Die 30 besten Filme
von 1930 bis 1939
Der Einzug des Tonfilms im Jahr 1927 führte die junge Kunstform Film in ein neues Zeitalter. In den Dreißiger Jahren entwickelten sich die Maßstäbe des modernen Kinos: Filmsprache, Genres und Schauspielerei erreichten ein neues Niveau.
In den Vereinigten Staaten brach die Golden Age of Hollywood an; die bemerkenswertesten Werke der Ära entstanden jedoch in Frankreich, wo die Strömung des Poetischen Realismus für Furore sorgte, bis der Schatten des Zweiten Weltkrieges das Kino einmal mehr veränderte.
Bestenlisten verkünden keine objektiven Wahrheiten, sie sind per se subjektiv und imperfekt. Die hier aufgeführten persönlichen Favoriten sollten daher als inspirierende Ergänzung zu eigenen Lieblingsfilmen verstanden werden.
Honorable Mentions
Aufgrund des notorischen Platzmangels bleiben zwangsläufig viele sehenswerte Filme außen vor. Sie sollen zumindest lobend erwähnt werden:
Beginnen wir mit einem dominanten Thema des amerikanischen Kinos: Die Prohibition ließ das Gangstertum aufblühen, sodass das US-Kino der Dreißiger Jahre unzählige tolle Kriminalfilme hervorbrachte. Für Todesangst bei jeder Dämmerung und Ich bin ein entflohener Kettensträfling blieb leider kein Platz auf der Bestenliste.
Ein weiteres Lieblingsthema Hollywoods war die Verfolgung Unschuldiger, die zu einer Reihe von Krimi-Melodramen mit sozialem Gewissen führte. Hier sind die Fritz Lang-Filme Gehetzt und Blinde Wut sowie der Anti-Selbstjustiz-Film They Won’t Forget zu nennen.
Allerdings gab es auch einige wunderbare Krimi-Komödien, die die Bestenliste nur knapp verpasst haben. Sowohl in Das Doppelleben des Dr. Clitterhouse als auch in Vier Leichen auf Abwegen persiflierte Edward G. Robinson erfolgreich sein Gangster-Image.
Das bringt uns zur nächsten Säule des amerikanischen Kinos, das in den Dreißiger Jahren die wilden Screwballcomedies „erfand“. Enthüllung um Mitternacht, Die Schwester der Braut und Serenade zu dritt machen großen Spaß.
Deutlich weniger unterhaltsam ist ein Meilenstein des (sozialkritischen) Horrorkinos, das Tod Browning in seinem Meilenstein Freaks – Missgestaltete inszenierte.
In anderen Teilen der Welt brachten die Dreißiger Jahre natürlich auch sehenswerte Filme hervor. In Frankreich bescherte uns der Poetische Realismus die Dramen Der Tag bricht an und Pépé le Moko, die die Bestenliste nur hauchdünn verpasst haben.
In Deutschland drehte Robert Siodmak vor seiner Emigration den Film Noir-Prototypen Voruntersuchung und Willi Forst den melodramatischen Kriminalfilm Mazurka.
Zudem müssen noch zwei späte Stummfilme aus Asien erwähnt werden: Yasujirō Ozus japanischer Vertreter Die Frau jener Nacht sowie das bemerkenswerte chinesische Prostituiertendrama Die Göttliche.
Kommen wir nun zu den 30 besten Filme der Jahre 1930 bis 1939:

Platz 30
Vampyr – Der Traum des Allan Grey
Carl Theodor Dreyer | 1932 | Deutschland
1932 schuf Carl Theodor Dreyer einen bemerkenswerten Vampirfilm, der Elemente aus Ton- und Stummfilm kombiniert. Vampyr ist deutlich weniger streng komponiert als die späteren Arbeiten des Dänen und zieht uns mit einer surrealen Bilderflut in eine magische Parallelwelt. Es wird wenig und meist nur im Flüsterton gesprochen, stattdessen schwelgt Dreyers Werk in wunderbaren Effekten, die eine märchenhafte Stimmung erzeugen. Dabei streift er eine kohärente Handlung nur am Rande – Vampyr gleicht einem Fiebertraum, der sich im Nachhinein kaum noch entschlüsseln lässt und dichter bei David Lynch als bei Dracula zu verorten ist.

Platz 29
Revolver und Roulette
William Keighley | 1936 | USA
Der Gangsterfilm Revolver und Roulette markiert das erste von fünf filmischen Duellen zwischen Edward G. Robinson und dem damals noch vornehmlich als Nebendarsteller besetzten Humphrey Bogart. Der 82 Minuten kurze Krimi ist inhaltlich dünn und vor allem sehr reaktionär, aber funktioniert als unterhaltsames Relikt seiner Zeit nach wie vor prächtig. William Keighley setzt das Geschehen routiniert in Szene; das Drehbuch produziert im Minutentakt toughe Dialoge und schlagende Fäuste; Robinson raucht und Bogart knurrt, dass es die reine Freude ist; das melodramatische Finale setzt einen konsequenten Schlusspunkt.

Platz 28
Mr. Deeds geht in die Stadt
Frank Capra | 1936 | USA
Mr. Deeds geht in die Stadt steht archetypisch für das Schaffen des großen Frank Capra, der im positiven Sinne naive Komödien drehte, um darin amerikanischen Idealen zu huldigen. In diesem Fall befördert er einen Naivling zum Millionär und stellt dessen schlichte Gutmütigkeit der materialistischen Denkrichtung seiner Mitmenschen entgegen. Capra führt die Sinnlosigkeit des Reichtums mit zielsicheren Dialogen und irrwitzigen Situationen vor und profitiert dabei von der hervorragenden Chemie zwischen Gary Cooper und Jean Arthur. Schon wegen der Darsteller ist Mr. Deeds geht in die Stadt um Welten besser als das Remake mit Adam Sandler.

Platz 27
Union Pacific
Cecil B. DeMille | 1939 | USA
Union Pacific steht beispielhaft für den klassischen amerikanischen Western – anhand einer romantischen Abenteuergeschichte feiert er die Erschließung des Wilden Westens durch den Eisenbahnbau. Cecil B. DeMille ist hier ganz in seinem Element und zieht das Geschehen wie gewohnt groß auf: Dank eines üppigen Budgets protzt Union Pacific mit Schauwerten, die Kulissen und die Massenszenen produzieren eindrucksvolle Bilder. Trotz der Überlänge von 132 Minuten generiert das ereignisreiche Drehbuch einen hohen Unterhaltungswert, was neben dem hohen Produktionsniveau vor allem an den gut aufgelegten Stars liegt: Joel McCrea, Robert Preston und Barbara Stanwyck machen großen Spaß.

Platz 26
Der versteinerte Wald
Archie Mayo | 1936 | USA
Der 79 Minuten kurze Krimi versucht erst gar nicht, seine Theaterherkunft zu verschleiern – Archie Mayo inszeniert das Geiseldrama über weite Strecken als Kammerspiel. Die räumliche Beschränktheit hält die Spannung hoch, als Gegenpol dazu dient ein poetischer Fatalismus des Helden, der den materialistischen Gangstern mit Schöngeist begegnet. Zudem baut Der versteinerte Wald auf eine tolle Besetzung: Leslie Howard und die junge Bette Davis überzeugen ebenso wie der damals noch nicht als Star etablierte Humphrey Bogart als Antagonist.

Platz 25
Die große Illusion
Jean Renoir | 1937 | Frankreich
Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges wurde Die große Illusion nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich verboten – mit seinem eindringlichen Plädoyer gegen Nationalismus und Standesdenken gefährdete Renoirs Klassiker die Moral der Soldaten. Frei von Ressentiments setzt sich der Autorenfilmer für Völkerverständigung und Frieden ein: Keine Nation, sondern der Krieg selbst dient als Antagonist des Films, der sich mit seiner universellen Botschaft eine zeitlose Gültigkeit bewahrt hat.

Platz 24
Der große Treck
Raoul Walsh | 1930 | USA
Der erste große Western der Tonfilmära: Der große Treck schildert die Planwagen-Odyssee einer Gruppe von Siedlern durch den unerschlossenen Wilden Westen und wurde mit einem enormen Budget produziert. Der Aufwand ist deutlich sichtbar, die schiere Anzahl an Planwagen, Statisten und Tieren liefert herausragende Bilder, zumal an Originalschauplätzen und in 70 Millimeter gedreht wurde. Der große Treck leistet sich ein gemächliches Tempo, bietet jedoch durch die episodenhafte Struktur des Road-Movies viel Abwechslung. Als Zugabe gibt es den ersten Auftritt eines jungen Hauptdarstellers namens John Wayne, der hier noch etwas ungelenk wirkt.

Platz 23
Lichter der Großstadt
Charles Chaplin | 1931 | USA
Das Kino hatte sich längst dem Tonfilm zugewandt, als Chaplin 1931 seinen vorletzten Stummfilm drehte. Lichter der Großstadt ist ein Triumph für Chaplins Kunst, die hier in all ihren Facetten zu bestaunen ist: Chaplins Körpersprache verleiht dem Tramp eine ironische Anmut und zwingt ihn in urkomische Szenen wie dem berühmten Boxkampf oder einem betrunkenen Restaurantbesuch. Wie immer steckt in dem humoristischen Konzept eine Kritik an der sozialen Kälte der Menschen, zugleich erzählt Chaplin eine romantische Fabel, die rührend und menschlich zugleich ist.

Platz 22
Die wilden Zwanziger
Raoul Walsh | 1939 | USA
Im Gegensatz zu älteren Gangsterfilmen wie Der öffentliche Feind (1931) näherte sich der 1939 veröffentlichte Klassiker von Raoul Walsh der Prohibitionszeit mit zeitlichem Abstand und wählte deshalb bewusst eine Perspektive des Rückblicks: Mit wochenschauartigen Einspielern entwirft Die wilden Zwanziger ein stimmungsvolles Zeitbild und verdeutlicht die gesellschaftlichen Umstände der Ära. Dennoch mutet Walshs Werk nie wie eine Doku an – die Handlung wird temporeich erzählt und durch zwei herausragende Darsteller belebt. James Cagney und Humphrey Bogart harmonieren großartig.

Platz 21
Die Mumie
Karl Freund | 1932 | USA
Nach Frankenstein und Dracula setzte Universal seine erfolgreichen Horrorfilme mit Die Mumie fort und besetzte erneut seinen neuen Star Boris Karloff als Monster. Der eigentliche Star ist jedoch Regisseur Karl Freund, der zuvor Kameramann für Fritz Lang und F. W. Murnau war. Freund vereint die expressionistische Bildgestaltung der Stummfilmzeit mit der dynamischen Inszenierung eines Hollywood-Films. Die Mumie ist düster, mysteriös, exotisch und romantisch, der Film besitzt dank der 73 Minuten kurzen Laufzeit eine hohe Handlungsdichte und fähige Schauspieler, sodass er zwar nicht mehr zu gruseln, aber hervorragend zu unterhalten vermag.

Platz 20
Leoparden küsst man nicht
Howard Hawks | 1938 | USA
Leoparden küsst man nicht wird regelmäßig zu den besten Komödien aller Zeiten gezählt und ist ein typischer Vertreter der Screwballcomedies der Dreißiger Jahre. Der wendungsreiche Plot jagt seine meist orientierungslosen Protagonisten durch eine Vielzahl seltsamer Situationen und schlägt dabei ein ein rasantes, bisweilen regelrecht hysterisches Tempo an. Die pointierten Dialoge und ulkigen Nebenfiguren sorgen für beste Unterhaltung; das Herzstück des Films bilden Cary Grant und Katharine Hepburn, die eine hervorragende Chemie entwickeln.

Platz 19
Lebenskünstler
Frank Capra | 1938 | USA
Lebenskünstler steht in einer ganzen Reihe von Komödien Frank Capras, in denen er Humor als Bindemittel für humanistische Botschaften einsetzte. Sein Film basiert auf einem mit dem Pulitzerpreis prämierten Theaterstück und gewann 1939 Oscars als bester Film und für die beste Regie. Mit viel Wortwitz und Situationskomik inszeniert Capra einen moralischen Klassenkampf zwischen einer Familie von lebenslustigen Exzentrikern und einer Partei reicher Snobs. Sowohl der Humor als auch die idealistische Botschaft mögen inzwischen etwas altmodisch wirken, das spielfreudige Ensemble bringt jedoch viel Wärme und Schwung in die Geschichte. Während ausgerechnet Hauptdarsteller James Stewart blass bleibt, begeistern Jean Arthur, Lionel Barrymore und Edward Arnold.

Platz 18
Die Frauen
George Cukor | 1939 | USA
Die Broadway-Adaption Die Frauen schildert die Gerüchte, Intrigen und Seitensprünge der New Yorker High Society mit einem Twist: Die 135 Rollen wurden ausschließlich mit Frauen besetzt, die männliche Beteiligung findet nur indirekt, etwa über Telefone, statt. Da MGM alle seine weiblichen Stars auffuhr, beglückt der Film mit einem tollen Ensemble, u. a. Joan Crawford, Rosalind Russell, Norma Shearer und Joan Fontaine geben hier einfühlende Freundinnen und giftige Furien. Neben der Besetzung überzeugt auch das Drehbuch mit seiner eleganten Narration und den treffsicheren Dialogen, die für einen hohen Unterhaltungswert sorgen.

Platz 17
Eine Dame verschwindet
Alfred Hitchcock | 1938 | Großbritannien
Der Kriminalfilm von Alfred Hitchcock spielt fast ausschließlich in einem Zug und zieht aus dieser räumlichen Beschränkung viel Suspense. Da Eine Dame verschwindet sein Sujet trotzdem nicht übermäßig ernst nimmt, entwickelt sich ein leichtfüßiges Rätselraten. Der Plot bleibt lange mysteriös, auch weil mehrere markante Nebenfiguren als Unsicherheitsfaktor dienen. Dabei profitiert der britische Klassiker auch von den gut aufgelegten Darstellern und unterhält über weite Strecken, lediglich das Finale fällt etwas ab.

Platz 16
Dschungel im Sturm
Victor Fleming | 1932 | USA
Dschungel im Sturm bietet ein hervorragendes Beispiel für die Filme der Pre-Code-Ära: Zwei Jahre, bevor der Hays Code Hollywood zur Keuschheit zwang, schuf Victor Fleming ein Melodram, das sich explizit an mündige Erwachsene richtete. Der Regisseur inszeniert einen fiebrigen Reigen aus Begierden, Eifersucht und Sex und verlegt diesen in den schwülen Dschungel Indochinas. Die zweideutigen Dialoge führen zu eindeutigen Situationen und bieten einen hohen Unterhaltungswert, die gut aufgelegten Darsteller um Sexbombe Jean Harlow tragen dazu bei.

Platz 15
Toni
Jean Renoir | 1935 | Frankreich
Toni beeinflusste die Kinogeschichte nachhaltig. Der Klassiker von Jean Renoir markiert den Beginn des Poetischen Realismus und beeinflusste auch den Italienischen Neorealismus maßgeblich. Mittels einer semidokumentarischen Inszenierung und durch die damals noch ungewöhnliche Nutzung von Originalschauplätzen verschreibt sich Renoir einer großen Wahrhaftigkeit. Auf dem Fundament der glaubwürdigen Milieubeschreibung baut der Regisseur ein mitreißendes Melodram auf, das trotz der kurzen Laufzeit reich an emotionalen Höhepunkten ist.

Platz 14
Ninotschka
Ernst Lubitsch | 1939 | USA
Mit Drehbuchautor Billy Wilder und Regisseur Ernst Lubitsch arbeiteten gleich zwei Komödien-Genies an Ninotschka, ihr Charme prägt das Abenteuer einer strengen Kommunistin im libertären Paris nachhaltig. Mit hohem Tempo und spitzzüngigen Dialogen lassen sie die Differenzen zwischen Ideologien und Geschlechtern aufeinanderprallen. Die titelgebende Protagonistin erweist sich als Paraderolle für Greta Garbo, die im Gegensatz zu vielen anderen Stummfilmköniginnen den Sprung zum Tonfilm mit Bravour meistert.

Platz 13
Scarface – Narbengesicht
Howard Hawks | 1932 | USA
Scarface hob den noch jungen Gangsterfilm auf ein neues Niveau: Der Meilenstein von Howard Hawks besticht durch eine moderne Inszenierung, deren Rasanz ebenso für Furore sorgte wie die für damalige Verhältnisse heftige Gewaltdarstellung. Der archetypische Plot um den Aufstieg und Fall eines Al Capone nachempfundenen Gangsters lebt zudem vom charismatischen Auftreten des Hauptdarstellers Paul Muni, der dem Antihelden viele Nuancen verleiht. Die düstere Bildgestaltung und Hawks‘ Spiel mit Symbolen und Überhöhungen runden den Klassiker ab.

Platz 12
Die Schwestern von Gion
Kenji Mizoguchi | 1936 | Japan
Die Schwestern von Gion zählt zu den elementaren Vorkriegsklassikern des japanischen Kinos und zeigt eine Gesellschaft am Scheideweg zwischen Tradition und Moderne. Anhand zweier gegensätzlicher Schwestern spürt Kenji Mizoguchi diesem Konflikt nach und entwirft dafür eines seiner typischen, eindringlich erzählten Sozialdramen. Der Regisseur offenbart kompromisslos, wie das patriarchalische Japan den Protagonistinnen die Grenzen aufzeigt – sie finden ihr Glück weder durch traditionelle Demut noch durch emanzipierte Gegenwehr.

Platz 11
King Kong und die weiße Frau
Ernest B. Schoedsack, Merian C. Cooper | 1933 | USA
King Kong zählt zu den bekanntesten Geschöpfen des Kinos und ist längst ein Bestandteil der Popkultur; seinen ersten Auftritt hatte der Riesenaffe in einem frühen Blockbuster des Jahres 1933. King Kong und die weiße Frau setzte mit seiner Tricktechnik Maßstäbe und beeindruckt durch riesige Kulissen und Hunderte Statisten. Zudem ist bemerkenswert, wie modern Dramaturgie und Inszenierung heute noch wirkt – selbst 90 Jahre nach seiner Veröffentlichung besticht der Film durch ein hohes Tempo, einen fesselnden Spannungsbogen und Höhepunkte, die Filmgeschichte geschrieben haben.

Platz 10
Im Westen nichts Neues
Lewis Milestone | 1930 | USA
Die Hollywood-Adaption von Erich Maria Remarques berühmten Roman überzeugt auf ganzer Linie: Der bis dato aufwendigste Antikriegsfilm profitiert besonders von der Erfahrung des Regisseurs Lewis Milestone, der während des Ersten Weltkrieges in der Fotografie-Abteilung des US-Militärs gearbeitet hatte. Milestone kannte den Krieg aus erster Hand und überführte die bedrückende Realität in ein wuchtiges Filmerlebnis. Neben seinem schieren Aufwand überzeugt Im Westen nichts Neues durch beeindruckende Bildkompositionen, eine überraschend mobile Kameraarbeit und tolle Regieeinfälle.
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Platz 9
Der dünne Mann
W.S. Van Dyke | 1934 | USA
Die Krimikomödie Der dünne Mann begründete eine sechsteiligen Reihe über ein reiches Ehepaar, das von der Aufklärung eines verschlungenen Verbrechens davon abgehalten wird, sich gepflegt zu betrinken. Obwohl der Film als Krimi gut funktioniert, liegt der Fokus klar auf den schnippischen Wortgefechten der beiden Eheleute: W.S. Van Dyke setzt ganz auf die umwerfende Chemie der beiden Hauptdarsteller William Powell und Myrna Loy, gibt ein enormes Tempo vor und feuert witzige Dialoge im Sekundentakt ab.

Platz 8
Ringo
John Ford | 1939 | USA
John Ford drehte 1939 den maßgeblichen Western seiner Zeit: Ringo verpasste dem bis dato aus B-Movies bestehenden Genre einen seriösen Unterbau. Ford nutzt eine durch diverse Zwischenfälle bedrohte Postkutschenfahrt, um anhand archetypischer Figuren die Ideale und Motive der amerikanischen Gesellschaft zu hinterfragen – im Angesicht der Gefahr entblößen die Protagonisten nach und nach ihre Vorurteile und Wertesysteme. In Ringo arbeitete der Regisseur zum ersten Mal mit John Wayne zusammen, dem so der Durchbruch gelang – der Beginn einer legendären Kollaboration, die 23 weitere Filme umfasst.

Platz 7
Die Spielregel
Jean Renoir | 1939 | Frankreich
Die Spielregel mutet zunächst wie eine heitere Sittenkomödie an, entpuppt sich aber als garstige Farce, die hinter die vornehme Fassade der Bourgeoisie blickt und deren Amoral entlarvt. 1939 sorgte Renoirs Werk für einen Sturm der Empörung, inzwischen gilt die präzise Beobachtungsgabe des Klassikers als wegweisend. Bemerkenswert ist auch, wie souverän der Regisseur das wilde Treiben von einem Dutzend Figuren einfängt: Die hervorragende Mise en Scéne und eine ungemein bewegliche Kamera setzen das Chaos elegant in Szene.

Platz 6
M – Eine Stadt sucht einen Mörder
Fritz Lang | 1931 | Deutschland
M beruht lose auf den Taten des Serienmörders Peter Kürten und schildert, wie Polizei und Unterwelt nach einem Triebtäter fahnden. Obwohl es sich um Fritz Langs ersten Tonfilm handelt, reizt der Regisseur die neuen Möglichkeiten auf beeindruckende Weise aus und nutzt die auditive Ebene zur Erweiterung der bisherigen Filmsprache. Nebenbei entwirft Lang ein stimmiges Zeitbild des Berlins der frühen Dreißiger und steigert das Geschehen fortwährend, bis der furiose Peter Lorre im legendären Finale seinen großen Auftritt hat.

Platz 5
Das Testament des Dr. Mabuse
Fritz Lang | 1933 | Deutschland
Der zweite Teil von Fritz Langs Mabuse-Trilogie führt die Geschichte des titelgebenden Verbrechergenies stimmig fort und profitiert dabei von der Aura, die der epische Vorgänger dem Antagonisten verliehen hat. Das Testament des Dr. Mabuse spielt geschickt mit der unsichtbaren Macht des Bösewichts, der hier in den Hintergrund rückt und trotzdem allgegenwärtig erscheint. So bleibt der Plot über weite Strecken mysteriös, bis das geniale Finale die Fäden zusammenführt. Fritz Lang hat diesen frühen Thriller souverän in seinem Griff, nutzt effektvoll die Mittel des jungen Tonfilms und gewinnt so einen hohen Unterhaltungswert.

Platz 4
Bestie Mensch
Jean Renoir | 1938 | Frankreich
Bestie Mensch fußt auf einem Roman von Émile Zola und schildert den Niedergang eines Verdammten: Ein Lokführer leidet unter psychischen Störungen, verliebt sich in die falsche Frau und rutscht in eine Mordgeschichte hinein. Jean Renoir formt daraus aber keinen Thriller, sondern beschreibt den inneren Horror des Protagonisten, der keinen Ausweg aus seiner existenziellen Krise findet. Die finsteren Bilder spiegeln das Innenleben der Hauptfigur anschaulich wider und belegen ebenso wie der pessimistische Tonfall, dass Bestie Mensch zu den Vorläufern des Film Noir zählt.
Platz 3
Die 39 Stufen
Alfred Hitchcock | 1935 | Großbritannien
Die 39 Stufen zählt zu den Höhepunkten aus Alfred Hitchcocks britischer Phase und kann als Prototyp späterer Arbeiten wie Saboteure und dem Meisterwerk Der unsichtbare Dritte gesehen werden. Auch Die 39 Stufen beinhaltet die Lieblingsthemen des Master of Suspense: Hitchcocks Thriller lässt einen unfreiwilligen Helden auf eine Verschwörung stoßen und schickt ihn durch ein abwechslungsreiches Abenteuer voller undurchsichtiger Figuren, Verfolgungsjagden und Ortswechsel. Abgerundet wird das unterhaltsame Treiben durch eine gute Portion Humor, das absurde Finale setzt dem Ganzen die Krone auf.
Platz 2
Moderne Zeiten
Charles Chaplin | 1936 | USA
Moderne Zeiten zeigt Charlie Chaplin auf dem Höhepunkt seines Könnens: Der späte Stummfilm markiert den letzten Auftritt des legendären Tramps und konfrontiert ihn mit dem industrialisierten Kapitalismus. Dies führt insbesondere in der ersten Filmhälfte zu urkomischem Slapstick, wenn Chaplins Held das Geschehen einer Fabrik auf den Kopf stellt; dahinter steckt jedoch eine Anklage gegen eine Welt, die nur noch nach Profit und Leistung strebt, dabei aber immer unmenschlicher und kälter gerät. Die zweite Filmhälfte bildet dazu einen Gegenpol und formuliert ein emotionales Plädoyer für das menschliche Miteinander.
Platz 1
Hafen im Nebel
Marcel Carné | 1938 | Frankreich
Hafen im Nebel zählt zu den Höhepunkten des französischen Vorkriegskinos und verhandelt die typischen Themen des Poetischen Realismus – die individuelle Suche nach Glück und den Widerstand gegen ein übermächtiges Schicksal. Regisseur Marcel Carné und Kameramann Eugen Schüfftan verwandeln die Hafenstadt Le Havre in eine übersteigerte Trübsinnsversion ihrer selbst; ihre Melancholie durchdringt alles Handeln der Figuren, ihr Pessimismus nimmt den Film Noir vorweg. Wie in der Schwarzen Serie herrscht eine Sehnsucht nach fernem Glück, doch wer davon kostet, bezahlt immer einen Preis.
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