Zu Beginn mussten einige Grundsatzentscheidungen getroffen werden, gibt es doch eine lange Tradition britisch-amerikanischer Ko-Produktionen, die die Auswahl erschwert. Insbesondere bei den Filmen Stanley Kubricks musste von Einzelfall zu Einzelfall entschieden werden, ob die Produktion überwiegend britisch oder amerikanisch ist: Eyes Wide Shut, Full Metal Jacket und 2001: Odyssee im Weltraum wurden als zu amerikanisch ausgeschlossen.
Im Gegenzug habe ich die interkontinental produzierte James Bond-Reihe als überwiegend britisch deklariert. Einige der besten Bonds haben die Bestenliste knapp verpasst, Der Spion, der mich liebte sowie Im Geheimdienst Ihrer Majestät hätte ich gerne drin gehabt.
Unzweifelhaft britisch ist die British New Wave, die von 1958 bis 1966 eine ganze Reihe sehenswerter Sozialdramen hervorgebracht hat. Die Einsamkeit des Langstreckenläufers, Bitterer Honig sowie Samstagnacht bis Sonntagmorgen konnte ich leider nicht mehr unterbringen.
Als weitere britische Institution müssen wir natürlich auch über Alfred Hitchcock sprechen. Seinen Zug-Krimi Eine Dame verschwindet sowie der Serienkillerkrimi Frenzy haben es nicht auf die Liste geschafft.
Das gilt auch für zwei Filme von Basil Dearden, der gerne Genrekino mit sozialen Themen verband und dies insbesondere in Das Mädchen Saphir hervorragend umsetzte. Auch die ungewöhnliche Shakespeare-Adaption Die heiße Nacht ist eine Entdeckung wert.
Auf zwei Deardens folgen noch zwei Loseys: Der US-Amerikaner Joseph Losey drehte im britischen Exil unter anderem das tragische Antikriegsdrama Für König und Vaterland sowie den konzentrierten Gangsterfilm Die Spur führt ins Nichts.
Und wenn wir schon bei Doppelpacks sind, darf das Regisseursduo Powell & Pressburger nicht fehlen, auch wenn es ihr schönes Fantasy-Melodram Irrtum im Jenseits und ihr Epos Leben und Sterben des Colonel Blimp nicht auf die Liste geschafft haben.
Das britische Kino ist so reich an sehenswerten Klassikern, dass selbst hier der Platz auszugehen droht. Erwähnt werden müssen noch Jerzy Skolimowskis tragikomischer Coming-of-Age-Film Deep End, der Skandalfilm Augen der Angst, das Militärdrama Einst ein Held, der Dicken’sche Weihnachtskrimi Cash on Demand, der Geisterfilm Schloss des Schreckens, das Knastdrama 12 Uhr nachts, Die Duellisten von Ridley Scott und der unorthodoxe Vampirfilm Begierde von Tony Scott, der Mysterykrimi Der Schrecken der Medusa, der dystopische 1984 und der tragische, nicht kindertaugliche Animationsfilm Die Hunde sind los.
Damit begeben wir uns nun in die Moderne, die ebenfalls zahlreiche tolle Filme aus Großbritannien bereithält. Starten wir mit Lynne Ramsays einzigartigem Jugenddrama Ratcatcher und mit Danny Boyle, dessen Zombiefilmvariation 28 Days Later genauso auf dem fiktiven 31. Platz gelandet ist wie Trainspotting.
Auch die Science-Fiction-Filme Alles, was wir geben mussten und Ex Machina sollen erwähnt werden. Bleiben wir beim Genrekino: Guy Ritchies Gangsterfilm The Gentlemen sowie Edgar Wrights ungewöhnlicher Thriller Last Night in Soho machen großen Spaß.
Apropos: Der britische Humor wurde noch gar nicht erwähnt. Musterbeispiele liefern der komödiantische Krimi Ein Fisch namens Wanda, Ganz oder gar nicht und das Kammerspiel The Party.
Kommen wir nun zu den 30 besten britischen Filmen der Kinogeschichte: