Die 30 besten Filme
von 1980 bis 1989
In den Achtziger Jahren unterlag die Filmlandschaft einmal mehr großen Umwälzungen: Einflussreiche Strömungen wie das New Hollywood endeten, während die neuen Vermarktungskonzepte der amerikanischen Studios das Blockbusterkino als Status Quo etablierten.
Mit dem Aufkommen der VHS erklomm das Medium Film die nächste Evolutionsstufe: Das Home Entertainment löste einen Boom aus und belebte insbesondere das Genrekino. Folgerichtig zeichnen sich die Achtziger Jahre durch eine Vielzahl bemerkenswerter Werke aus dem Action-, Sci-Fi- und Horrorbereich aus.
Bestenlisten verkünden keine objektiven Wahrheiten, sie sind per se subjektiv und imperfekt. Die hier aufgeführten persönlichen Favoriten sollten daher als inspirierende Ergänzung zu eigenen Lieblingsfilmen verstanden werden.
Honorable Mentions
Wie jede Bestenliste leidet auch dieses Exemplar an Platzmangel, weshalb an dieser Stelle noch einige sehenswerte Filme erwähnt sein sollen, die einen Platz knapp verpasst haben.
Starten wir mit einer Reihe bemerkenswerter Genrefilme, die besonders stilistisch imponieren: Manhunter – Roter Drache von Michael Mann, Paul Schraders eleganter Krimi Ein Mann für gewisse Stunden sowie Brian de Palmas Dressed to Kill haben die Bestenliste hauchdünn verpasst.
Weniger stilvoll, dafür umso brachialer kamen die testosterongeschwängerten Actionfilme der Achtziger Jahre daher, insbesondere Silvester Stallone mit Rambo sowie Rambo II und Arnold Schwarzenegger mit Red Heat machen immer noch das Kind im Manne froh. Lethal Weapon war hingegen schon deutlich ironischer angelegt und nahm damit das kommende Jahrzehnt vorweg. In diesem Zusammenhang ist auch noch Platoon zu nennen; Oliver Stones Antikriegsfilm abstrahiert seine Actionszenen und ist auf dem fiktiven 31. Platz gelandet.
Die brachialsten Actionfilme wurden derweil in Hongkong gedreht, wo sich besonders John Woo mit A Better Tomorrow und The Killer hervortat. Auch der großartige Heroic Bloodshed-Vertreter My Heart is That Eternal Rose muss erwähnt werden; gleiches gilt für den ungemein kreativen Wuxia-Klassiker Todesduell der Shaolin und Tsui Harks Peking Opera Blues. Zu guter Letzt sei noch auf das philippinische Epos Gold, Silber, Tod hingewiesen, das keine Gefangenen macht.
In Hollywood setzte sich derweil der Siegeszug des Blockbusterkinos fort, passenderweise mit einer Reihe von Fortsetzungen. Das Imperium schlägt zurück und Die Rückkehr der Jedi-Ritter beendeten den ersten Star Wars-Zyklus, Indiana Jones und der letzte Kreuzzug übertraf seine beiden Vorgänger und selbst Martin Scorsese drehte mit Die Farbe des Geldes einen zweiten Teil.
Deutlich kleinere Budgets sind in der Regel im Horrorkino zu finden; das tut David Cronenbergs Achtziger-Klassiker Die Fliege oder dem höchst effektiven Hitcher, der Highway Killer jedoch keinen Abbruch. Auch der italienische Giallo darf nicht übersehen werden – insbesondere Dario Argentos Tenebre ist großartig inszeniert.
Auch der Science-Fiction-Bereich prosperierte dank des Star Wars-Booms. Für 1984, RoboCop, Predator und The Quiet Earth blieb leider kein Platz auf der Bestenliste.
Auch wenn das Jahrzehnt durch amerikanischen Bombast geprägt wurde, dürfen die europäischen Perlen nicht übersehen werden; etwa Aki Kaurismäkis finnisches Kleinod Calamari Union und Peter Greenaways kunstvolle Farce Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber. Die britische Krimikomödie Ein Fisch namens Wanda macht ebenfalls Spaß. Selbst David Lynch drehte sein intensives Drama Der Elefantenmensch auf der Insel.
Der Blick zum Festland streift als erstes Éric Rohmers wunderbaren Der Freund meiner Freundin. Deutlich ernster geht es im polnischen Gefängnisdrama Verhör einer Frau und im ungarischen Melodram Zimmer ohne Ausgang zu, die beide eine Entdeckung wert sind.
Der Kreis schließt sich mit europäischen Perspektiven auf die Vereinigten Staaten: Wim Wenders setzte mit Paris, Texas den Schlusspunkt unter den Neuen Deutschen Film und Karel Reisz bringt im New Hollywod-Krimi Grenzpatrouille eine interessante Kapitalismuskritik unter.
Zu guter Letzt möchte ich noch zwei Filme mit Afrika-Bezug nennen: Der französische Klassiker Der Saustall und der senegalesische Antikriegsfilm Das Camp der Verlorenen bleiben im Gedächtnis.
Kommen wir nun zu den 30 besten Filmen der Jahre 1980 bis 1989:

Platz 30
Thief – Der Einzelgänger
Michael Mann | 1981 | USA
In seinem Spielfilmdebüt Thief überführt Michael Mann den Film Noir in die Achtziger Jahre: Sein Werk hüllt eine Charakterstudie in den Mantel des Genrekinos. Vordergründig ein suspensevolles Heist-Movie, entwirft Thief seinen Antihelden als gesellschaftlich isolierten Individualisten, der vom bürgerlichen Leben träumt, sich die dafür nötigen Kompromisse aber nicht leisten kann und demnach zwangsläufig an der Differenz zwischen Innenleben und Außenwelt scheitern muss. James Caan spielt den verschlossenen Protagonisten mit großer Körperlichkeit und wird von den großartigen Neon-Bildern und der Musik von Tangerine Dream perfekt eingerahmt.

Platz 29
Hannah und ihre Schwestern
Woody Allen | 1986 | USA
Hannah und ihre Schwestern erzählt in mehreren sich kreuzenden Handlungssträngen von drei unterschiedlichen Frauen und ihren Männern (großartige Besetzung mit u. a. Mia Farrow, Carrie Fisher, Max von Sydow, Michael Caine). Wie so oft schwelgt Woody Allen in den Irrungen der Liebe und im New Yorker Lebensgefühl, ist dabei aber deutlich weniger auf Gags und Pointen aus als gewohnt. Hannah und ihre Schwestern lässt sich als Tragikomödie lesen, wird allerdings von einer leisen Herzlichkeit durchdrungen – Allen formuliert die Erkenntnis, dass das Leben zwar seltsam verläuft, aber am Ende alles gut wird.

Platz 28
Wall Street
Oliver Stone | 1987 | USA
Mit Wall Street drehte Oliver Stone einen emblematischen Film über das Amerika der Achtziger. Vier Jahre nach seinem Drehbuch zu Scarface, der die Reagan-Ära auch schon kritisch kommentierte, legte Stone nach und zielte direkt auf das Herz des amerikanischen Kapitalismus. Erneut polemisiert Stone und spitzt zu, er hält den Plot simpel und die Figuren archetypisch. Dabei gelingt ihm das Kunststück, eine klare ideologische Haltung zu transportieren und uns trotzdem den Geschmack des großen Geldes kosten zu lassen. Die ruhelose Inszenierung und der göttliche Michael Douglas als Finanzhai Gordon Gekko (Oscar als bester Hauptdarsteller) predigen einen Macho-Kapitalismus, dem wie uns kaum entziehen können.

Platz 27
Threads
Mick Jackson | 1984 | Großbritannien
Ähnlich wie Peter Watkins‘ brillante Mockumentary The War Game malt auch der britische Klassiker Threads ein nukleares Endzeitszenario. Er veranschaulicht die hypothetischen Folgen eines atomaren Weltkrieges auf die englische Stadt Sheffield und wählt dafür eine rohe, ungeschönte Form. Die semidokumentarische Inszenierung und die nüchterne Erzählweise verfehlen ihre Wirkung nicht – Threads bleibt durchweg schwer verdaulich und hinterlässt einen bleibenden Eindruck, ohne seine Botschaft vor sich herzutragen. Die apokalyptische Stimmung spricht für sich selbst, die erzählerische Konsequenz verweigert sich jedem Optimismus.

Platz 26
Blow Out
Brian De Palma | 1981 | USA
Brian De Palmas Thriller bedient sich bei Michelangelo Antonionis Blow Up und Francis Ford Coppolas Der Dialog: Auch in Blow Out besteht die Welt aus Zeichensystemen, die unterschiedliche Wahrnehmungs- und Interpretationsebenen bedingen. Für den von John Travolta glänzend gespielten Protagonisten gerät die Wahrheitssuche zwangsläufig zur Obsession, was an die Paranoiathriller der Siebziger Jahre erinnert und sowohl Spannung als auch Suspense bietet. Das Sounddesign und die grandiose Kameraarbeit von Vilmos Zsigmond tragen dazu maßgeblich bei.

Platz 25
Do the Right Thing
Spike Lee | 1989 | USA
Do the Right Thing entwirft anhand eines klugen Szenarios eine universelle Rassismus-Parabel: Der Film schildert einen Tag in einem Viertel Brooklyns, das sich aufgrund einer Hitzewelle im Wortsinne in einen Schmelztiegel der Kulturen verwandelt. Mit einer erstaunlichen Leichtigkeit verknüpfte der damals erst 32-jährige Spike Lee mehrere collagenhaft zusammengefügte Episoden zu einem stimmungsvollen Gesellschaftsbild. Der Regisseur verdeutlicht ohne plumpe Moralisierung, wie aus einem latenten Rassismus Wechselwirkungen erwachsen, die sich nicht mehr aufhalten lassen.

Platz 24
Lola
Rainer Werner Fassbinder | 1981 | Deutschland
Der zweite Teil in Fassbinders BRD-Trilogie verlegt Heinrich Manns Roman Professor Unrat in die Wirtschaftswunderjahre und erzählt vom Niedergang eines biederen Amtsleiters, der sich im Netz einer korrupten Kleinstadt verfängt. Fassbinder übersetzt den Verlust der emotionalen und moralischen Bodenhaftung mittels einer expressiven, vielfarbigen Beleuchtung und verleiht dem Geschehen so eine irreale Schicksalhaftigkeit. Dank der erstklassigen Besetzung (Armin Mueller-Stahl, Mario Adorf und Barbara Sukowa) bleiben die Figuren trotzdem greifbar, sodass Lola nie zur kalten Versuchsanordnung verkommt.

Platz 23
Stirb langsam
John McTiernan | 1988 | USA
Stirb Langsam verpasste dem von unkaputtbaren Superhelden der Marke Schwarzenegger/Stallone übersättigte Actionkino eine Frischzellenkur und präsentierte etwas Neues: einen nahbaren Helden. John McLane ist einer von uns – ein einfacher Mann in den Mühlen von Terroristen, die einen internationalen Konzern überfallen. McLane ist planlos und verletzbar; er flucht und improvisiert sich durch den Film. Der rotzige Charme brachte TV-Darsteller Bruce Willis den Durchbruch, zumal der Kontrast zum hervorragenden Alan Rickman als Antagonisten tadellos geplant ist. Mit dem abgeriegelten Hochhaus Nakatomi Plaza besitzt Stirb Langsam zudem einen tollen Handlungsort; auch die geradlinige Inszenierung von John McTiernan hält sich zeitlos.

Platz 22
Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs
Pedro Almodóvar | 1988 | Spanien
Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs erweckt die amerikanischen Screwballcomedys der Dreißiger Jahre zu neuem Leben: Ein chaotischer Plot und lauter aufgewühlte Figuren stolpern von einer irrwitzigen Krise in die nächste. Dabei begegnet Pedro Almodóvar den Emotionen und Schwächen der Protagonisten mit Sympathie und formuliert eine Ode an die Verrücktheiten des Lebens. Mit sorgsam arrangierten, knallbunten Farbakzenten spiegelt der spanische Regisseur das irreale Szenario auch visuell und verleiht dem Film damit zusätzlichen Charme.

Platz 21
Shining
Stanley Kubrick | 1980 | Großbritannien, USA
Stanley Kubrick formte aus dem dritten Roman von Stephen King einen der bekanntesten Klassiker des Horrorgenres. Der Regisseur setzt das spukige Overlook Hotel mit einer außerordentlichen Kälte in Szene, sodass die Flure und Hallen trotz ihrer Weitläufigkeit klaustrophobisch anmuten. Die tollen Kamerafahrten und einige inszenatorische Tricks steigern dieses Gefühl noch, auf plakative Schocks kann Kubricks Film daher verzichten. Doch Shining profitiert nicht nur von seiner formalen Qualität, auch der spielwütige Jack Nicholson trägt nachhaltig zur Intensität bei und reißt jede Szene an sich.

Platz 20
Cruising
William Friedkin | 1980 | USA
Cruising sorgte bereits während der Produktion für heftige Kontroversen, weil er Al Pacino als Undercover-Cop in die New Yorker Schwulenszene führt, um einen Serienkiller zu fassen. Dabei wischt der eigenwillige Thriller von William Friedkin Genrekonventionen beiseite: Die Ermittlungsarbeit zerfasert zunehmend und läuft ins Leere, Cruising interessiert sich mehr für die schleichende Metamorphose von Pacinos Figur, die zunehmend vom zunächst fremdartigen Milieu assimiliert wird. Das fasziniert vor allem, weil Friedkin uns das Innenleben des Protagonisten vorenthält – insbesondere das trügerische Happy End lässt beunruhigende Fragen offen.

Platz 19
Psycho II
Richard Franklin | 1983 | USA
So fragwürdig eine Fortsetzung von Alfred Hitchcocks Meilenstein auch erscheint – Psycho II vermag zu überraschen. Das Sequel erreicht zwar nicht die formale Qualität des ersten Teils, begeistert jedoch mit einem exzellenten Drehbuch. Gekonnt reflektiert und variiert Teil 2 den Mythos des Vorgängers, spielt über einen mysteriösen Plot mit unserer Erwartungshaltung und fährt effektvolle Twists auf. Psycho II reichert den Stoff an, statt ihn auszuschlachten – eine würdige Fortsetzung!

Platz 18
Das Ding aus einer anderen Welt
John Carpenter | 1982 | USA
John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt konfrontiert die Mitarbeiter einer antarktischen Forschungsstation mit einem außerirdischen Virus und vereint damit Science-Fiction- und Horrorfilm zu einem grandiosen Erlebnis. Carpenter zieht eine klaustrophobische Atmosphäre aus dem abgeschiedenen Handlungsort und steigert den Spannungsgrad unaufhörlich. Die Maßstäbe setzenden Monstereffekte haben auch nach 40 Jahren nichts von ihrer Wirkung verloren und die Coolness von Hauptdarsteller Kurt Russell kann es mit der eisigen Umgebung aufnehmen.

Platz 17
Scarface
Brian De Palma | 1983 | USA
Mit dem Remake von Howard Hawks‘ Klassiker aus dem Jahr 1932 prägte Regisseur Brian De Palma die Popkultur. Wie das Original verfolgt Scarface den Aufstieg und Fall eines Gangsters, das Drehbuch von Oliver Stone formuliert dabei einen Abgesang auf die menschliche Gier. Mit seinem expressiven Spiel etablierte Al Pacino seinen Tony Montana als einen der bekanntesten Gangster der Kinogeschichte, in Erinnerung bleiben auch das bunte Achtziger Jahre-Flair Miamis und die intensiven Gewaltszenen.

Platz 16
Blood Simple
Joel & Ethan Coen | 1984 | USA
Kaum zu glauben, dass es sich bei Blood Simple um einen Debütfilm handelt; der Neo-Noir der Coen-Brüder ist meisterhaft geschrieben und inszeniert. Er überzeugt durch eine im modernen Kino seltene Klarheit: Der Plot bleibt simpel, die Figuren archetypisch, doch aufgrund der hochgradig ökonomischen und zugleich gnadenlos konsequenten Erzählung ergibt sich ein fesselndes Filmerlebnis. Der präsente Fatalismus und die bittere Ironie der Wendungen führen zu einer konstanten Spannung, die pointierten Dialoge fesseln ebenso wie das durchweg exzellente Spiel der Darsteller.

Platz 15
Aliens – Die Rückkehr
James Cameron | 1986 | USA
James Cameron meisterte die undankbare Aufgabe, eine Fortsetzung zum Meilenstein Alien zu drehen, mit Bravour. Cameron lässt die Stärken des Films – die von Sigourney Weaver gespielte Ellen Ripley und das Produktionsdesign – unangetastet und arbeitet mit klugen Variationen. Der von Teil zu Teil fortgeführte Wechsel der Farbpalette und des Genres sollte zum Markenzeichen der Filmreihe werden. In Aliens tauscht Cameron die Horror-Elemente des Vorgängers gegen fulminante Actionszenen und eine nie nachlassende Spannung. Das ikonische Finale zählt zu den Höhepunkten der Alien-Saga.

Platz 14
Die Spur des Schreckens
Edward Yang | 1986 | Taiwan
In Die Spur des Schreckens verfolgt Edward Yang die einander kreuzenden Wege von Menschen in Taipeh, was zunächst episodenhaft anmutet und an die Filme von Tsai Ming-liang erinnert, der die Hauptstadt Taiwans ebenfalls als anonyme Metropole zeichnet. Die reduzierte Inszenierung verstärkt diese Weltsicht durch einen semidokumentarischen Stil, mit fortlaufender Spielzeit ändert sich der Eindruck jedoch. Je stärker die einander unbekannten Protagonisten sich gegenseitig beeinflussen, desto unnatürlicher wirkt der Realismus des Films. Das schicksalhafte Finale verstärkt den postmodernen Anstrich von Die Spur des Schreckens und trifft uns unerwartet.

Platz 13
Leben und Sterben in L.A.
William Friedkin | 1985 | USA
Fünf Jahre, nachdem er durch seinen finsteren Meilenstein Cruising zum Paria wurde, feierte William Friedkin mit Leben und Sterben in L.A. sein Comeback. Sein fiebriger, maximal übersteigerter Neo Noir pervertiert Gut und Böse bis ins jeweilige Gegenteil, Held und Antagonist widersprechen gängigen Konzepten. Dabei geht Leben und Sterben in L.A. absolut kompromisslos vor, überrascht mit harten Gewaltspitzen und unerwarteten Figurentoden. Die finale Szene formuliert dann noch einen zynischen Abgesang auf das neoliberale Amerika der Neuzeit. Die famosen Bilder und die fantastische Musik tragen erheblich zur Wucht des Films bei.

Platz 12
Terminator
James Cameron | 1984 | USA
Ein bahnbrechendes B-Movie: Terminator avancierte zum Überraschungserfolg und verdankt seine Wirkung nicht nur der atemberaubenden Physis von Arnold Schwarzenegger, sondern auch dem niedrigen Budget. Aufgrund des Geldmangels beschränkte James Cameron die Erzählung aufs Nötigste und verdichtete das Szenario dadurch unweigerlich. Der Film geht narrativ ebenso geradlinig vor wie die titelgebende Killermaschine – jede Szene treibt die Protagonisten auf Konfrontationskurs. Daraus zieht Terminator ein Gefühl der Ausweglosigkeit und eine sich stetig steigernde Spannung.

Platz 11
Brazil
Terry Gilliam | 1985 | Großbritannien
In Brazil entwirft Terry Gilliam eine so absurde wie bedrückende Dystopie, in der ein kleiner Beamter in die Mühlen eines Überwachungsstaates gerät. Mit Anleihen bei George Orwells 1984 und den Werken von Franz Kafka schildert Gilliam die irrwitzige Bürokratie einer unpersönlichen Diktatur und spielt dabei seinen überbordenden Einfallsreichtum aus: Die skurrilen Volten des Plots, absonderliche Figuren und seltsame Dekors befeuern ein unvorhersehbares Filmerlebnis. Doch hinter der humorvollen Groteske offenbart sich ein existenzielles Drama, die tragische Poesie des Finales hallt lange nach.

Platz 10
Briefe eines Toten
Konstantin Lopushansky | 1986 | Russland
Der russische Endzeitfilm Briefe eines Toten schildert auf bedrückende Weise den Alltag nach einem Atomkrieg. Konstantin Lopuschanski – ehemaliger Regieassistent von Andrei Tarkowski – setzt auf eine zurückhaltende Inszenierung der in Trümmern liegenden, zum Stillstand gekommenen Welt. Ein stimmungsvolles Setdesign und finstere Bilder mit bromfarbener Tönung sorgen für eine dichte Atmosphäre und einen gedrückten Tonfall. Der bleiernen Schwere trotzt Lopuschanski mit einem humanistischen Kern, der dem drohenden Strahlungstod einen fast schon naiven Hoffnungsschimmer entgegensetzt.

Platz 9
Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Uli Edel | 1981 | Deutschland
Mit seiner Filmadaption übertraf Uli Edel den Erfolg des Tatsachenromans über eine heroinabhängige, sich prostituierende Minderjährige sogar noch und schuf einen Meilenstein des deutschen Kinos. Der Regisseur transponiert den nüchternen Stil der Vorlage zu einem ganz auf Stimmungen konzentrierten Film, der den Werdegang der Protagonisten als fließenden Prozess einfängt. Dabei etablieren die bravourösen Jungschauspieler und die ungekünstelten Dialoge eine Bodenständigkeit, die im Zusammenspiel mit den stimmungsvollen Berlin-Bildern eine große Wucht entwickelt.

Platz 8
Blue Velvet
David Lynch | 1986 | USA
In vielerlei Hinsicht steigerte David Lynch in Blue Velvet das Erfolgsrezept seiner Kultserie Twin Peaks: Erneut entlarvt der Filmemacher den Horror hinter der Fassade einer malerischen Kleinstadt, allerdings verzichtet der Film auf den skurrilen Humor der Serie und forciert stattdessen blankes Entsetzen. Dazu trägt besonders Dennis Hopper als gewalttätiger Psychopath bei, der jede seiner Szenen in einen Albtraum verwandelt. Neben der durchweg exzellenten Besetzung (Kyle MacLachlan, Laura Dern, Isabella Rossellini) und der Musik von Angelo Badalamenti begeistern die ansehnlichen Bilder und die durchweg bedrohliche Stimmung.

Platz 7
Das Boot
Wolfgang Petersen | 1981 | Deutschland
Das Boot ermöglicht ein atmosphärisch dichtes Filmerlebnis, denn den Großteil des 200-Minuten-Epos verbringen wir an Bord eines deutschen U-Boots in den eisigen Tiefen des Atlantiks. Da die überraschend mobile Kamera den beengten Verhältnissen trotzt und der Film statt Musik eine eindringliche Geräuschkulisse einsetzt, entwickelt Das Boot eine große immersive Kraft – wir erleben den oft ungewissen U-Boot-Krieg als Teil der Mannschaft. Aus dieser Unmittelbarkeit zieht die Romanverfilmung eine enorme Spannung, während die markanten Figuren den emotionalen Rahmen schaffen.

Platz 6
The Element of Crime
Lars von Trier | 1984 | Dänemark
Schon in seinem Debütfilm bewies Lars von Trier eine Vorliebe für exzentrische Werke: The Element of Crime ist ein kafkaesker Kriminalfilm, den der Regisseur in einer fremdartigen Welt ansiedelt. Die Jagd auf einen Serienkiller führt einen Ermittler durch ein apokalyptisches Noir-Dänemark voller skurriler Figuren und seltsamer Ereignisse. Zeit und Logik weichen zunehmend einer (in betörenden Sepia-Bildern eingefangenen) Traumwelt, in der sich der Ermittler erst verstrickt und dann verliert. Dank von Triers Meisterschaft ergeht es uns Zuschauern nicht anders.

Platz 5
Komm und sieh
Elem Klimow | 1985 | Russland
Wie Andrei Tarkowskis Iwans Kindheit handelt auch Elem Klimows Komm und sieh von einem russischen Jungen, der in den Wirren des Zweiten Weltkrieges überleben muss. Trotz dieser Gemeinsamkeit könnten die beiden Filme nicht unterschiedlicher sein – Tarkowskis Poesie weicht hier einer unbarmherzigen Realität aus Massakern und Schlamm. Die fantastische Kameraarbeit konterkariert einen hässlichen, unerbittlichen Film, der ob seiner Wucht zu den Meisterwerken des Genres zählt.

Platz 4
Full Metal Jacket
Stanley Kubrick | 1987 | Großbritannien, USA
Stanley Kubricks Meisterwerk Full Metal Jacket zeigt den Krieg nicht als abstrakten Daseinszustand, sondern als staatlich oktroyiert. Der Regisseur hält dem amerikanischen „Heldentum“ den Spiegel vor und bedient sich dafür eines so genialen wie perfiden Schachzuges: Mit dem ewig schreienden Infanterieausbilder Hartman etabliert er eine Ikone, deren Zynismus die erste Filmhälfte überstrahlt. Hartman konditioniert nicht nur die Soldaten, sondern auch uns Zuschauer, weshalb wir die Kriegshandlungen der zweiten Hälfte ebenso gedämpft erleben wie die entmenschlichten Protagonisten.
Platz 3
Videodrome
David Cronenberg | 1983 | USA, Kanada
In seinem prophetischen Meisterwerk Videodrome nahm David Cronenberg bereits 1983 die mediale Zukunft vorweg. Er untersucht die Wechselwirkung zwischen Medienwelt und Realität, indem er uns diese am eigenen Leib spüren lässt. Zunächst kitzelt Cronenberg unsere Neugierde und füttert uns mit Elementen des Genrekinos an, um uns anschließend den Boden unter den Füßen wegzuziehen: Unter Zuhilfenahme seines typischen Body Horrors transzendiert Cronenberg den Plot und konfrontiert uns mit einem unauflösbaren Problem – nach einigen Volten der Geschichte können wir nicht länger zwischen den medialen Realitäten unterschieden, Videodrome hat unsere Wahrnehmung vereinnahmt.
Platz 2
Blade Runner
Ridley Scott | 1982 | USA
Aus einem kurzen Roman des visionären Sci-Fi-Autoren Philip K. Dick formte Drehbuchautor Hampton Fancher einen Meilenstein des Genres: Blade Runner überführt die typischen Merkmale des Film Noir – eine Großstadt als Handlungsort, eine pessimistische Weltsicht, Figuren mit unklaren Motiven – in ein stimmungsvolles Zukunftsszenario. Blade Runner begeistert mit tollem Setdesign und einem faszinierenden Plot, die größte Stärke des Films liegt allerdings in seinem existenzialistischen Kern: Wie er anhand einer Detektivgeschichte tiefgehende Gedanken zum Wesen der Menschlichkeit anstellt, ist umwerfende Filmkunst.
Platz 1
Possession
Andrzej Zulawski | 1981 | Frankreich, Deutschland
Andrzej Zulawskis Possession schildert die Hölle einer zerbrechenden Ehe in übersteigerten Extremen. Bleierne Berlin-Bilder fassen das Horrordrama ein, das in kürzester Zeit ein hysterisches Chaos entfesselt und über das groteske Schauspiel von Sam Neill und Isabelle Adjani eine bedrückende Stimmung etabliert. Da der Film seinen Plot lange mysteriös hält, mit unerwarteten Abgründen verstört und seine vielen Metaphern nicht auflöst, lässt sich Possession immer wieder aufs Neue erkunden. Zulawskis Meisterwerk bietet intensives Horrorkino fernab aller Konventionen.
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