gleichschaltung.

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Filmkritik:

Damit nährt Warum läuft Herr R. Amok? eine dichte Atmosphäre voller latenter Agression. Im endlosen Plauderreigen steht Herr R. alleine dar, sein leeres Leben scheint stillzustehen und auswegslos, denn – typisch für eine Fassbinder-Hauptfigur – er selbst ist nicht in der Lage, ihm eine neue Richtung zu geben.

Gefangen in den bürgerlichen Konventionen und seiner eigenen Mutlosig- oder sozialen Unfähigkeit, versagt Herr R. nicht nur bei der Herbeiführung einer Lebensänderung, sondern vermag es bezeichnenderweise nicht einmal, seine Gefühle zu artikulieren.

Spaß macht dieser Film, der dem Vernehmen nach mehr von Co-Regisseur Michael Fengler als vom mit zu wenig Zeit ausgestatteten Fassbinder inszeniert worden ist, keinen. Aber er gestaltet sich noch genauso effektvoll wie vor 40 Jahren und hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt und liefert auch heute noch einigen Diskussionsstoff. Dank der konsequenten Stilistik ist Warum läuft Herr R. Amok? universell und könnte dich mit seiner nihilistischen Atmosphäre in seinen Bann ziehen, sofern du die erforderliche Geduld mitbringst.

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DER REGISSEUR

Rainer Werner Fassbinder zählt zu den wichtigsten deutschen Regisseuren und gilt als Vorreiter des Neuen Deutschen Films. Fassbinder lebte für das Kino und arbeitete ununterbrochen. Obwohl er mit nur 37 Jahren starb, umfasst seine Vita mehr als 40 Spielfilme und zwei TV-Serien. Der Regisseur vereinte seine Vorliebe für Genrefilme und Melodramen mit klugen, oft kritischen Beobachtungen gesellschaftlicher Entwicklungen.

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DER REGISSEUR

Rainer Werner Fassbinder zählt zu den wichtigsten deutschen Regisseuren und gilt als Vorreiter des Neuen Deutschen Films. Fassbinder lebte für das Kino und arbeitete ununterbrochen. Obwohl er mit nur 37 Jahren starb, umfasst seine Vita mehr als 40 Spielfilme und zwei TV-Serien. Der Regisseur vereinte seine Vorliebe für Genrefilme und Melodramen mit klugen, oft kritischen Beobachtungen gesellschaftlicher Entwicklungen.

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DIE STRÖMUNG

Der Neue Deutsche Film entstand in den Sechziger Jahren und grenzte sich von den damals populären leichten Unterhaltungsfilmen ab. Die Regisseure der Strömung sahen sich als Autorenfilmer und drehten Werke, die sich unabhängig vom Genre mit der Gesellschaft und Politik auseinandersetzen.

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ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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