Made in USA

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Filmkritik:

Nachdem sich Jean-Luc Godard bereits in vorherigen Filmen an die Grenzen von Narration und Genreregeln vorgewagt hatte, sprengt er diese mit Made in USA regelrecht – und scheitert grandios. Ironischerweise beweist der Franzose mit seinem Film den Sinn von den filmischen Konventionen, denen er abgeschworen hat.

Es mag auch mit den Produktionsbedingungen zu tun haben, dass Made in USA so ein chaotischer Film geworden ist. Während des Drehs zu Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß wendete sich Godards Produzent Georges de Beauregard an den Regisseur und bat ihn um den Gefallen, kurzfristig einen Film zu drehen. Godard sagte zu, wollte seine laufenden Dreharbeiten jedoch nicht unterbrechen. So teilte er seinen Arbeitstag kurzerhand auf: Vormittags drehte er den einen, nachmittags den anderen Film.

Für das grobe Konzept von Made in USA krallte sich der Regisseur einen beliebigen Kriminalroman aus der Buchhandlung. Dabei handelte es sich um einen Krimi von Donald E. Westlake, der die Vorlage für den tollen Klassiker Point Blank schrieb. Da Westlake nie Tantiemen sah, wurde Made in USA ausgerechnet in den Vereinigten Staaten nicht aufgeführt.

Den beiden großen US-Regisseuren Samuel Fuller und Nicolas Ray gewidmet, entwirft Godard in Made in USA ein seltsames Pop-Art-Szenario: Eine Frau sucht die Mörder ihres Mannes und redet mit Zeugen, Gangstern und Polizisten. Mit einem Kriminalfilm hat das allerdings absolut nichts mehr zu tun. Im Gegensatz zu Elf Uhr nachts, wo der Franzose zumindest im Groben noch mit Genreelementen arbeitete, mutiert Made in USA zu einer Farce aus Dialektik und Dekonstruktion.

Dass Godard das amerikanische Atlantic City kurzerhand als Atlantic Cité nach Frankreich verlegt geht noch als amüsant durch, doch die übrigen Sperenzien erweisen sich als enervierend. Beinahe sämtliche Figuren wurden nach bekannten Politikern oder Regisseuren benannt. Neben zwei Killern namens Richard Nixon und Robert McNamara treten ein Donald Siegel, Richard Widmark und sogar ein Inspector Aldrich auf – das wirkt schon ziemlich lächerlich.

Als noch schlimmer erweist sich Godards Hingabe an die Dialektik. In teils minutenlange Sequenzen reihen die Figuren völlig sinnlose Wortgruppen aneinander, jede verbale Interaktion endet in Nonsens-Dialogen – der Regisseur verzerrt jegliche Kommunikation und zerstört alle erzählerischen Ansätze. Selbst mit dem viel zitierten Brecht’schen Theater hat das nicht mehr viel zu tun und erinnert bisweilen eher an den Dadaismus. Auch die Darsteller bleiben blass. Anne Karina, die sich kurze Zeit nach dem Film von Godard scheiden ließ, spielt hochgradig passiv, fast schon auf „Autopilot“. Schade; es sollte für 10 Jahre ihr letztes Werk mit ihrem baldigen Ex-Ehemann werden. Auch Jean-Pierre Léaud scheint wenig mit seiner Figur anfangen zu können, darf jedoch zumindest in einem der wenigen guten Momente des Films eine amüsant-übertriebene Sterbeszene hinlegen, die ich als Reminiszenz an das berühmte Finale von Godards Debüt Außer Atem verstanden habe.

Trotz der knalligen Pop-Art-Bilder versackt Made in USA in den Untiefen seiner Prätention und dient als Grundlage von all dem, was Godard – bisweilen zu Unrecht – vorgeworfen wird. Hier wirkt sein Intellektualismus hochgradig bemüht.

Handlung:

Eine junge Frau kommt nach Atlantic City auf der Suche nach ihrem Freund. Sie muss jedoch herausfinden, daß der Gesuchte tot ist. Er wurde ermordet. Ihre Bemühungen, Licht in die Angelegenheit zu bringen, schlagen fehl. Entmutigt und enttäuscht muß sie nach Paris zurückkehren. Es bleibt ihr die Gewißheit, ganz nahe an die Lösung ihrer Frage herangekommen zu sein, Zusammenhänge zwischen Opfer und Mörder erkannt zu haben. Der Aufenthalt in den Staaten hat ihr einen Einblick in die Amoralität und die Korruption der Gesellschaft dort vermittelt.

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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