Die 25 besten

japanischen Filme

Japan zählt zu den ganz großen Kino-Nationen und blickt auf eine so reichhaltige wie vielfältige Filmhistorie zurück, die bis in die Stummfilmzeit zurückreicht.

Insbesondere die goldene Ära der Fünfziger Jahre sicherte Japan einen Platz im internationalen Rampenlicht: Das Studiosystem brachte einige der größten Regisseure der Kinogeschichte und zahlreiche Meisterwerke hervor. Im Anschluss kam mit der Japanischen Neuen Welle eine der spannendsten Erneuerungsbewegungen auf.

Das Land der aufgehenden Sonne hat sich seine cineastische Schaffenskraft bis heute bewahrt – ob Arthouse-Film oder Genrekino, in schöner Regelmäßigkeit erscheinen sehenswerte japanische Filme.

Bestenlisten sind per se imperfekt, eignen sich aber hervorragend als Quell der Inspiration. Die hier aufgeführten persönlichen Favoriten sollten daher als Ergänzung zu eigenen Lieblingsfilmen verstanden werden.

Honorable Mentions

Natürlich ist es unmöglich, den hochqualitativen Fundus des japanischen Kinos auf nur 25 Vertreter zu reduzieren. Wie immer bleiben also viele Filme außen vor, die dennoch absolut sehenswert sind.

Das betrifft zunächst mal Meisterregisseure, von denen ich andere Werke vorgezogen habe. Daher blieben etwa Filme von Yasujirō Ozu (Die Reise nach Tokio, Ein Herbstnachmittag, Sommerblüten) auf der Strecke. Bei Kenji Mizoguchi fiel die Entscheidung gegen Die Straße der Schande, Ugetsu – Erzählungen unter dem Regenmond und Das Leben der Frau Oharu; von Akira Kurosawa wurde es für Bilanz eines Lebens und Yojimbo – Der Leibwächter zu knapp.

Auch unter den Vertretern der Japanischen Neuen Welle fielen einige tolle Werke durch das Raster, etwa das einflussreiche Jugenddrama Crazed Fruit. Auch die schmissigen B-Krimis Endless Desire, Jagd auf die Bestie und Intimidation blieben außen vor.

Zwei kunstvolle Werke von Masahiro Shinoda landen ebenfalls auf dem fiktiven 26. Platz: Samurai Spy und Pale Flower. Auch der intellektuelle Horrorfilm The Face of Another von Hiroshi Teshigahara musste weichen.

Für japanische Exploitationkino blieb inmitten diverser Meisterwerke leider auch kein Platz mehr. Sasori – Scorpion und Sex & Fury sollen trotzdem nicht ungenannt bleiben.

Starten wir nun mit den 25 besten japanischen Filmen:

Filmszene aus Die Schwestern von Gion

Platz 25

Die Schwestern von Gion

Kenji Mizoguchi | Japan | 1936

Die Schwestern von Gion zählt zu den elementaren Vorkriegsklassikern des japanischen Kinos und zeigt eine Gesellschaft am Scheideweg zwischen Tradition und Moderne. Anhand zweier gegensätzlicher Schwestern spürt Kenji Mizoguchi diesem Konflikt nach und entwirft dafür eines seiner typischen, eindringlich erzählten Sozialdramen. Der Regisseur offenbart kompromisslos, wie das patriarchalische Japan den Protagonistinnen die Grenzen aufzeigt – sie finden ihr Glück weder durch traditionelle Demut noch durch emanzipierte Gegenwehr.

Filmszene aus A Legend or Was It?

Platz 24

A Legend or Was It?

Keisuke Kinoshita | Japan | 1963

In A Legend or Was It? bricht Keisuke Kinoshita mit seinem sonst so feinfühligen Stil und greift auf kolportagehafte Mittel zurück, um eine gallenbittere Parabel zu etablieren. Der Film ist der Endphase des Zweiten Weltkrieges angesiedelt und beschreibt, wie die Frustration eines Dorfes in Gewalt gegen Flüchtlinge umschlägt. Kinoshita führt den anfangs noch unterschwelligen Konflikt unerbittlich zur Eskalation, die archaische Stimmung erinnert am ehesten an einen Western; die ungewöhnliche musikalische Untermalung und malerische Landschaften unterstreichen diesen Eindruck. A Legend or Was It? erhält dadurch eine polemische Ausrichtung, ohne an Spannung einzubüßen.

Filmszene aus Ein streunender Hund

Platz 23

Ein streunender Hund

Akira Kurosawa | Japan | 1949

Mit seinem neunten Werk Ein streunender Hund näherte sich Akira Kurosawa dem Film Noir an, verpasste seinem Kriminalfilm jedoch einen ausgeprägten Existenzialismus, der ihn letztlich dichter bei Dostojewski als beim Genrekino verortet. Der Plot um einen Polizisten auf der Jagd nach seiner gestohlenen Dienstwaffe dient als Vehikel für eine gesellschaftliche Bestandsaufnahme des Nachkriegsjapans. Die fiebrige Stimmung des hochsommerlichen Tokios und Kurosawas meisterhafte Bildgestaltung laden die Odyssee des Protagonisten mit Bedeutung auf und verleihen ihr etwas Schicksalhaftes.

Filmszene aus Gate of Flesh

Platz 22

Gate of Flesh

Seijun Suzuki | Japan | 1964

Die Filmografie von Seijun Suzuki hat mehr zu bieten als die stilisierten Gangsterfilme, für die der Regisseur vornehmlich bekannt ist. Mit Gate of Flesh drehte er eine poppige Prostituiertenballade, die sich ganz dem Pulp-Kino hingibt und bewusst artifiziell gehalten ist. Die knallbunte Garderobe der Protagonistinnen, die ausgestellte Künstlichkeit der Studiokulissen und die inszenatorischen Verfremdungseffekte verleihen Gate of Flesh einen eigenwilligen Charme. Das B-Movie spielt zwar genüsslich mit reißerischen Einlagen, offenbart jedoch im weiteren Verlauf eine gar nicht mal so oberflächliche Parabel auf das in der Krise befindliche Nachkriegsjapan.

Filmszene aus Der schwarze Testwagen

Platz 21

Der schwarze Testwagen

Yasuzō Masumura | Japan | 1962

Vordergründig handelt Yasuzô Masumuras B-Movie Der schwarze Testwagen vom Kampf zweier Autohersteller, die auch vor Spionage und kriminellen Machenschaften nicht zurückschrecken. Der harsche Tonfall und die durchweg amoralisch handelnden Protagonisten erinnern an den Film Noir, allerdings interpretiert Masumura die Volten des Plots mit galligem Humor. Hinter dem hohen Unterhaltungswert verbirgt sich eine pessimistische Betrachtung des japanischen Wirtschaftswunders: Die Menschen haben den Nationalismus gegen den Kapitalismus eingetauscht, sind aber nach wie vor bereit, ihre Seele für leere Versprechen zu verkaufen.

Filmszene aus Lady Snowblood

Platz 20

Lady Snowblood

Toshiya Fujita | Japan | 1973

Lady Snowblood ist der profilierteste Klassiker des japanischen Exploitationkinos und zählt zu den maßgeblichen Inspirationsquellen für Tarantinos Kill Bill. Im Gegensatz zu zahlreichen Epigonen sind die Actionszenen des Originals blutig, aber kurz – Fujitas Film verkommt nie zur Gewaltorgie, sondern setzt auf Suspense. Dazu trägt das ausgezeichnete Storytelling mit seinen Rückblenden und Twists entscheidend bei. Das hohe Produktionsniveau überzeugt insbesondere bei der Musik, der Kameraarbeit und den hübschen Studiokulissen. Seine Strahlkraft erhält Lady Snowblood aber durch Meiko Kaji, die wie schon in der Sasori-Reihe durch kühles Charisma brilliert und in den Actionszenen eine gute Figur macht.

Filmszene aus Zwischen Himmel und Hölle

Platz 19

Zwischen Himmel und Hölle

Akira Kurosawa | Japan | 1963

Mit Zwischen Himmel und Hölle schloss Akira Kurosawa eine Reihe vom Film Noir inspirierter Kriminalfilme ab. Der Regisseur entwickelt ein Entführungsszenario in mehreren Abschnitten: Der Film beginnt als einstündiges Kammerspiel mit moralischem Zwiespalt, entwirft anschließend ein detailreiches Polizei-Puzzle und endet als pessimistische Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Ungleichheiten. Kurosawa imponiert mit einer ausgeklügelten Mise en Scène und stimmungsvollen Bildern, auch die Darsteller spielen durch die Bank weg hervorragend. Obwohl Zwischen Himmel und Hölle kaum Spannungsszenen beinhaltet, hält er sein Suspense über die vollen 143 Minuten aufrecht.

Filmszene aus Sanjuro

Platz 18

Sanjuro

Akira Kurosawa | Japan | 1962

Die Fortsetzung von Kurosawas Erfolgsfilm Yojimbo legt den Protagonisten nicht länger als Antihelden, sondern als moralisch handelnden Abenteurer an. Den rotzigen Charme seines Titelhelden behält Sanjuro bei, der Tonfall tendiert jedoch in eine neue, humorvolle Richtung: Die pointierten Dialoge und die ungewöhnlich heitere Musik sorgen für einen hohen Unterhaltungswert, auch das Storytelling ist deutlich runder als im Vorgänger. Im legendären Finale stellt Kurosawa allerdings die Kehrseite des wilden Treibens heraus und inszeniert ein tragisches Duell – mit der ersten Blutfontäne der Kinogeschichte, die aufgrund ihrer dramatischen Wirkung bis heute kopiert wird.

Filmszene aus The Inheritance

Platz 17

The Inheritance

Masaki Kobayashi | Japan | 1962

Auf dem Höhepunkt seines Könnens – zwischen seinen Meisterwerken Barfuß durch die Hölle und Harakiri – drehte Masaki Kobayashi den „kleinen“ Krimi The Inheritance, bei dem er einen Stilwechsel vollzog. Der Regisseur wich vom traditionellen Erzählkino ab und bediente sich stattdessen beim Film Noir und der Japanischen Neuen Welle. Eine finstere Bildgestaltung, ungewöhnliche Schnitte und eine komplexe Rückblendenstruktur verleihen dem Krimi eine artifizielle Note und den Habitus eines Kunstfilms. Neben der stilvollen Inszenierung überzeugt auch der gesellschaftskritische Subtext, der an den vielen wunderbar bösartigen Figuren kein gutes Haar lässt.

Filmszene aus Vierundzwanzig Augen

Platz 16

Vierundzwanzig Augen

Keisuke Kinoshita | Japan | 1954

Vierundzwanzig Augen schildert die Beziehung zwischen einer jungen Lehrerin und einer Schulklasse über einen Zeitraum von 20 Jahren und stellt dabei heraus, welche Zäsur der Zweite Weltkrieg bedeutete. Das große Weltgeschehen macht auch vor der kleinen Dorfgemeinschaft nicht Halt und reißt sie auseinander, als sich die Schüler der Volljährigkeit nähern. Obwohl Kinoshita keinerlei Kampfhandlungen zeigt, schlägt er tiefe emotionale Wunden, weil lieb gewonnene Figuren auf immer verschwinden und ihre Lehrerin vor Leid vergeht. So erweist sich Vierundzwanzig Augen als Melodram wirkungsvoller als die meisten Antikriegsfilme.

Filmszene aus Intentions of Murder

Platz 15

Intentions of Murder

Shôhei Imamura | Japan | 1964

Die Filmografie von Shôhei Imamura umfasst viele schwierige und kontroverse Werke, doch Intentions of Murder sticht trotzdem heraus: Die Leidensgeschichte einer vergewaltigten Frau, die eine Beziehung zu ihrem Peiniger aufbaut und sich darüber emanzipiert, erweist sich als herausfordernde Filmerfahrung. Imamura pfeift auf Moralfragen und erforscht komplexe Gefühlswelten abseits gängiger Konzepte von Liebe und Hass. Der Regisseur verstärkt den nihilistischen Eindruck seiner Tour de Force durch einen messerscharfen Schnitt und ungewöhnliche Perspektiven; umso mehr überrascht es, dass Imamura zwischen finsteren Winterbildern und menschlichen Abgründen einen unerwarteten Humanismus zutage fördert.

Filmszene aus Tokio in der Dämmerung

Platz 14

Tokio in der Dämmerung

Yasujirō Ozu | Japan | 1957

Unter den vielen großen Dramen von Yasujirō Ozu ist Tokio in der Dämmerung das finsterste. Der Meisterregisseur bleibt seinen stilistischen Grundsätzen treu, setzt allerdings stärker als sonst auf dramatische Effekte und überrascht mit einem ungewohntem Pessimismus. Passend dazu kleidet Ozu das grimmige Geschehen in erlesene Schwarz-Weiß-Bilder, die das winterliche Tokio noch trister aussehen lassen. Die Unerbittlichkeit, mit der Tokio in der Dämmerung Themen wie die familiäre Entfremdung und das anonyme Großstadtleben beschreibt, ist einzigartig in Ozus Filmografie.

Filmszene aus Die sieben Samurai

Platz 13

Die sieben Samurai

Akira Kurosawa | Japan | 1954

Mit seinem Epos Die sieben Samurai modernisierte Akira Kurosawa das japanische Kino, begründete das Genre des Actionfilms und beeinflusst Generationen nachfolgender Filmemacher. Wie sein Vorbild John Ford zieht Kurosawa ein groß angelegtes Spektakel auf und schickt seine Helden in ein ambivalentes Abenteuer: Der Film baut regelmäßig Spannung auf, entwickelt durch unterhaltsame Dialoge und humorvolle Szenen einen hohen Unterhaltungswert und fußt auf einem tragischen Fundament, das die Szenen mit Bedeutung auflädt. Die sieben Samurai imponiert durch tolle Schauspieler und eine effektvolle Inszenierung; er bietet aber noch weit mehr als das und nutzt die Action, um universelle Überlegungen zu moralischen und gesellschaftlichen Fragen anzustellen.

Filmszene aus Red Angel

Platz 12

Red Angel

Yasuzō Masumura | Japan | 1966

Red Angel pendelt zwischen den Extremen: Nihilismus und Humanismus stehen hier gleichberechtigt nebeneinander und bilden eine absurde Mischung, die den Wahnsinn des Zweiten Weltkrieges widerspiegelt. Eine junge Krankenschwester und ein drogensüchtiger Arzt stehen im Zentrum der Geschichte, die über weite Strecken in einem Lazarett spielt, in dem sich regelmäßig amputierten Gliedmaßen stapeln. In Red Angel zerstört der Horror des Krieges die Protagonisten nicht nur körperlich, sondern auch geistig – sie verkommen zu leeren Hüllen, die versuchen, sich einen letzten Rest Menschlichkeit zu bewahren.

Filmszene aus Hana-Bi

Platz 11

Hana-Bi

Takeshi Kitano | Japan | 1997

Hana-Bi ist das Meisterstück von Takeshi Kitano und bringt die vielfältigen Facetten des japanischen Autorenfilmers zusammen. Der Film vereint blutige Gewalteruptionen, einen lakonischen Humor und große Gefühle, die sich im stoischen Gestus verbergen. Der Werdegang von Kitanos körperlich und seelisch zerrüttetem Inspektor Nishi ist von einer stilisierten, dialogarmen Inszenierung geprägt. Sie verleiht dem Film etwas Meditatives, betont aber auch dessen Fatalismus – die Tragik von Hana-Bi liegt darin, dass die unglücklichen Ereignisse vorhergesehen, aber nicht mehr abgewendet werden können; seine Schönheit gewinnt der Film, weil es Nishi auch gar nicht versucht.

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Filmszene aus When A Woman Ascends The Stairs

Platz 10

When a Woman Ascends the Stairs

Mikio Naruse | Japan | 1960

Nur ein bescheidenes persönliches Glück wünscht sich die Protagonistin von When a Woman Ascends the Stairs, um doch immer wieder am japanischen Patriarchat zu scheitern. Mit großem Einfühlungsvermögen und scharfer Beobachtungsgabe fängt Mikio Naruse den Werdegang der Frau ein. Auf große Gesten verzichtet er dabei – gerade die Beiläufigkeit der Rückschläge und Enttäuschungen verleiht dem Film eine durchschlagende Wirkung. Das nuancierte Spiel von Naruses Stammdarstellerin Hideko Takamine trägt entscheidend zu dieser leisen Dramatik bei.

Filmszene aus Perfect Blue

Platz 9

Perfect Blue

Satoshi Kon | Japan | 1997

Mit seinem Debütfilm Perfect Blue legte Satoshi Kon einen herausragenden Psychothriller vor, dessen Protagonistin zunehmend den Bezug zur Realität und zu ihrer Identität verliert. Nicht nur mit seiner Heldin, auch mit uns Zuschauern treibt der Animationsfilm für Erwachsene ein perfides Spiel: Er konfrontiert uns mit Déjà-vus, Träumen und einem Film im Film, bis sich die vielen Ebenen des Plots nicht mehr auseinanderdividieren lassen. Dabei fährt Kons Vexierspiel immer wieder neue Überraschungen auf und bleibt bis zur letzten Szene spannend.

Filmszene aus Kuroneko

Platz 8

Kuroneko

Kaneto Shindô | Japan | 1968

Der japanische Geisterfilm Kuroneko besticht durch eine grandiose Bildsprache und setzt seinen Handlungsort – einen nächtlichen Bambuswald, in dem zwei rachsüchtige Geisterfrauen durchreisenden Samurai auflauern – eindrucksvoll in Szene. Kaneto Shindô taucht einen Großteil der Bilder in Finsternis und erzeugt durch eine kunstvolle Ausleuchtung harte Kontraste, die den Schauplatz der Realität entheben. Der Regisseur verstärkt den magischen Eindruck noch durch eine Reihe inszenatorischer Tricks, die mit unserer Wahrnehmung spielen; so gewinnt Kuroneko eine dichte Atmosphäre und entwickelt einen immensen Sog.

Filmszene aus Frauen der Nacht

Platz 7

Frauen der Nacht

Kenji Mizoguchi | Japan | 1948

In Frauen der Nacht bearbeitete Kenji Mizoguchi einmal mehr das große Thema seiner Karriere: Das Leiden der Frauen in der patriarchalen Gesellschaft. Dennoch nimmt das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gedrehte Drama eine Sonderstellung im Schaffen des Japaners ein, der hier die wütendste Anklage seiner Laufbahn formuliert. Mit tristen Bildern und pessimistischem Tonfall inszeniert Mizoguchi den Werdegang dreier Frauen als unbarmherzige Abwärtsspirale und teilt Schicksalsschläge im Minutentakt aus, um im drastischen Finale ein eindringliches Mahnmal zu errichten.

Filmszene aus Onibaba

Platz 6

Onibaba – Die Töterinnen

Kaneto Shindô | Japan | 1964

Onibaba fängt das feudale Japan regelrecht apokalyptisch ein und schildert den täglichen Überlebenskampf zweier Frauen in einer Zeit des Krieges. Das Meisterwerk von Kaneto Shindô ist Horror- und Historienfilm, Melodram und Antikriegsparabel zugleich. Es vereint einen harschen Existenzialismus mit Bestandteilen des Genrekinos: Mordlustige Samurai, heimlicher Sex und wütende Dämonen sorgen für Spannung und eine große Ambivalenz. Die betörenden, symbolhaltigen Bilder erzeugen eine magische Stimmung.

Filmszene aus Harakiri

Platz 5

Harakiri

Masaki Kobayashi | Japan | 1962

Unter dem Vorwand eines rituellen Selbstmordes entwickelt der japanische Samuraifilm Harakiri ein fesselndes Vexierspiel: Wie in einem Krimi legt der Klassiker von Masaki Kobayashi mittels einer ausgeklügelten Rückblendenstruktur nach und nach seine Geheimnisse offen. Aus den Volten der Geschichte zieht Masaki Kobayashi das größtmögliche Suspense – zum Ende des Films könnte jeder Dialog eine Gewalteruption verursachen. Die elegische Inszenierung und das eindringliche Spiel von Hauptdarsteller Tatsuya Nakadai runden das Meisterwerk ab.

Filmszene aus Floating Clouds

Platz 4

Floating Clouds

Mikio Naruse | Japan | 1955

Das meisterhafte Melodram von Mikio Naruse schildert eine konfliktbeladene Liebesbeziehung im Nachkriegsjapan. Die Hassliebe der beiden Protagonisten erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren, die der Film effektvoll verdichtet. Dem Regisseur gelingt es hervorragend, ein Gefühl für das unsichtbare Band zwischen den Hauptfiguren zu vermitteln – sie können nicht voneinander lassen, aber auch nicht miteinander leben. Naruses tief gehendes Verständnis für menschliche Emotionen verleiht Floating Clouds eine zeitlose Allgemeingültigkeit.

Platz 3

Barfuß durch die Hölle

Masaki Kobayashi | Japan | 1959

Der erste Teil der epochalen Barfuß durch die Hölle-Trilogie spielt abseits der Schlachtfelder des Zweiten Weltkrieges und steckt trotzdem voller Grauen. Masaki Kobayashi versetzt einen Pazifisten als Aufseher in ein Arbeitslager für Kriegsgefangene und konfrontiert ihn mit der unmöglichen Aufgabe, seine humanistische Ideale mit der Dienstpflicht in Einklang zu bringen. Barfuß durch die Hölle spielt dieses Dilemma mit größtmöglicher Wucht aus und hinterfragt das Menschsein im Angesicht des Unmenschlichen.

Platz 2

Feuer im Grasland

Kon Ichikawa | Japan | 1959

Der Antikriegsfilm Feuer im Grasland bietet ein außergewöhnliches Erlebnis. Das Werk von Kon Ichikawa schickt einen japanischen Soldaten auf eine Odyssee über ein pazifisches Eiland, das längst von den Amerikanern überrannt wurde. Der Regisseur entfesselt das Grauen des Krieges, ohne den Sensationen des Genres anheimzufallen: Gerade die Beiläufigkeit der schockierenden Szenen erweist sich als effektvoll. Die erhabenen Schwarz-Weiß-Bilder beeindrucken ebenso wie die ausgezeichneten Schauspieler – das eindringliche Spiel des völlig abgemagerten Tatsuya Nakadai bleibt lange in Erinnerung.

Platz 1

Die Frau in den Dünen

Hiroshi Teshigahara | Japan | 1964

Drei Genies auf dem Höhepunkt ihres Könnens prägten Die Frau in den Dünen: Der Autor Kōbō Abe, der Regisseur Hiroshi Teshigahara und der Komponist Tōru Takemitsu schufen einen Höhepunkt der Japanischen Neuen Welle. Teshigaharas Werk entzieht sich den Konventionen des Kinos und bietet ein einmaliges Filmerlebnis: Die parabelhafte Geschichte, die expressiven Bilder und die ungewöhnliche Musik entwickeln eine hypnotische Wirkung. Da sich Die Frau in den Dünen vielfältig interpretieren lässt und dabei in sich geschlossen bleibt, wohnt ihm eine zeitlose Faszination inne.

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Foto Tom Schünemann

ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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