Mit dem Erscheinen von Der Jazzsänger im Jahr 1927 brach zwar die Ära des Tonfilms an, dennoch erschienen auch Jahrzehnte später noch Stummfilme. Da sich an dieser Stelle alles um die klassische Stummfilmära dreht, fanden moderne Vertreter wie La Antena, Juha oder The Artist keine Berücksichtigung.
Deutlich schwieriger war die Entscheidung, wie mit Hybridfilmen während der Übergangsphase zwischen Stumm- und Tonfilm umzugehen ist. Das wurde auf Einzelfallbasis gehandhabt - zuungunsten von Carl Theodor Dreyers Meilenstein Vampyr, der zwar die Ästhetik des Stummfilms bedient, aber eben auch schon gesprochene Dialoge enthält.
Abseits der formalen und zeitlichen Qualifikation blieben unzählige Kandidaten für wenige Plätze, sodass sehenswerte Stummfilme außen vor blieben. Nicht auf die Liste geschafft haben es zwei unumstößliche Kanonfilme: Fritz Langs Metropolis und Carl Theodor Dreyers Die Passion der Jungfrau von Orléans. Auch für Alfred Hitchcocks Der Mieter und Abel Gances Epos Napoleon blieb kein Platz.
Was wäre der Stummfilm ohne seine ikonischen Komödien, die allein eine Liste füllen könnten? Leider blieb kein Platz für René Clairs herrlich konfusen Screwball-Vorläufer Der Florentiner Hut, die Buster Keaton-Meilensteine Sherlock Jr. und Die verflixte Gastfreundschaft oder Ernst Lubitschs Die Puppe.
Auch zwei deutsche Subgenres aus der Zeit der Weimarer Republik mussten Federn lassen: Der Bergfilm Der heilige Berg sowie die Straßenfilme Tagebuch einer Verlorenen, Asphalt und Die Straße blieben außen vor.
Ebenfalls stark an ihren Milieus interessiert sind eine ganze Reihe von sehenswerten Stummfilmen, die sich mit dem Showgeschäft auseinandersetzen. Als Tragödie im deutschen Vertreter Varieté, als britischer Kriminalfilm in Shooting Stars oder als gut gelaunte Satire über Hollywood aus Hollywood in Show People.
Apropos: Auch die Oscars gab es schon während der Stummfilmzeit - den ersten Goldjungen als Bester Film gewann Flügel aus Stahl des heute zu Unrecht fast vergessenen Regisseurs William A. Wellman, der ein Jahr später das sehenswerte Depression Era-Drama Beggars of Life nachlegte. Eine weitere Empfehlung aus Hollywood ist Der Dieb von Bagdad mit dem damaligen Superstar Douglas Fairbanks.
Nicht unterschlagen werden sollen die russischen Klassiker Bett und Sofa sowie Die Generallinie. Auch im asiatischen Raum entstanden gelungene Stummfilme, etwa das chinesische Prostituiertendrama Die Göttliche und das japanische Krimi-Kammerspiel Die Frau jener Nacht aus dem Frühwerk von Yasujirō Ozu.
Schließen wir diese Aufzählung mit drei finsteren Werken aus dem Fantasy- und Horrorbereich ab: Orlacs Hände mit dem großen Conrad Veidt, F. W. Murnaus Faust - Eine deutsche Volkssage sowie der semidokumentarische Horrorfilm Häxan, dessen drastische Bilder im Kopf bleiben.
Kommen wir nun zu den 25 besten Stummfilmen der Kinogeschichte: